Sonntag, 4. Oktober 2015 | 20:58

Population der Wildschweine wächst im Kanton St. Gallen

Bei Vollmond hat der Jagdpächter Hansueli Sturzenegger in Flums-Hochwiese ein Wildschwein erlegt. Nicht irgendein Wildschwein, sondern einen ausgewachsenen Keiler. Der Bestand und die Abschüsse von Schwarzwild nehmen im gesamten Kanton St. Gallen zu – meist zum Leid der Landwirte.

Michael Kohler

Es war Mitternacht, als dem Jagdpächter Hansueli Sturzenegger im Gebiet Flums-Hochwiese ein zweijähriger Keiler vor den Lauf seines Jagdgewehrs lief. Der Vollmond erhellte die Nacht vom Sonntag auf den Montag zum Vorteil des Jägers und zum Nachteil des Gejagten. Ein Schuss genügte, um das Tier zu erlegen. «Mit einem sehr guten Schuss konnte ich den Keiler zur Strecke bringen», schreibt Hansueli Sturzenegger und legt seinem Schreiben ein Belegfoto seiner Trophäe bei.
Seit Anfang Juli hatten die Jäger laut Sturzenegger immer wieder Besuch von Wildschweinen im Revier   bei Flums-Hochwiese. «Die Jagd auf Wildschweine ist sehr schwierig, da sie mehrheitlich nachtaktiv sind. Ihre hervorragende Nase zeigt ihnen Gefahren frühzeitig an, und so bleiben sie in sicherer Distanz», erklärt der erfahrene Jäger. Der Wind und das Mondlicht müssen also stimmen, um am Ansitz zum Erfolg zu kommen.
Ein paar Dutzend jährlich
Hansueli Sturzenegger ist mit seiner Begegnung bei Weitem nicht der Einzige, wie Dominik Thiel, Amtsleiter und Leiter Abteilung Jagd des Amts für Natur, Jagd und Fischerei ANJF, auf Anfrage bestätigt. «Im Kanton St. Gallen werden jährlich ein paar Dutzend Wildschweine erlegt.» Laut Jagdstatistik waren es in den Jahren 2013 und 2014 konkret je 44 Tiere. Thiel und Stur­zenegger sind sich über eine Zunah- me der Schwarzwild-Population einig: «Aktuell scheinen der Bestand und die Abschüsse eher zuzunehmen», schätzen die beiden ein.
Geschossen werden die Tiere im Moment vor allem in den Gebieten Fürstenland, Rheintal, Werdenberg und Toggenburg – «und jetzt auch in Flums, aber nördlich der Autobahn», ergänzt Dominik Thiel. Südlich der Nationalstrasse sei dem ANJF in den letzten rund 100 Jahren nur ein einziger Abschuss bekannt. Dieser habe sich vor ein paar Jahren am Vilterserberg zugetragen. «Die Autobahn ist eine sehr starke und wirksame Barriere in der Landschaft, da Wildschweine nicht wie Hirsche oder Gämsen über die Autobahnzäune springen können», erklärt Dominik Thiel dieses Phänomen. Zudem sei das Sarganserland mit seinen Seitentälern naturräumlich für das Schwarzwild sicher weniger geeignet, weil es klimatisch weniger begünstigt ist als die warme Südseite des Walensees oder das Föhn-Rheintal. «Es kann immer wieder mal einzelne Sauen geben, die es trotzdem dorthin schaffen, aber in naher Zukunft rechnen wir südlich der Autobahn nicht mit einem Bestand.»
Bis zu 10 000 Franken Schaden
Genauso wie Wildschweine bei Gastronomen als Delikatesse bekannt sind, so sind sie bei den Landwirten generell als Störefried und Unheilbringer gefürchtet. Dominik Thiel berichtet vonseiten des ANJF: «Jährlich werden im Kanton St. Gallen Wildschweinschäden in der Landwirtschaft von bis zu 10 000 Franken entschädigt.» Genauer waren es im Jahr 2010 rund 2000 Franken, 2011 aber dann über 10 200 Franken. In den vergangenen beiden Jahren wurde eine Schadenssumme von 7700 Franken respektive 3100 Franken verzeichnet.
Im Vergleich mit anderen Kantonen steht St. Gallen dennoch gut da. Im Kanton Aargau beispielsweise wurden im Jahr 2012 1628 Wildsauen erschossen. Auf der anderen Seite entstanden Wildschäden in einer Höhe von fast 425 000 Franken. Tendenz beidseitig steigend.
Attraktiv und ärgerlich
Wie Thiel mitteilt, gibt es zum Wildschwein die ganze Palette von Meinungen, je nach Erfahrung oder Interesse einer Person. «Auch für die Jäger hat es immer zwei Seiten: jagdlich attraktiv, aber wegen den Wildschäden mit hohem Zeitengagement und je nachdem mit viel Ärger verbunden.» (Mehr dazu in der gedruckten Ausgabe)


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