Dienstag, 10. Juli 2018 | 21:38

Entenflöhe am Chapfensee: «Baden auf eigenes Risiko»

Am Montag ist die politische Gemeinde Mels erstmals über einen Fall von Badedermatitis informiert worden – einer Hautreaktion, ausgelöst durch Entenflöhe am Chapfensee. Obwohl ungefährlich, ist die Krankheit äusserst unangenehm. Die Gemeinde Mels warnt seither mit einer Tafel vor Entenflöhen und dem Schwimmen im See.

von Michael Kohler

Seit Montag kursiert auf Facebook eine Warnung vor Zerkarien, im Volksmund auch «Entenflöhe» genannt. Urheberin ist Nikolina G., deren Kinder nach einem Besuch am Chapfensee am Sonntag mit Badedermatitis auf die Entenflöhe reagiert haben. Nicht nur, dass die Warnung von G. bis Dienstag über 850 Mal geteilt wurde, auch hat die Igiserin die Melser Behörden und Mels Tourismus über ihre Entdeckung informiert.
«Ein natürliches Phänomen»
Heinz Gmür, Leiter der Melser Gemeinderatskanzlei, bestätigt auf Anfrage, dass am Montag ein entsprechender Anruf bei der Kanzlei eingegangen sei. Gmür persönlich könne sich nicht erinnern, je von Entenflöhen oder ähnlichem gehört zu haben. Dennoch habe er die Meldung von Nikolina G. an die Elektrizitäts- und Wasserwerke EW Mels weitergeleitet.
Deren Geschäftsleiter Erich Riget hat kurzerhand eine Tafel mit der Aufschrift «Achtung Entenflöhe: Baden auf eigenes Risiko» im Naherholungsgebiet des Chapfensees montieren lassen, wie er erklärt. Auch habe er Rücksprache mit dem Fischereiinspektor gehalten. Viel mehr lasse sich nicht machen. «Entenflöhe sind ein natürliches Phänomen. Wir können ja nicht alle Enten im See umbringen, nur um den Floh auszurotten.»
Mensch ist ein Fehlwirt
«Ein Entenfloh ist die Larve des Vogelsaugwurms», erklärt Lukas Ströhle, Leiter Wasser- und Chemikalieninspektorat des St. Galler Gesundheitsdeparte­ments. Der Erreger von Badedermatitis lebe als Parasit im Darm von Wasservögeln, die dessen Eier über ihren Kot ins Wasser ausscheiden. Überleben können diese nur, wenn die Wassertemperatur die 23-Grad-Marke erreicht. In einem Zwischenwirt, meist in Form einer Schlammschnecke, schlüpfen die Entenflöhe schliesslich.
In ihrer Larvenform suchen sich die Parasiten ihren Weg zurück in den Darm der Enten. Dabei kann es vorkommen, dass sie stattdessen in die Haut eines Schwimmers eindringen. Dort sterben die Zerkarien, während die Haut des Schwimmers allergisch reagiert. Das Resultat ist ein sehr starker Juckreiz, der nach dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV «schon nach Minuten oder erst nach Tagen» auftreten kann. Begleitet von kleinen, roten Pusteln oder Blasen, ist die Hautreaktion zwar nicht gefährlich, vor allem aber lästig. Erst nach ein bis zwei Wochen klingen die Symptome ab, wobei Verlauf und Intensität der Hautveränderungen individuell verschieden sind.
Kein Grund zur Panik
Da Badedermatitis die Folge einer allergischen Reaktion ist, schadet ein einmaliger Kontakt mit den Entenflöhen dem Körper nur wenig. «Erst bei häufigem Baden in betroffenen Gewässern kommt es zu ausgeprägten Abwehrreaktionen mit den typischen Symptomen und Beschwerden», gibt das BLV Entwarnung. Generell bestehe bei Betroffenen aber keine Gesundheitsgefährdung, betont Ströhle.
Kommt es tatsächlich zu Reaktionen wie bei den Kindern von Nikolina G., helfen kalte Kompressen, Gele, Lotionen, eine rezeptfreie, corticosteroid-haltige   Hautcreme oder ein orales Anti­histaminikum. Vorbeugend wäre wohl der beste Schutz, wenn Schwimmer die Gewässerzonen meiden, wo viele Wasservögel oder -schnecken anzutreffen sind. Ströhle empfiehlt zudem, nach dem Verlassen des Wassers zu duschen und sich kräftig zu trocknen.
Schwierige Prognosen
Wann man für den Chapfensee wieder Entwarnung geben kann, lässt sich laut BLV nicht sagen. «Es müssen viele Faktoren zusammentreffen, damit in Gewässern bezüglich Badedermatitis Probleme entstehen.» Diese Faktoren können sich schon im Verlaufe einer Badesaison verändern.


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