Mittwoch, 3. Juni 2015 | 22:33

Zwei renommierte Politiker sagen St. Gallen Adieu

Elisabeth Schnider (SVP) und David Imper (CVP) haben nach 15-jähriger Kantonsratszugehörigkeit ihren Rücktritt eingereicht. Damit verliert das Sarganserland auf einen Schlag zwei profilierte Polit-Persönlichkeiten. Stefan Kohler (CVP) und Markus Bonderer (SVP) treten ihre Nachfolge an.

von Heinz Gmür

Als sie im Mai 2000 ihr Amt als frisch gewählte Volksvertreter antraten, hätten Elisabeth «Lies» Schnider  (Wangs) und David Imper (Heiligkreuz) wohl nicht gedacht, was das Amt an Überraschendem und Herausforderndem für sie bereithalten würde. Beide wurden sie in den letzten 15 Jahren zu Aushängeschildern ihrer Parteien, kämpften als politische Gegner schon einmal gegen-, häufig aber auch miteinander. Besonders wenn es um Belange des Sarganserlandes ging.

Am Mittwoch sind nun beide am Ende ihres politischen Wirkens auf kantonaler Ebene angelangt. Schnider und Imper reichten ihren Rücktritt ein. Als ihre Nachfolger stehen Stefan Kohler (CVP, Vättis) und Markus Bonderer (SVP, Vättis) bereit.

«Höchste St. Gallerin»

Ladies first. Lies Schnider, Grundbuchverwalterin im Ruhestand, blickt auf eine Politkarriere zurück, die 2007 mit der Wahl zur 1. Stimmenzählerin im St.Galler Kantonsrat «die zweite Stufe zündete». Es folgte die Wahl zur Kantonsratsvizepräsidentin 2008, was schliesslich das Grossratspräsidium für die Amtsperiode 2009/2010 nach sich zog. Das Jahr als «höchste St. Gallerin» darf zweifellos als Höhepunkt ihres politischen Wirkens bezeichnet werden.

Daneben war Schnider während einer Legislatur Mitglied der Staatswirtschaftlichen Kommission und präsidierte auch mehrere vorberatende Kommissionen: XI. Nachtrag zum Polizeigesetz (2013), Beginderteneinrichtungen (2006), Klinik St. Pirminsberg (2006/2007), Auswirkungen des Personenfreizügigkeitsabkommens (2011/ 2012). Vielen weiteren vorberatenden Kommissionen gehörte sie als Mitglied an.

In «StaKo» und «FiKo»

Grosse Aktivität attestiert das Ratsinformationssytem auch ihrem Ratskollegen David Imper. Der Geologe mit eigenem Geschäft nahm 2003 bis 2008 ebenfalls in der Staatswirtschaftlichen Kommission Einsitz und gehörte 2008 bis 2014 der prestigeträchtigen Finanzkommission an.

Imper präsidierte die vorberatenden Kommissionen Pädagogische Hochschule St. Gallen (2005/2006), Kantonsschule Sargans (2013/2014) und Umfahrungsstrassen Wattwil/Bütschwil (2009). Daneben gehörte er wie Schnider Dutzenden von vorberatenden Kommissionen an.

Für das Sarganserland

Die Interpellationen der beiden Sarganserländer Vollblutpolitiker zeugen von ihrem Engagement für ihren Wahlkreis. Gemeinsam erkundigten sie sich etwa nach den Folgen der Reorganisation der Zeughäuser für das Sarganserland. Imper engagierte sich zudem in Sachen bedrohte Poststellen,  Euro- und Intercity-Halte in Sargans, Vergabe der Buslinien Sarganserland/Werdenberg oder die Zukunft des Berufs- und Weiterbildungszentrums Sarganserland.

Schnider engagierte sich besonders für halbstündliche IC-Halte Zürich–Chur in Sargans oder auch in Sachen Rahmenbedingungen zur Ausschreibung von Buslinien im Sarganserland («Sarganserland im Abseits?»)

Gestern nun hatten sie ihren letzten Auftritt im Kantonsratssaal. Während es für Schnider der Abschied von der «grossen Politik» war, liebäugelt Imper mit einem Wechsel nach Bern: Der Heiligkreuzer  kandidiert im Herbst auf der CVP-Nationalratsliste.

Das Interview mit Elisabeth Schnider lesen Sie in der gedruckten Ausgabe vom Donnerstag, dasjenige mit David Imper am Freitag.

 

 


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