Dienstag, 17. Juli 2018 | 23:28

Der Chapfensee macht auch den Fischen das Leben schwer

Der Melser Chapfensee wird zum «Sommerloch-Füller»: Nach den Entenflöhen geht es nun um die Fische – für sie ist das Wasser zu warm. Der Fischereiverein hat deshalb am Montag auf den geplanten Fischeinsatz verzichtet. Eine Besserung der Situation ist nicht in Sicht. Entschärft hat sich die Lage aber am Stausee Mapragg.

von Reto Vincenz

Die anhaltende Niederschlagsarmut und die Hitze machen den Fischern in der Region, und speziell dem Fischereiverein Sarganserland, das Leben schwer. Grund sind die warmen Temperaturen in einem ihrer Hauptgewässer, dem Melser Chapfensee: Er ist zu warm für die Fische. Vereinzelt wurden deshalb bereits tote Tiere ans Ufer angespült. Kein schöner Anblick.

Für den Fischereiverein Sarganser-land ist das doppeltes Ungemach. Einerseits können dessen Mitglieder nicht mehr ungetrübt ihrem Hobby frönen. Andererseits dürfte das auch finanzielle Konsequenzen haben. Denn der Fischereiverein verkauft an interessierte Angelfreunde Tageskarten für seine Pachtgewässer. Ein Angebot, von dem speziell in den Sommerferien reger Gebrauch gemacht wird. Auch aus diesem Grund werden jeweils im Juli zusätzliche Fische ausgesetzt. Wegen der hohen Temperaturen musste der Verein nun aber auf diese Aktion verzichten. Das heisst: Die Chance, im Chapfensee einen Fisch zu fangen ist zwar nach wie vor relativ gut; das Fehlen des zusätzlichen «Juli-Einsatzes» dürfte sich aber – mit der Zeit – bemerkbar machen. Eine Tatsache, die bei Fischern nicht auf Goodwill stösst.

Tierschutz im Fokus

Der Präsident des Fischereivereins Sarganserland, Jonny Tschirky, weiss um diese Nachteile und um die Kritik, auch aus den eigenen Reihen. Gleichwohl ist für ihn der Entscheid des Vereinsvorstandes richtig. Regenbogenforellen seien zwar relativ robust. Überstiegen die Wassertemperaturen aber rund 19 Grad, sei der Lebensraum für sie nicht mehr ideal. Tschirky: «Es geht hier nicht zuletzt auch um den Tierschutz. Wir können nicht guten Gewissens 1000 bis 1500 Fische in ein Gewässer einsetzen, von dem wir genau wissen, dass sie dort keine guten Lebensbedingungen vorfinden.» Offen ist, ob die Aktion nachgeholt wird und ob der reguläre Einsatz im August erfolgen kann. Im Moment, so Tschirky, spitze sich die Situation eher noch zu, als das sie sich entschärfe.

Kohlschlagerbach umgeleitet

Grund für die in diesem Jahr speziell warmen Temperaturen im See ist einerseits die Hitze, in Verbindung mit den ausbleibenden Niederschlägen. Dies führt dazu, dass die natürlichen Zuläufe des Chapfensees wie der Lutzbach kaum Wasser mit sich bringen. Hinzu kommen andererseits die Bauarbeiten des EW Mels, welches derzeit das Kraftwerk Chapfensee saniert und ausbaut. EW-Leiter Erich Riget bestätigte auf Anfrage, dass der Kohlschlagerbach deshalb in diesem Sommer nicht – wie üblich – in den Chapfensee geleitet wird. Das Wasser im See wird infolgedessen kaum ausgewechselt, es bleibt stehen und erwärmt sich. Gemäss Riget wird der Kohlschlagerbach zwar nach Abschluss der Bauarbeiten wieder in den Chapfensee fliessen, damit für die Turbinierung mehr Wasser zur Verfügung steht. Aktuell sei dies wegen der Arbeiten aber unmöglich.

Verständnis für das EW

Jonny Tschirky macht dem EW deshalb keinen Vorwurf. Die gesamte Situation sei für den Fischereiverein zwar nicht einfach, das EW und Erich Riget seien aber verständnisvolle Partner. Tschirky: «Es geht hier nicht darum, Schuldige zu suchen, sondern Lösungen zu finden. Erich Riget und das EW nehmen unsere Anliegen immer ernst. An der aktuellen Situation lässt sich leider aber kaum etwas ändern.»

Glück im Unglück hat der Fischereiverein immerhin mit dem Mapragg-Stausee. Auch dort musste kürzlich auf den Einsatz verzichtet werden. Dies, so die These der Fischer, weil vor Ort ebenfalls Bauarbeiten (Sediment-Abtragungen) im Gange sind. Sie könnten (zu) viel Staub aufgewirbelt haben. Wie auch immer: Gemäss Tschirky hat sich die Lage stabilisiert, es konnten mittlerweile Fische eingesetzt werden.


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