Montag, 29. Februar 2016 | 19:17

Überraschendes Aus für das Open Air in Flumserberg

Das Schlager Open Air Flumserberg findet 2016 letztmals statt. Die Organisatoren haben gestern völlig überraschend das Aus für das grösste Festival im Sarganserland kommuniziert. Als Grund wird das Verhalten des Quartner Gemeinderates genannt. Gemeindepräsident Roman Zogg widerspricht der Darstellung.

Reto Vincenz

Diese Nachricht schockt alle Schlagerfans – das weit über die Landesgrenzen hinaus bekannte Schlager Open Air Flumserberg wird am 31. Juli 2016 ein letztes Mal stattfinden. Wie es in einem gestern an die Medien zugestellten Communiqué heisst, habe Fredy Broder als Organi­sator «nach reiflicher Überlegung und in Absprache mit den Bergbahnen Flumserberg entschieden, dass das Open Air im bisher bekannten Format beendet wird». Heinrich Michel, Geschäftsführer der Bergbahnen, bestätigte auf Anfrage diese Darstellung. Man müsse den Entscheid von Broder akzeptieren, so Michel, und könne diesen nachvollziehen.
Angriff auf Gemeinderat
In ihrer von Fredy Broder und Heinrich Michel gleichermassen unterzeichneten Medienmitteilung nennen die Organisatoren «stetig steigende Auflagen, Restriktionen und letztendlich Intrigen beim Bewilligungsverfahren» als Grund für ihren Entscheid. Konkret habe die Gemeinde Quarten gegenüber den Veranstaltern in den letzten Jahren immer höhere Bewilligungshürden und Auflagen gestellt. Dennoch seien die Organisatoren dem Flumserberg und der Region immer treu geblieben.
Im Dezember 2015 habe der Gemeinderat den Organisatoren dann aber unter Hinweis auf einen Polizeibericht Mängel in der Organisation vorgeworfen und weitere Restriktionen angedroht. Wie es in der Medienmitteilung heisst, habe sich «in der Folge herausgestellt, dass der Gemeindepräsident einen unzuständigen, auswärtigen Polizeibeamten angefragt habe und dass dieser Bericht – ohne Rücksprache mit den betroffenen Organisationen – auch dem Gemeinderatsentscheid zugrunde gelegen» habe. Mit diesem neuerlichen Affront des Gemeinderates Quarten gegen das Open Air sei für Fredy Broder der Bogen überspannt gewesen. An diesem Entscheid «ändert auch eine Entschuldigung der kantonalen Polizeibehörde nichts», heisst es dazu.
Zogg: «Initiative bei der Polizei»
Der Quartner Gemeindepräsident Roman Zogg widersprach gestern dieser Darstellung. Nicht der Gemeinderat habe die Polizei kontaktiert. Vielmehr sei dieser vonseiten der Polizei auf Sicherheitsmängel im Ablauf des Open Airs aufmerksam gemacht worden. Daraufhin habe der Gemeinderat von der Polizei einen schriftlichen Bericht verlangt. Die darin definierten Massnahmen habe man dann den Organisatoren des Open Airs kommuniziert.
Auch von «stetig steigenden Auflagen und Restriktionen» wollte Zogg nichts wissen. Wahr sei lediglich, dass der Gemeinderat Quarten vor vier Jahren Auflagen zur Jugendschutz- und Alkoholprävention erlassen habe. Er glaube, so Zogg, dass die jetzt genannten Gründe für das Aus lediglich ein Vorwand seien. Weshalb die Organisatoren diesen Entscheid tatsächlich gefällt hätten, wisse er nicht.
Polizei will das Gespräch suchen
Der Leiter Kommunikation der Kantonspolizei St. Gallen, Hanspeter Krüsi, bestätigte gestern, dass ein nicht zuständiger Polizist einen Bericht zuhanden der Gemeinde Quarten erstellt hat. Gemäss Krüsi hatte der Verfasser weder eine Führungsfunktion am Open Air noch sei er am Debriefing anwesend gewesen. Krüsi: «Der Chef der Polizeiregion hat sich nach Bekanntwerden dieses Berichtes sowohl beim Veranstalter wie auch bei den Bergbahnen und dem Gemeindepräsidenten dafür entschuldigt. Wir waren der Ansicht, dass sich dadurch die Wogen wieder geglättet hätten.» Er sei deswegen sehr überrascht über die Medienmitteilung und bedauere sehr, dass das Open Air dieses Jahr das letzte Mal stattfinden solle. Die Kantonspolizei werde das Gespräch mit den Veranstaltern suchen und hoffe, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen sei.


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