Freitag, 17. Februar 2017 | 18:30

Das AKW Leibstadt ist wieder am Netz

Das AKW Leibstadt hat nach einer halbjährigen Pause wegen oxidierten Brennstäben die Stromproduktion am frühen Freitagabend wieder aufgenommen. Das Kraftwerk wurde schrittweise wieder hochgefahren.

Das AKW Leibstadt hat nach einer halbjährigen Pause wegen oxidierten Brennstäben die Stromproduktion am frühen Freitagabend wieder aufgenommen. Das Kraftwerk wurde schrittweise wieder hochgefahren.

Um 17.33 Uhr sei das Kraftwerk mit dem Stromnetz synchronisiert worden, teilte das Kernkraftwerk Leibstadt (KKL) am Freitag mit. Das Eidgenössische Nuklearinspektorat (ENSI) hatte am Donnerstag die Freigabe für den Leistungsbetrieb gegeben, allerdings in leicht reduziertem Umfang.

Damit es in Zukunft nicht erneut zu unzureichend gekühlten Brennstäben kommt, so genannten Dryouts, ordnete das ENSI eine Leistungsabsenkung bei den 84 Brennelementen an, die im kommenden Betriebszyklus neu eingesetzt werden. An den neuen Elementen beträgt die Leistungsabsenkung rund 20 Prozent. Im Reaktor befinden sich insgesamt 648 Brennstäbe.

Die thermische Leistung des Reaktors in Leibstadt wird gemäss ENSI zu Beginn des Betriebszyklus' bei maximal 95 Prozent liegen und bis Zyklusende Mitte September auf rund 88 Prozent sinken.

Messsysteme sollen zudem vor neuen Brennstabschaden und einem Auswaschen radioaktiver Stoffe in das Kühlmittel warnen. Als Auflage für die Freigabe zum Leistungsbetrieb legte das ENSI weiter fest, dass das AKW Leibstadt sofort heruntergefahren werden muss, wenn ein Anstieg von radioaktiven Abgasen festgestellt wird.

Langer und teurer Stillstand

Das AKW Leibstadt stand seit der Jahreshauptrevision im vergangenen August still. Grund waren oxidierte Brennstäbe. Diese waren zeitweise ungenügend gekühlt gewesen. Bei diesen kritischen Siedezuständen ist gemäss ENSI die Hüllrohroberfläche im Betrieb nicht mehr mit einem Kühlmittelfilm benetzt.

Die Ursache für das Problem ist nach wie vor nicht bekannt. Weil die Ursachenforschung gemäss Ralph Schulz, Leiter des Fachbereichs Sicherheitsanalysen des ENSI, aber "ein klares und plausibles Muster bei den relevanten Einflussgrössen" gezeigt habe, kenne man die Bedingungen, unter denen ein Dryout im AKW auftrete.

Aus diesem Muster hat die AKW-Betreiberin Massnahmen abgeleitet, die ein erneutes Auftreten von kritischen Siedezuständen verhindern sollten. Das ENSI prüfte diese Vorschläge und beurteilte sie gemäss Mitteilung vom (gestrigen) Donnerstag als "anforderungsgerecht": Auslegung und der Betrieb des Reaktorkerns werden gemäss ENSI nun so gestaltet, dass die Bedingungen, die in den letzten Betriebszyklen zu lokalen Dryouts geführt haben, nicht mehr auftreten.

Die Freigabe für das AKW durch das ENSI wurde von Umweltverbänden harsch kritisiert. Eine von 16'000 Personen unterzeichnete Online-Petition fordert die lückenlose Aufklärung der Ursachen für die Probleme des AKW.

Der lange Stillstand des AKW dürfte die Betreiberin rund 180 Millionen Franken gekostet haben.


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