Mittwoch, 23. Oktober 2019 | 10:05

Wie weiter mit den St. Gallern Spitalverbunden? Jetzt im Liveticker.

Die Regierung des Kantons St. Gallen will langfristig die medizinische Qualität und die wirtschaftliche Basis der St. Galler Spitalverbunde sichern. Heute informiert sie über die Details zur Weiterentwicklung der Strategie.

Nadine Bantli

 

Das Schlussfazit der Regierung

Die schweizweiten Veränderungen des Umfelds machen eine Anpassung der Strategie in vielen Kantonen notwendig.

Eine Konzentration des stationären Angebots ermöglicht einerseits die Qualitätssicherung der Behandlungen sowie die finanzielle Stabilität der Spitalverbunde.

Beim 7/24h-Notfallbetrieb wird in den Regionen die kompetente medizinische Betreuung sowie Triage vor Ort durch das Fachpersonal gesichert.

Das kleine Bettenangebot für kurzfristige stationäre Aufenthalte bietet Sicherheit vor Ort - auch für alleinstehende und ältere Personen.

Die Weiterentwicklung wirkt langfristig und geht strukturelle Probleme an und vereint damit die fachlichen Ansprüche mit jenen der Politik.

 

 

So steht der Verwaltungsrat der Spitalverbunde zur Strategie

Die vorgeschlagene Strategie "4plus5" ist gemäss Sennhauser der richtige Weg, um die Gesundheitsversorgung des Kantons St. Gallen nachhaltig, qualitativ sehr gut und finanziell tragbar zu gestalten. Demnach unterstützt der Verwaltungsrat die Strategie einstimmig.

 

 

Der weitere politische Prozess zur Strategie "4plus5"

Die Regierung sieht vor, die Botschaft bis Ende Februar dem Kantonsrat zuzuleiten - die Abstimmungen in der Bevölkerung des Kantons werden voraussichtlich im Herbst/Winter 2020 stattfinden.

 

Die Auswirkungen auf das Personal

Regierungsrat und Vorsteher des Baudepartements, Marc Mächler, informiert weiter über die geplante Umsetzung der Strategie "4plus5" - zeitplantechnisch soll das stationäre Angebot in Walenstadt (wie auch in Altstätten) bis 2027 aufgehoben werden. Vorgängig werden während des Aufbaus des GNZ die Geburtshilfe und die OP-Tätigkeiten aus Walenstadt nach Grabs verlagert.

Was bedeutet das für das Personal? Aktuell werden in den vier Spitalverbunden 5794 Angestellte beschäftigt, mit der Strategie wird diese Zahl bis zur abgeschlossenen Umsetzung im Jahr 2028 nach Annahmen der Regierung 5730 betragen. Etwas eindrücklicher sieht die Lage für Walenstadt aus: Von aktuell 255 Angestellten werden voraussichtlich 2028 noch 20 bis 25 Personen beschäftigt sein. Dank der natürlichen Fluktuation und der langfristigen Planung soll es hier laut Felix Sennhauser, Präsident des Verwaltungsrats Spitalverbunde, allerdings nur zu wenigen Kündigungen kommen.

 

Die Grundlagen der Strategie "4plus5"

Über die Grundlagen der Strategie informiert Regierungsrat und Vorsteher des Finanzdepartements Beni Würth: geprüft wurden ein 4-Standort-Konzept sowie ein Alternativkonzept mit je zwei Varianten. Das grobe Fazit: Die Versorgungsqualität ist im 4-Standort-Konzept insgesamt besser als in allen anderen Varianten zu beurteilen, obwohl sie, wie auch der Faktor Erreichbarkeit, überall gegeben ist. Eine Reduktion des strukturellen Defizits wird allerdings nur mit dem 4-Standort-Konzept erreicht, die Rede ist von 40 bis 45 Millionen Franken. Zwar erhält das Alternativkonzept grundsätzlich Arbeitsplätze in den Regionen, finanziert diese aber mit gesamtkantonal höheren Steuern, Eigenkapitalbezügen oder über Aufwandkürzungen bei anderen Kantonsaufgaben.

Die alternativen Konzepte schneiden insgesamt weniger gut ab als die Strategie "4plus5" und hätten ihr gegenüber erhebliche Mehrausgaben zur Folge. Ausserdem gesichtet die Regierung das Gesamtsystem mit Aspekten der Qualität und Wirtschaftlichkeit stärker als die spezifischen regional-politischen Bedürfnisse.

 

Was bietet ein GNZ in Walenstadt?

Nebst dem Kantonsspital als Endversorger sowie den vier regionalen Spitalstandorten sind sogenannte regionale Gesundheits- und Notfallzentren (GNZ) vorgesehen – in den fünf Standorten Walenstadt, Altstätten, Rorschach, Flawil und Wattwil. 

Diese bieten einen Notfallbetrieb für leichte Fälle an sieben Tagen während 24 Stunden. Für die Bevölkerung heisst das, dass sie im Notfall in allen Regionen eine klar erkennbare und gut erreichbare Anlaufstelle hat. Das Fachpersonal sichert die kompetente medizinische Betreuung sowie Triage und unterstützt damit die niedergelassene Ärzteschaft beim Notfalldienst.

Ausserdem kann die Bevölkerung in allen Regionen auf eine Struktur zählen, die ihnen während 24 Stunden einen stationären Kurzaufenthalt mit Überwachung garantiert. Somit wird auch alleinstehenden oder älteren Personen ein stationärer Aufenthalt über Nacht in Wohnortnähe ermöglicht.

Zuletzt sollen die Spitalverbunde zusammen mit der niedergelassenen Ärzteschaft eine ambulantes Leistungsspektrum, also ein spezialisiertes internistisches Angebot, Spezialsprechstunden in chirurgischen Fächern und diagnostische Leistungen, anbieten.

 

Die Kernelemente der Strategie "4plus5"

Das Rettungswesen des Kantons bleibt bei der neuen Strategie unverändert – ebenso wie das Kantonsspital, das als Zentrumsspital spezialisierte und hochspezialisierte Leistungen bietet und die Grundversorgerfunktion für die Versorgungsregion St. Gallen übernimmt. Die in der neuen Strategie vorgesehenen regionalen Mehrspartenspitäler sollen ein breites ambulantes und stationäres Grundversorgungsangebot sowie ausgewählte Zentrumsleistungen in Zusammenarbeit mit dem Kantonsspital St. Gallen bieten. Die stationäre Gesundheitsversorgung wird auf die folgenden vier Standorte konzentriert: Kantonsspital St. Gallen, Spital Grabs, Spital Linda und Spital Wil. 

Die dritte, neue Ebene, über die Regierungsrätin und Vorsteherin des Gesundheitsdepartements Heidi Hanselmann informiert, stellen die regionalen Gesundheits- und Notfallzentren dar. Sie gewährleisten einen 24/7-Notfallbetrieb und ein minimales stationäres Bettenangebot sowie ein ambulantes Grund- und Spezialangebot, das in Abstimmung mit Leistungserbringern vor Ort erfolgt. Ein solches Zentrum ist in Walenstadt vorgesehen.

 

Das Ziel der Weiterentwicklung der St. Galler Spitalverbunde

Ziel der Regierung ist es, der Bevölkerung auch in Zukunft eine qualitativ gute Gesundheitsversorgung und den Spitälern unternehmerische Sicherheit zu bieten. Dazu schlägt die Regierung die Strategie "4plus5" vor: vier Mehrspartenspitäler und fünf regionale Gesundheits- und Notfallzentren, also ein insgesamt abgestuftes Versorgungsmodell zur Sicherung der Gesundheitsversorgung im Kanton St. Gallen.


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