Mittwoch, 24. Juli 2019 | 16:35

Spitalregion und Helsana im Clinch – «Patienten sind die Leidtragenden»

Schlechte Kunde für viele «Helsana»- und «Stoffel»-Versicherte: Die Spitalregion Rheintal Werdenberg Sarganserland (SR RWS), zu der das Spital Walenstadt gehört, hat sich mit der Helsana Zusatzversicherung AG nicht auf einen neuen Vertrag einigen können. Betroffen sind Behandlungen in der privaten und halbprivaten Abteilung. Die SR RWS ortet die Verantwortung bei Helsana. Dort wehrt man sich.

von Reto Vincenz

Den Brief der SR RWS an ihre Patientinnen und Patienten ist dem «Sarganserländer» von einem Betroffenen aus der Region weitergeleitet worden, findet sich aber auch als inhaltsgleiche Mitteilung auf der Homepage der Spitalregion. Unterzeichnet ist die «wichtige Information» unter anderem vom CEO des Unternehmens, Stefan Lichtensteiger. Im zweiseitigen Brief führt die SR RWS aus, weshalb sie von der Helsana und weiteren Krankenkassen, darunter die Melser Stoffel, per 1.  August 2019 auf die Negativliste dieser Versicherungen gesetzt werden dürfte. Für die betroffenen Patienten hiesse das laut SR RWS, dass allfällig Spitalrechnungen nicht mehr direkt und gegebenenfalls auch nicht mehr vollständig bezahlt würden.

Datenschutz und Preisniveau
Den Grund dafür, dass die «SR RWS den Forderungen von Helsana nach neuen Vertragsbedingungen nicht zustimmen konnte», sieht die Spitalregion zunächst in der Forderung nach günstigeren Tarifen. Die Helsana habe verlangt, dass «die SR RWS dieselben Leistungen wie bisher günstiger anbieten müsse», heisst es dazu. Dies habe die SR RWS erstaunt, da ihre Preise marktgerecht und überdies trotz allgemein steigender Kosten im Gesundheitswesen seit Jahren nicht angehoben worden seien.
Stefan Lichtensteiger bestätigte auf Anfrage des «Sarganserländers», dass die Helsana dem Wunsch der SR RWS, die Preise auf demselben Niveau zu belassen, nicht nachgekommen sei. Hinzu komme, so Lichtensteiger, dass die Helsana «aus Sicht des Datenschutzes unseres Erachtens bedenkliche Regelungen im Rahmen der Weitergabe von medizinischen Informationen gefordert hat.» Bei den geforderten Da­ten, so der CEO der Spitalregion, hätte es sich um Angaben gehandelt, die «über den reinen Zweck der Rechnungskontrolle hinausgehen. Damit konnten wir uns zum Schutz unserer Patientinnen und Patienten nicht einverstanden erklären.» Bei den Daten dürften es sich etwa um Behandlungsverläufe oder angedachte weitere Therapien handeln.

Patienten als Leidtragende
Stefan Lichtensteiger sagte gegenüber der Redaktion, dass die SR RWS knapp 400 Patientinnen und Patienten über die gescheiterten Verhandlungen habe in­formieren müssen. Für die Spitalregion selber seien die Dimensionen angesichts dieser Zahl bezogen aufs Geschäftsmodell zwar gering. Aber, so Lichtensteiger: «Die Leidtragenden sind diese Patienten, die fortan in der Unsicherheit leben müssen, ob und in welchem Umfang ihre Spitalkosten von den betroffenen Versicherungen übernommen werden. Bei der SR RWS stelle man sich die Frage, «ob das Vorgehen von Helsana wirklich kundenfreundlich und verantwortungsvoll ist, da die Kundinnen und Kunden teilweise seit Jahren doch entsprechende Prämien bezahlt haben».
Gleichzeitig verspricht die Spitalregion aber auch, dass die Betroffenen bei ihr weiterhin auf medizinisch höchstem Niveau behandelt würden. Lichtensteiger: «Wir werden uns mit aller Kraft dafür einsetzen, dass diese Kundinnen und Kunden gegenüber Patientinnen und Patienten von anderen Krankenkassen keine Nachteile haben.» Die SR RWS hat für verunsicherte Pa­tienten eine Hotline eingerichtet. Die­se ist per Telefon (071  775  88  12) oder dann via E-Mail (pata@srrws.ch) erreichbar.

 

Helsana: SR-RWS-Infos sind «verzerrt und nicht korrekt»
Die Helsana hat die Mitteilung der SR RWS in einer Stellungnahme scharf kritisiert. Wie die Helsana-Verantwortlichen dem «Sarganserländer» schriftlich mitteilten, würden sie es ausserordentlich bedauern, dass die Spitäler – neben der SR RWS habe man sich auch mit der Spitalregion Fürstenland Toggenburg sowie dem Spital Linth preislich nicht einigen können – Zusatzversicherte im Raum St.  Gallen mit «teils verzerrten oder nicht korrekten Informationen beunruhigen». Besonders stossend empfinde man die Argumentation der Spitalregion zum Datenschutz, da sie «irreführend und unlauter» sei. Als Versicherer müsse die Helsana «notwendigerweise und im Interesse der Versicherten eine Leistungsprüfung vornehmen».
Weiter stellt die Helsana klar, dass sie mit dem von den Spitälern geforderten Preis für die freie Arztwahl nicht einverstanden sei. «Arzthonorare müssen dem marktüblichen Preisniveau entsprechen, was wir in diesen Fällen als nicht gegeben erachten. Helsana sieht in ihren Daten sowie aufgrund der bestehenden Verträge mit anderen Spitälern, dass die Preise für die freie Arztwahl in den in diesem Fall betroffenen Spitalregionen keineswegs marktgerecht sind», schreibt die Versicherung. Man könne nicht sämtliche Preisforderungen akzeptieren, da sich dies auf die Prämien auswirken würde.


Drei Varianten für Betroffene
Für betroffene Zusatzversicherte skizziert die Helsana drei Möglichkeiten. Sie könnten eine Alternative, etwa die Kantonsspitäler St. Gallen oder Chur wählen, oder sie lassen sich in den betroffenen Spitälern, darunter Walenstadt und Grabs, in den allgemeinen Abteilungen behandeln. Als dritte Möglichkeit könnten sie auf die Behandlung in den halbprivaten bzw. privaten Abteilungen der betroffenen Spitäler bestehen. Dann begleiche Helsana aber nur eine maximale Tagespauschale, wodurch sich Mehrkosten für Versicherte leider nicht vermeiden liessen, was man «sehr bedauere und gerne vermieden hätte». Für Versicherte mit einer neuen Spitalversicherung für die halbprivate und private Abteilung gelte die letzte Möglichkeit aber nicht, so die Helsana.

 

 

Patienten müssen vorerst selber zahlen
Welche Auswirkungen haben die gescheiterten Verhandlungen für die betroffenen Patientinnen und Patienten konkret? Gemäss der Information der SR RWS würden deren Rechnungen voraussichtlich nicht mehr direkt von der Helsana oder den anderen betroffenen Versicherungen beglichen werden. Stattdessen müsse die Bezahlung zunächst durch die Patienten erfolgen. Die Versicherungen würden voraussichtlich auch nicht mehr die gesamten Kosten für den Aufenthalt auf der halbprivaten und privaten Abteilung übernehmen. Betroffen sind gemäss SR RWS auch Versicherte der Melser Krankenkasse Stoffel, für die die Helsana ein Verhandlungsmandat besitzt. Am Mittwoch konnte dort niemand erreicht werden. (rv)

Die betroffenen Versicherungen: die Helsana Versicherungen AG, die Progrès Versicherungen AG, die Helsana Unfall AG, die KLuG Krankenversicherung, die Krankenkasse Stoffel und teilweise Produkte der Agrisano Versicherungen AG.


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