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Traum und Trümmerhaufen

In ihrem Buch «Wer Flügel hat, braucht keine Beine» erzählt Christina Wechsel ihre ergreifende Geschichte. Sie handelt von einer Weltreise, einem Verkehrsunfall und einer Amputation – auch die Beziehung der Autorin zum Sarganserland ist besonders: Christinas Mutter, Annamaria Wechsel-Geel, war gebürtige Sarganserin.

von Nadine Bantli

«Nach dem Tod meiner Frau Annamaria begab sich unsere Tochter Christina auf eine Weltreise. Nur elf Monate später folgte ein weiterer Schicksalsschlag. Im Outback von Australien, auf dem Weg zum ‘Ayers Rock’, wurde Christina Opfer eines dramatischen Verkehrsunfalls. Die folgenden Wochen waren ein Kampf ums Überleben. Nach insgesamt 20 Operationen sowie sechs Monaten Krankenhaus und Reha hatte sich Christina eindrucksvoll ins Leben zurückgekämpft», fasst Albert Wechsel das Buch seiner Tochter, «Wer Flügel hat, braucht keine Beine», zusammen.

Ihre Mutter war eine Sarganserin

Das Werk ist eine ergreifende Erzählung der Erlebnisse und Erfahrungen, die die Autorin bereits in jungen Jahren machen musste. Christina Wechsel wurde 1981 in Montreal geboren und wuchs in Kanada und Griechenland auf, bevor sie mit ihrer Familie ins bayerische Freising zog – mit 23 zog die Halbschweizerin nach Zürich. Ihre Schweizer Wurzeln finden sich allerdings im Sarganserland: Annamaria Wechsel-Geel, Christinas Mutter und im Buch liebevoll «Mami» genannt, war gebürtige Sarganserin. Und das Herz hing ihr Leben lang am Dorf, plagte sie doch das Heimweh irgendwann so sehr, dass der Umzug in die Heimat beschlossen und bereits geplant war. Dazu gekommen ist es aber leider nie. Annamaria Wechsel-Geel verstarb tragischerweise einen Tag vor dem Umzugstermin an Krebs – zwei Tage nach ihrem Geburtstag.

In «Wer Flügel hat, braucht keine Beine» ist les- und spürbar, was für eine innige Beziehung Christina Wechsel zu ihrer Mutter – die gleichzeitig ihre beste Freundin und Ratgeberin, Mentorin und engste Seelenverwandte war – pflegte. Und nach diesem ersten Schicksalsschlag wird der Leserin oder dem Leser bereits klar, was für eine unglaubliche mentale Stärke die Autorin in sich tragen muss. Genau das ist auch eine jener Eigenschaften, die ihren Vater so faszinieren: «Nicht nur, dass sie in ihrem jungen Alter heftige Schicksalsschläge verkraftet hat, sondern auch, dass sie die negativen Erlebnisse in positive Visionen umgepolt hat.»

Als Beispiel nennt er das PiK-Projekt – als Peer im Krankenhaus. Dort will Christina Wechsel Menschen mit ähnlichen Schicksalen Mut machen und ihnen einen realistischen, authentischen Blick auf das Leben mit Prothese vermitteln.

Mit einer Beinprothese und positiver Energie durchs Leben

Warum Prothese? Das schildert die Autorin eindrücklich in ihrem Buch. In kurzer Form erzählt sich die Geschichte etwa so: Beim Autounfall im australischen Outback, bei dem ihr bester Freund ums Leben gekommen ist, ist sie selbst nur knapp dem Tod entgangen, kämpfte danach drei Wochen auf der Intensivstation um ihr Leben und musste schliesslich einen Unterschenkel amputieren. Heute geht sie eben mit einer Beinprothese und einer wahnsinnig inspirierenden Haltung durchs Leben.

Die positive Energie entfaltet im Buch immer wieder seine Kraft, gut sichtbar wird sie beispielsweise im Kapitel «Die Macht der Vergebung». Darin schreibt Christina Wechsel in Bezug auf Reisebekanntschaft Marie, die beim Unfall am Steuer des Autos sass: «Indem man anderen verzeiht, gibt man ihnen die Chance, sich jeweils selbst zu verzeihen – und das ist unfassbar wichtig für ein friedliches und glückliches Leben. Auch das eigene. Ich sah ihr fest in die Augen und sagte ihr, dass ich nicht mit ihr hadern würde. Ich haderte vielleicht mit Mr. Schicksal, der meinen Traum von einer Weltreise in einen schmerzenden Trümmerhaufen verwandelt hatte, aber nicht mit dieser jungen, so verzweifelten Frau.»

«Freili ham wir die»

Jung war und ist Christina Wechsel auch, ebenso hätte sie allen Grund gehabt, verzweifelt zu sein. Aber die Ärzte des Royal Adelaide Hospital in Australien haben sie als emotional widerstandsfähige Frau mit einem zuverlässigen Netzwerk an Freunden und Familie wahrgenommen. Und die Motivation sowie den Mut und Rückhalt, den sie von diesem Netzwerk erfahren hat, gibt die Autorin – mittlerweile Heilpraktikerin und Keynote Speakerin – mit ihrem Buch ganz vielen anderen Menschen weiter.

Beim Lesen von «Wer Flügel hat, braucht keine Beine» wird einem manchmal das Herz schwer. Mitgefühl kommt auf. Aber bei aller Tragik gibt es doch auch Passagen zum Schmunzeln – wie folgender Dialog zwischen Christina Wechsel und einem Arzt, wieder zu Hause in Murnau: «Der Arzt sieht aus, wie man sich einen gestandenen Bayern vorstellt – gross, mit Schnauzer, zerzaustem Haar und Bierbauch. Ich weiss nicht, ob sein Anblick der Grund ist oder ob das jetzt wirklich am Morphium liegt, aber ich frage unwillkürlich: ‘Haben Sie hier im Krankenhaus Semmelknödel?’ – ‘Freili ham wir die, aber die derfan Sie mit Ihrem Darmverschluss no long ned ess’n.’»

«Mutmacher» und Inspiration

Unter allen Protagonisten spielt auch Albert Wechsel eine wichtige und vor allem sehr authentische Rolle in diesem berührenden «Mutmacher», wie er das Buch seiner Tochter umschreibt. Seine Fürsorge und Liebe als Vater wird darin immer wieder deutlich: «[…] Auch er war sieben Wochen nicht in Deutschland gewesen und wusste als Hotelmanager gar nicht, ob seine Hotels noch liefen. Dennoch hatte es für ihn nie infrage gestanden, nicht bei mir zu bleiben, denn ich als Tochter hatte für ihn oberste Priorität.»

Albert Wechsel legt «Wer Flügel hat, braucht keine Beine» allen Leserinnen und Lesern wärmstens ans Herz. Natürlich, weil er der Autorin besonders nahe steht. Aber auch, «damit möglichst viele Menschen im Sarganserland, der Heimat ihrer geliebten Mutter und meiner Frau, inspiriert werden – von allen positiven Gedanken».

Hier gibts mehr Informationen zur Autorin.

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