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Seeuferweg muss markant redimensioniert werden

Es hätte ein Vorzeigeprojekt der Gemeinde Quarten werden können – der Seeuferweg entlang des Walensees. Während der seit vergangenem Herbst laufenden Teiletappe 1 (Mols) sind Unwägbarkeiten zum Vorschein gekommen, welche die Kosten des Gesamtprojekts glatt verdoppeln. Jetzt muss nochmals neu geplant werden.

von Hans Bärtsch

Was lange währt, wird endlich gut. Ob dieser Ausspruch dereinst auf den Seeuferweg zutreffen wird? Stand heute wagt man das zu bezweifeln. «Ein Desaster!» ertönt es aus der Bevölkerung. Es wird sogar der Vergleich mit dem Flughafen Berlin gezogen – bei jenem Projekt reihte sich 14 Jahre lang wegen Planungsfehlern, Baumängeln und fehlender Aufsicht Panne an Panne, die Kosten explodierten.

Natürlich kann der Seeuferweg entlang des Walensees nicht wirklich einem Milliardenunterfangen wie dem Flughafen Berlin gegenübergestellt werden. Dazu sind die Dimensionen denn doch zu unterschiedlich. Und im Gegensatz zu Berlin hat der Gemeinderat Quarten frühzeitig reagiert. «Erneuerung und Ausbau des Seeuferwegs», wie das Projekt heisst, ist in Quarten derzeit ein rege diskutiertes Thema. Grund dafür sind die jüngsten Gemeindenachrichten, in denen auf «Projektanpassungen» hingewiesen werden. Und diese haben es in sich. Die Rede ist von einer drohenden Kreditüberschreitung von acht Millionen Franken – dies bei Gesamtkosten des Projekts von 8,6 Millionen Franken. Im Mai 2014 hatte die Quartner Stimmbürgerschaft Ja gesagt zu einem Projekt und einem Kredit der Gemeinde von drei Millionen Franken, die restlichen 5,6 Millionen trägt der Kanton.

Kredit reicht «bei Weitem nicht»

Am 31. August vergangenen Jahres war der Spatenstich bei Mols erfolgt – Teil 1 der auf drei Bauetappen unterteilten Seeuferweg-Sanierung. «Bei der Umsetzung der ersten Bauetappe habe sich gezeigt, dass der 2014 genehmigte Kredit «bei Weitem nicht ausreichen würde, um das Projekt so zu realisieren, wie es ursprünglich vorgesehen war», heisst es in den Gemeindenachrichten. Und weiter: «Vor allem die Abschnitte, die nahe am Bahngeleis liegen und zu diesem einen grossen Niveauunterschied aufweisen, würden zu massiv hohen Mehrkosten gegenüber dem Kostenvoranschlag führen. Dasselbe gilt für eine Erneuerung der Stege in Mols und Murg.»

Für den Gemeinderat ist klar, «dass er der Bürgerschaft keinen Nachtragskredit von acht Millionen Franken beantragen wird. Das wäre für die Erneuerung und den Ausbau eines Velowegs völlig unverhältnismässig.» Er hat deshalb das zuständige Ingenieurbüro beauftragt, «alle besonders aufwendigen Abschnitte und die mutmasslichen Mehrkosten auf diesen Abschnitten aufzulisten».

Nur erneuern, nicht ausbauen

Der Gemeinderat habe basierend auf dieser Liste bestimmt, «welche Abschnitte lediglich erneuert, aber nicht oder nur geringfügig ausgebaut werden sollen, um eine Kreditüberschreitung zu vermeiden». Eine erste Prüfung dieser Redimensionierung zeige enormes Sparpotenzial und deute darauf hin, «dass eine Annäherung an den genehmigten Kredit möglich ist». Gegenüber dem ursprünglichen Projekt, das eine Länge von rund 6,5 Kilometern aufweist, werden nun «etwa 60 Prozent wie vorgesehen und 30 Prozent in reduziertem Ausmass ausgebaut. Ungefähr zehn Prozent werden erneuert beziehungsweise saniert.»

«Zu einem 'Übungsabbruch' wird es nicht kommen – der Gemeinderat steht hinter dem Projekt und will es, mit so wenigen Abstrichen wie möglich, zu Ende bringen.»

Erich Zoller, Gemeindepräsident Quarten

Die Projektanpassungen sollen sich gemäss Gemeindenachrichten «gleichmässig auf die Etappen Mols, Murg und Unterterzen verteilen». Gemäss aktuellem Stand geht der Gemeinderat davon aus, dass die Etappe Mols vom Bommerstein bis zum Steg wie geplant gebaut wird. Ebenfalls realisiert wird jener Teil, für den der Kanton zuständig ist, namentlich der Einlenker beim Bommerstein; jene Arbeiten sind aktuell im Gang.

Was sagt Gemeindepräsident Erich Zoller zum «Desaster» in seiner Gemeinde? Er weist vor allem auf die lange und komplexe Geschichte der Seeuferweg-Sanierung hin. Und eine Planung, die durch viele Hände ging. Offenbar viel zu viele. In einem – langen – Telefongespräch mit dem «Sarganserländer» nimmt Zoller eines vorweg: An Schuldzuweisungen ist er nicht interessiert. Auch werde es nicht zu einem «Übungsabbruch» kommen – der Gemeinderat stehe hinter dem Projekt und wolle es, mit so wenigen Abstrichen wie möglich, zu Ende bringen. Für Kritik aus der Bevölkerung hat Zoller Verständnis; der Bericht in den Gemeindenachrichten habe tatsächlich «einige Resonanz ausgelöst». Der Gemeinderat habe sich «volle Transparenz» auf die Fahne geschrieben; es gebe auch gar nichts zu verheimlichen.

Wechselnde Verantwortliche

Zoller blickt weit zurück, um ein erstes Hauptproblemfeld zu erläutern: die häufigen Wechsel seitens der Planungsbüros. Ursprünglich habe sich ein auswärtiges Ingenieurbüro um den Seeuferweg gekümmert, gefolgt von einer lokal und einer regional tätigen Firma. Später wurden die Ingenieurleistungen öffentlich ausgeschrieben, der Zuschlag ging ans St. Galler Büro Gruner Wepf. Dort hätten sich die Verantwortlichen für den Seeuferweg indes die Klinke in die Hand gegeben. Zoller spricht von vier verschiedenen Projektleitern in dreieinhalb Jahren.

Erst der aktuelle Projektleiter habe in Zusammenhang mit den Ausführungsplänen auf «erhebliche Kostensteigerungen» hingewiesen. Das war im vergangenen August – kurz vor dem Spatenstich und vor Aufnahme der Bauarbeiten an Etappe 1 (Mols ab Bommerstein). Davor habe es keinerlei Hinweis gegeben, dass es «heiss» werden könnte betreffend des Kostenrahmens.

Was hat den aktuellen Projektverantwortlichen des Ingenieurbüros aufgeschreckt? Die hohen Hürden der SBB für einzelne Abschnitte. Die Genehmigungen der Bahn waren gemäss Zoller mit derart vielen Auflagen verbunden, dass diese entweder gar nicht oder nur mit «extrem hohem Aufwand» erfüllt werden könnten. Die Vorgaben der SBB – die Bahngeleise verlaufen teils in sehr geringem Abstand zum Seeuferweg – seien schlicht «massiv unterschätzt» worden. Zoller nennt das Beispiel eines 60-Meter-Abschnittes Veloweg, der mit einer Million zu Buche schlagen würden. Auf der gesamten Länge von 6,5 Kilometern würden Mehrkosten von rund acht Millionen zusammenkommen, was natürlich «völlig unverhältnismässig» sei. Gemeindepräsident Zoller betont aber nochmals, dass es seit der Eröffnung des Auflageverfahrens im Sommer 2018 «nicht den kleinsten Anhaltspunkt» für eine Überarbeitung des Projektes gegeben habe.

Offerten lieferten keine Hinweise

In der Folge habe man deshalb die Realisierung der Erneuerung und des Ausbaus des Seeuferwegs vorangetrieben. Im Winter 2019/20 wurden die Baumeisterarbeiten – der klar grösste Kostenbrocken – ausgeschrieben und im Frühling 2020 vergeben. Die preislichen Abweichungen im Vergleich der Offerten seien moderat gewesen und hätten ebenfalls keinerlei Hinweis darauf gegeben, dass mit den Planungsarbeiten etwas nicht stimmen könne, sagt Zoller.

Was bedeutet der Tritt aufs Bremspedal nun für den Quartner Abschnitt der nationalen Veloroute Nummer 9, der sogenannten Seen-Route vom Genfer- bis zum Bodensee? Bezüglich Breite des Weges könne das heissen, dass knapp ein Drittel der 6,5 Kilometer langen Strecke nicht die anvisierten 3,5 Meter breit werde. Insbesondere dort, wo man den SBB zu nahe komme oder wo Bahndämme betroffen seien, beschränke man sich auf eine Sanierung und lasse eine Verbreiterung bleiben. Dasselbe bei Brücken und Stegen.

«Es gab keinerlei Hinweise darauf, dass mit den Planungsarbeiten etwas nicht
stimmen könnte.»

Erich Zoller, Gemeindepräsident Quarten

Wo der Gemeinderat keine Kompromisse eingehen möchte, ist die Etappe 1 in Mols (Bommerstein bis Höhe Restaurant Schifffahrt). Erstens wurden diese Arbeiten schon gestartet, verbunden mit vertraglichen Abmachungen mit den ausführenden Unternehmungen. Zweitens gibt es auf jenem Abschnitt wenig Konfliktpotenzial mit den SBB. Und drittens hängen etliche weitere Projekte an dieser Etappe 1. Zoller erwähnt den Einlenker Bommerstein, welcher derzeit durch den Kanton realisiert wird, geplante Unterfangen der Ortsgemeinde Mols (Erweiterung des Parkplatzangebots am Hafen und Realisierung eines Kiosks mit Bistro und Aussenterrasse im Bereich des Badestrandes) und Hochwasserschutzprojekte.

Insgesamt würden am Projekt gar nicht mal so viele Abstriche gemacht, meint Zoller. Der Gemeinderat sei sich indes bewusst, eventuell mit einem Nachtragskredit an die Bürgerschaft gelangen zu müssen, aber «in einem vernünftigen Rahmen», welchen Zoller auf ein bis zwei Millionen beziffert. Es gelte nun, die richtige Balance zu finden «zwischen der Dimension der Redimensionierung und einem Projekt, das noch immer Freude macht». Der heikelste Abschnitt des Seeuferwegs bezüglich Sicherheit und Komfort sei ohnehin nicht jener auf Quartner Boden, sagt Zoller. Sondern die Strecke von Mols nach Walenstadt. Beim Kanton ist das Anliegen deponiert, mit der Nachbargemeinde sei man diesbezüglich ebenfalls in Kontakt.

Teilabschnitte neu beurteilen

Vorderhand, so Zoller abschliessend, gehe es nun aber darum, jeden der 40 Teilabschnitte des Seeuferwegs in der eigenen Gemeinde nochmals genau anzuschauen und die Projektanpassungen vorzunehmen. Besonders gefragt sind damit erneut die Planer. Mit dem Ingenieurbüro Gruner Wepf stehe man in konstruktiven Gesprächen. Auch die Geschäftsprüfungskommission der politischen Gemeinde sei konsultativ in den Prozess eingebunden, sagt Zoller.

Mit einem Seufzer kann sich der Quartner Gemeindepräsident die Aussage nicht verkneifen, dass der Bürgerschaft im Mai 2014 wohl ein zu ambitioniertes Projekt vorgelegt wurde.

 

Letzte Etappen 2022/23

Dass der Seeuferweg in Etappen saniert und ausgebaut wird, war von Anfang an so vorgesehen und hat nichts mit der Redimensionierung des Projekts zu tun. Mit der Etappe 1 (Mols) wurde im vergangenen Herbst begonnen und wird in diesem Jahr weitergemacht. Im kommenden Winter ist dann die Teiletappe Murg entlang der Alten Staatsstrasse (ab Bahnunterführung Murg Mitte bis Bahnüberführung Murg Ost) an der Reihe. Die übrigen Teiletappen werden gemäss den Quartner Gemeindenachrichten voraussichtlich im Winter 2022/23 erstellt. Wegen der drohenden Kreditüberschreitung hält der Gemeinderat fest, dass eine solche von der politischen Gemeinde Quarten getragen werden müsste, «weil der Kantonsbeitrag nicht erhöht werden kann». (sl)

 

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