Donnerstag, 15. Oktober 2015 | 22:25

«Wer hätte vor 30 Jahren an Drohnen gedacht»

Die Espros Photonics AG startet so richtig durch. Modernste Technologien funktionieren dank den in Sargans entwickelten Chips. Operativ befindet man sich in der Gewinnzone, nun stehen jedoch bereits wieder neue Investitionen an, wie Espros-CEO Beat De Coi ankündigt.

Jerry Gadient

Sind Sie ein Hellseher?» Beat De Coi beantwortet diese Frage mit einem Lachen und winkt ab. Gestellt wurde die Fra­ge aufgrund der Tatsache, dass die von ihm 2006 gegründete Firma eine Technologie entwickelt hat, die just zu dem Zeitpunkt ausgereift ist, an dem auch die entsprechenden Anwendungen wie Drohnen oder selbst­fahrende Autos aktuell sind bzw. werden. Mit anderen Worten: Wären die neuesten 3D-Chips aus Sargans schon vor zehn Jahren auf dem Markt gewesen, hätte es kaum ein Produkt gegeben, in dem sie ihre Vorteile hätten entfalten können.
Nicht als Hellseher, aber als Visionär darf man den Sarganser Unternehmer schon bezeichnen: Seit 1985, also seit 30 Jahren, befasst sich der Elektroingenieur mit dieser Technologie. «Ich war überzeugt, dass man Sensoren in einer ganz neuen Dimension entwickeln kann, wenn es gelingt, eine Kamera zu entwickeln, die in der Lage ist, pro Pixel nicht nur die Helligkeit und Farbe zu messen, sondern auch die Distanz», blickt De Coi zurück. Nicht klar sei ihm gewesen, was es alles dazu brauche, eine solche Technologie zu entwickeln, «damit die extrem kurzen Laufzeiten des Lichts exakt gemessen werden können». Man rede hier von einem Hundertstel einer Milliardstelsekunde, und dies bei hunderttausenden solcher Stopp­uhren in einem Kamerachip, pa­ral­lel und unabhängig voneinander».
Nicht ins Blaue hinaus entwickelt
Aber Hellseher? «Wer hätte vor 30 Jahren an Drohnen gedacht», sagt Beat De Coi. Auch er nicht, aber genau dank der Technologie, die er im Kopf hatte und die inzwischen entwickelt worden ist, fliegen diese Dinger heute in der Luft herum. «Die grösste Stückzahl an Chips, die wir heute verkaufen, ist für Drohnen» – ein Produkt, das es weder vor 30 Jahren noch bei der Gründung der Espros vor neun Jahren gab. Ins Blaue hinaus entwickelt hat De Coi jedoch von Anfang an nicht: Die Halbleiterindustrie konnte ihm damals für die von ihm 1986 in Landquart gegründete Firma Cedes die Chips nicht liefern, mit denen er dort die Sensoren für die Türautomatik bestücken wollte. Also beschloss er, eine eigene Halbleiterfabrik zu bauen bzw. entsprechende Chips zu entwickeln.
In diese wurden – inklusive der sogenannten «Mountain Fab» im Gonzen – in der Zwischenzeit 70 Millionen Fran­ken investiert. Die Espros arbeitet zwar operativ schon seit einiger Zeit in der Gewinnzone, doch bis die Investitionen abgeschrieben sind, «werden wir noch einige Jahre arbeiten müssen». Dennoch stehen bereits wieder neue Investitionen an: Man wolle einige ausgelagerte Produktionsprozesse nun auch nach Sargans holen und dafür das Hauptgebäude an der St. Gal­ler­stras­se – wo ein ganzer Stock noch leer­steht – ausbauen.
Die ganze Produktion der elektronischen Chips sei enorm komplex, so De Coi, und man sei froh gewesen, gewisse Prozesse auslagern zu können: «Wir konnten nicht von Anfang an alles selber machen.» Nun jedoch sehe man, wo der Schuh drücke und was man besser in die eigenen Finger nehme. Das Ziel sei, die Produktion stabilhalten zu können und die Herstellzeit zu verkürzen.
Obwohl die Sarganser Firma immer mehr Kunden zählt und entsprechend Aufträge generieren kann, ist die erweiterte Nutzung der «mountain fab» noch kein Thema. Dort ist seit 2013 die wichtigste Produktionslinie der Espros in Betrieb, im Endausbau könnten in der «Fabrik im Berg» bis zu 70 Maschinen stehen. So weit sei man aber bei Weitem noch nicht, sagt Beat De Coi. Auch wenn die Espros jetzt so richtig durchstartet, muss das Produktionsvolumen noch um einiges steigen, bevor weitere Maschinen «in den Berg» kommen. Mehr dazu in der gedruckten Ausgabe vom Freitag


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