Donnerstag, 12. März 2020 | 21:44

Coronavirus: Bühnen bleiben leer, Rednerpulte verwaist

Das Coronavirus hat das Sarganserland fest im Griff. Zwar sind (noch) keine infizierten Personen bekannt, dafür sind vor allem Vereine von der Pandemie betroffen. Konzerte, Tagungen, Ausstellungen, Sportveranstaltungen: Nach und nach werden Behörden-, Betriebs-, Verbands- und Vereinsanlässe in der Region abgesagt.

von Michael Kohler

Die Bestimmungen von Bund und Kanton sind klar und unmissverständlich: Veranstaltungen mit einer Teilnehmerzahl von unter 150 Personen dürfen mit speziellen Sicherheitsvorkehrungen stattfinden. Bei Anlässen mit einer höheren Anzahl Teilnehmenden wird eine Risikoabwägung nach Vorgaben des Kantons verlangt. Veranstaltungen ab 1000 Personen bleiben in der ganzen Schweiz bis auf Weiteres untersagt.

Erst vorgestern Mittwoch hat der Bundesrat über die aktuellsten Bestimmungen hinsichtlich Veranstaltungen informiert und sie teils sogar etwas gelockert. Nichtsdestotrotz wirken diese Bestimmungen einschneidend für das sportliche und kulturelle Unterhaltungsangebot und das Vereinsleben im Sarganserland. Denn in den vergangenen Tagen und Wochen haben diverse Vereine, Verbände, Betriebe und Behörden ihre Veranstaltungen verschoben oder gar ersatzlos gestrichen. Hinzu kommt, dass der Bund heute Freitag bereits neue Regelungen definiert.

Ein Lawineneffekt

So fällt etwa die Generalversammlung der Raiffeisenbank Walenstadt von morgen Samstag, 14. März, ins Wasser. «Wir machen den Entscheid über die Durchführung nicht von der Anzahl Personen abhängig», schrieb die Bank schon vor neun Tagen. «Deshalb haben wir unsere eigenen Risikoabwägungen intensiv durchgeführt und auch die Einschätzung von Raiffeisen Schweiz einbezogen.» Auch das Stefan--Roos--Fest, welches ebenfalls morgen Samstag stattgefunden hätte, entfällt. Der Grund: Der Anlass hätte gut und gerne mehr als 1000 Besucher angezogen. «Die Gesundheit der Gäste, Helfer und Musiker hat erste Priorität», heisst es vonseiten des Veranstalters.

Es folgten weitere Absagen von Konzerten, etwa vom Concentus rivensis, der Musikgesellschaft Vilters, der Blaskapelle Heidiland, dem Männerchor Heiligkreuz, dem kleinen Sarganser-chor und der Musikschule Sarganser-land, und auch Versammlungen wie etwa die Bezirks-Bäuerinnentagung, die HV des Vereins Seilbahn Palfries oder die Jahresversammlung der Frauengemeinschaft Walenstadt wurden verschoben. Schliesslich wurden auch diverse kleinere Veranstaltungen wie die Suppentage in Walenstadt, Mels, Heiligkreuz und Sargans, die Kinderartikelbörse in Walenstadt oder die Schulbesuchstage in Bad Ragaz und Sargans abgesagt oder verschoben.

Ein weiterer Verein, dessen Höhepunkt im Vereinskalender nicht zur Durchführung kommt, ist die Trachtengruppe Mels. Bereits im September mit den Proben und Vorbereitungen gestartet, musste der Verein am vergangenen Freitag schweren Herzens von der Austragung der Heimatabende im «Sternen»-Saal in Wangs absehen.

Präsident Mathias Ackermann verweist dabei auf das Formular des Kantons St. Gallen, welches von jedem Verein ausgefüllt werden muss, der eine Veranstaltung mit über 150 Personen durchführen will. Dieses Formular unterscheidet zwischen Messen und Sportveranstaltungen, Umzügen und Vereinsanlässen wie Musik, Theater oder einer Generalversammlung. Ins Gewicht fällt zudem, ob ein Anlass drinnen oder im Freien stattfindet, und auch, welcher Altersklasse der Grossteil der Besucherinnen und Besucher angehört.

Die Heimatabende fallen in mehrerlei Hinsicht ins Schema eines risikoreichen Anlasses. Nicht nur, dass die Veranstaltungen grossteils von Seniorinnen und Senioren besucht werden – einer Risikogruppe also – auch fehlt bei einem Tanzabend der angezeigte Abstand zwischen Besuchern. «Bei einem Zwischenfall würde der Verein die volle Verantwortung übernehmen müssen», begründet Ackermann die Absage des Anlasses. 

 

Eine Übersicht über die abgesagten Anlässe sowie Reportagen, wie das Coronavirus das Leben im Sarganserland diktiert, gibt es in der gedruckten Ausgabe vom Freitag, 13. März.


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