Mittwoch, 16. September 2020 | 11:15

In Zoos gebären Affen gleichmässiger als in der Natur

Viele Tiere haben in Freiheit feste Paarungszeiten, die etwa durch die Tageslänge oder das Nahrungsangebot bestimmt werden. Wie sieht es aber mit Tieren in Zoos aus? Das Fazit einer Studie: Viele Affenarten pflanzen sich in Zoos gleichmässiger fort als in der Natur.

Viele Tiere haben in Freiheit feste Paarungszeiten, die etwa durch die Tageslänge oder das Nahrungsangebot bestimmt werden. Wie sieht es aber mit Tieren in Zoos aus? Das Fazit einer Studie: Viele Affenarten pflanzen sich in Zoos gleichmässiger fort als in der Natur.

Eine Forschungsgruppe der Klinik für Zoo-, Heim- und Wildtiere der Universität Zürich ist der Frage nachgegangen, inwieweit die Haltung in Zoos die Saisonalität der Fortpflanzung bei Wildtieren beeinflusst. Nach den Wiederkäuern und den Raubtieren untersuchten sie nun die Primaten.

Sie fanden heraus, dass sich 30 Prozent der Affenarten in Zoos gleichmässiger übers Jahr verteilt fortpflanzen als in der freien Wildbahn. Im Vergleich zu 13 Prozent der Raubtiere und 10 Prozent der Wiederkäuer ist dieser Anteil besonders hoch. Für die im Fachmagazin "Biological Reviews" erschienene Studie werteten die Forschenden die Geburtstage von 132'712 Affen von 141 verschiedenen Arten aus. Verwendet wurden die von der Organisation Species360 über Jahrzehnte gesammelten Daten.

Genetische Fixierung

Manche Affen-Arten, darunter die meisten Lemuren aus Madagaskar, gebären nur zu einer bestimmten Zeit im Jahr - auch wenn dies im Zoo gar nicht nötig wäre, da hier das ganze Jahr über für Futter, angenehme Temperaturen und gefahrlose Lebensbedingungen gesorgt ist. Aber im Zuge der Evolution hat sich bei diesen Arten eine Abhängigkeit der Fortpflanzung von der Tageslichtlänge entwickelt, die genetisch fixiert ist. Dies kann nur in Habitaten geschehen, in denen es deutliche Unterschiede in der Tageslichtlänge zwischen den Jahreszeiten gibt. In Äquatornähe - wo die meisten Affen-Arten vorkommen - erfolgt diese genetische Fixierung nicht.

Darum haben viele andere Affen-Arten keine solche genetische Fixierung. Bei ihnen wird die Saisonalität in der Fortpflanzung in ihren natürlichen Lebensräumen vom Nahrungsangebot ausgelöst. Ist das Angebot das ganze Jahr über gut, so können sie sich auch das ganze Jahr über fortpflanzen - wie zum Beispiel die Gorillas. So unterscheidet sich die Fortpflanzung von Gorillas in Zoos und ihren Artgenossen in der Natur nicht.

Weisshandgibbons pflanzen sich in Zoos regelmässiger fort

Unterliegt das Nahrungsangebot im natürlichen Lebensraum jahreszeitlichen Schwankungen, so ergeben sich auch entsprechende Schwankungen in der Fortpflanzung. Dies ist zum Beispiel beim Weisshandgibbon der Fall. In Zoos hingegen pflanzt sich diese Affenart nahezu das ganze Jahr über fort.

Die Forscher überraschte, dass mehr Affen-Arten (52 Prozent) in ihrem natürlichen tropischen Habitat durch das Nahrungsangebot in ihrer Fortpflanzung eingeschränkt werden als Wiederkäuer (17 Prozent). Unter den Affen gebe es damit vergleichsweise viele Arten, deren natürliches Potential durch die Versorgung in Zoos abgerufen werden könne, so die Studienautoren.

https://doi.org/10.1111/brv.12646


Weitere Artikel aus der gleichen Rubrik

Komet Chury leuchtet ultraviolett

Ähnlich wie bei den Polarlichtern auf der Erde erzeugen Sonnenwinde auch Lichter auf dem Kometen Chury. Das berichtet ein internationales Forschungsteam mit Beteiligung der Universität Bern im Fachmagazin "Nature Astronomy".

Wölfe reissen einen 32-jährigen Esel auf Bündner Alp

Im Kanton Graubünden haben Wölfe erstmals einen ausgewachsenen Esel auf einer Alp gerissen. Der Angriff geschah in der Nacht auf Montag auf der Alp Durnan oberhalb von Andeer.

Ständerat unterstützt Deklarationspflicht für Herkunft von Brot

Der Ständerat will für Brot und Backwaren eine Deklarationspflicht einführen: Das Produktionsland soll an einem für Kundinnen und Kunden gut sichtbaren Platz angegeben werden. Die kleine Kammer hat am Montag einen entsprechenden Vorstoss angenommen.

Hanf-Zigaretten-Firma Koch & Gsell hat Konkurs abgewendet

Die Hanfzigaretten-Firma Koch & Gsell in Steinach SG hat den Konkurs abgewendet. Laut einer Mitteilung des Unternehmens vom Montag hat das Kreisgericht Rorschach einen Nachlassvertrag genehmigt. Koch & Gsell sei "wieder auf Kurs".

1095 Coronavirus-Ansteckungen innerhalb von drei Tagen gemeldet

In der Schweiz und in Liechtenstein sind dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Montag 1095 Coronavirus-Ansteckungen innerhalb von drei Tagen gemeldet worden. Zudem wurden 5 neue Todesfälle sowie 27 weitere Spital-Einweisungen bekannt.

Maryna Viazovska und Rudolf Aebersold ausgezeichnet

Der Schweizerische Nationalfonds hat die Mathematikerin Maryna Viazovska für den Nationalen Latsis-Preis sowie den Systembiologen Rudolf Aebersold für den Wissenschaftspreis Marcel Benoist ausgewählt.

ePAPER

Mit dem Sarganserländer ePaper holen Sie sich den Sarganserländer digital auf Ihren Bildschirm inklusive des ganzen Archivs aller bisherigen Zeitungen (ab Jahr 2003)

Zum ePaper

NEWS AUS DEM SARGANSERLAND

Wahlpodium Vilters-Wangs

Am Mittwoch, 2. September, ab 20 Uhr stellen sich Jörg Frey (parteilos), Jens Jäger (FDP), Marc Kellenberger (SVP), Patrik Schlegel (parteilos) und Katrin Thuli-Gartmann (parteilos) den Fragen von Daniel Sager, Chefredaktor von TV Südostschweiz. Wer von den fünf Kandidatinnen und Kandidaten hat die besten Chancen auf den Posten des Gemeindepräsidenten von Vilters-Wangs? Interessierte können hier das ganze Wahlpodium mitverfolgen und sich eine Meinung bilden. Gewählt wird am 27. September. (((Es können auf diesem Weg auch Fragen gestellt werden, und zwar via WhatsApp, Handynummer 078 264 39 60. Geben Sie bitte an, an wen sich die Frage richtet.)))

BEILAGEN IM SARGANSERLÄNDER

ZEITUNGSABO JETZT BESTELLEN!