Mittwoch, 3. Januar 2018 | 14:22

Sturm «Burglind» wütet auch im Sarganserland

Wintersturm «Burglind» hat am Mittwoch, 3. Januar, ab 11 Uhr im ganzen Kanton St. Gallen seine Spuren hinterlassen. Auch im Sarganserland wütete er mit voller Kraft. Am Pizol läuft zurzeit eine Rettungsaktion.

von Hans Bärtsch

Entwurzelte Bäume, zerbrochene Dachziegel auf den Strassen, abgedeckte Dächer, umgeworfene Abfallcontainer, geknickte Kamine und Antennen – die gestrige Warnung des Heiligkreuzers Roger Perret, Meteorologe bei Meteonews Schweiz, wonach «Burglind» der vielleicht verheerendste Sturm seit «Lothar» 1999 werden könnte, ist zur Tatsache geworden. Bis zu 200 km/h betrugen die Windspitzen.

Im Dorfzentrum von Mels beispielsweise wurde kurz vor 13 Uhr eine der grossen Tannen in Dr. Schnellmanns Bungert wie ein Zündhölzchen geknickt. Der Baum fiel über die Sarganserstrasse aufs Areal des Dorfschulhauses. Menschen kamen keine zu Schaden. Die Feuerwehr, die die Strasse absperrte, war gestern in der ganzen Region im Grosseinsatz. Desgleichen die Polizei. Bei der Kantonspolizei St. Gallen war (Stand: 16 Uhr) von 190 Schadensmeldungen im ganzen Kantonsgebiet die Rede.

Wegen umgestürzter Bäume war zeitweise sowohl der Zugang nach Mädris-Vermol, nach Pfäfers wie nach Flums-Kleinberg nicht möglich; die Strecke via Sarelli ins Taminatal dürfte noch länger geschlossen bleiben. Auf der Fahrt von Flums nach Flums-Kleinberg blieb ein Vater mit seinem zweieinhalbjährigen Kind während rund einer Stunde zwischen umstürzenden Bäumen stecken,wie eine Leserin berichtete. Auch beim Spital Walenstadt wurden Bäume umgeknickt; einer von ihnen fiel auf ein Auto. In Vättis und Vasön kam es zudem zu einem länger andauernden Stromausfall.

Bäume auf Bahntragseil

Am Pizol stehen die Bergbahnen im Moment still. Grund dafür sind gemäss Polizeimitteilung mehrere Bäume, die sowohl auf der Bad Ragazer wie der Wangser Seite aus auf die Seile gefallen sind. Momentan sitzen mehrere Personen in den Kabinen fest. Diese sind gemäss derzeitigen Erkenntnissen nicht verletzt, jedoch konnte noch nicht mit allen Beteiligten Kontakt aufgenommen werden.

Mehrere Forstgruppen sind unterwegs, welche die Bäume fällen und entfernen sollen. Diese Aufgabe gestaltet sich im unwegsamen Gelände besonders schwierig, weshalb auch spezielle Schneefahrzeuge aufgeboten wurden. Nebst den Forstspezialisten sind Angehörige der Alpinen Rettung Schweiz der betroffenen Bergbahn und der Kantonspolizei St. Gallen im Einsatz, ferner die Rega und ein Polizeihelikopter. Ein Rettungswagen steht ebenfalls bereit. Die Bergung der zurzeit noch drei Passagiere, die sich in misslicher Lage befinden, hat oberste Priorität. In rund einer halben Stunde soll es soweit sein.

Evakuierungsaktion in Flumserberg

In Flumserberg mussten vier Personen aus dem Chrüz-Sessellift evakuiert werden. Die Rettungsaktion lief gemäss CEO Heinrich Michel geordnet ab; es gab keine Verletzten. Auch hier stehen sämtliche Anlagen still.

In Mühlehorn am Walensee trieben mehrere Boote im Hafen, nachdem ein Steg aus seiner Verankerung gerissen wurde. Die Seerettung konnte die Boote sichern. Drei Boote wurden durch den Wellengang ans Ufer gespühlt. 

Das WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) in Davos spricht von einer insgesamt «sehr kritischen» Situation in den Bergen, auch bezogen auf die momentan herrschende Lawinengefahr. Die Wirkungsspitze des Sturmes dürfte gemäss Kantonspolizei vorüber sein. Sie rät jedoch nach wie vor davon ab, sich in Waldesnähe aufzuhalten.

(Stand: 16.15 Uhr. Update folgt)


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