Freitag, 9. November 2018 | 00:45

UBS wegen mutmasslichen Betrugs bei US-Hypothekenpapieren verklagt

Das US-Justizministerium hat im Streit über Wertpapier-Geschäfte am amerikanischen Immobilienmarkt im Vorfeld der Finanzkrise vor zehn Jahren Klage gegen die UBS eingereicht. Laut eines Insiders hatte die Bank einen Vergleich von fast zwei Milliarden Dollar abgelehnt.

Das US-Justizministerium hat im Streit über Wertpapier-Geschäfte am amerikanischen Immobilienmarkt im Vorfeld der Finanzkrise vor zehn Jahren Klage gegen die UBS eingereicht. Laut eines Insiders hatte die Bank einen Vergleich von fast zwei Milliarden Dollar abgelehnt.

Die US-Regierung wirft der grössten Schweizer Bank Betrug beim Verkauf unsicherer milliardenschwerer Hypothekenverbriefungen - sogenannter Residential Mortgage-Backed Securities (RMBS) - vor, wie das Justizministerium am Donnerstag mitteilte. Das Geldhaus habe Investoren in der Frage der Risiken getäuscht.

Die US-Behörden fordern nicht näher bezifferte Geldbussen im Rahmen eines Bundesgesetzes, das es ihnen erlaubt, Strafen in der Höhe bis zu jenen Beträgen zu verhängen, die die Bank erhalten hat, oder durch angebliches Fehlverhalten verloren gegangen sind.

Die Bank wird in der bei einem Bundesgericht in Brooklyn eingereichten Beschwerde beschuldigt, Anleger über die Qualität von Subprime- und anderen risikoreichen Hypothekarkrediten im Umfang von 41 Milliarden Dollar irregeführt zu haben. Betroffen sein sollen 40 Wertpapierangebote.

Staatsanwalt Richard Donoghue sagte, dass Investoren "katastrophale Verluste" erlitten hätten, weil die Bank die Risiken der Hypothekenpapiere nicht vollständig offengelegt habe. Die USA werfen der UBS vor, eine Unternehmenskultur gehabt zu haben, bei der Gewinnen eine höhere Priorität eingeräumt worden sei als der vollständigen Transparenz gegenüber den Anlegern.

"Lügen ist in Ordnung"

Die Klage vom Donnerstag zitiert unter anderem einen UBS-Hypothekenmitarbeiter, der sich 2006 bei seinen Vorgesetzten über die Ethik der Bank beschwerte, darunter auch darüber, dass "Lügen in Ordnung ist".

Hintergrund sind umstrittene Wertpapiergeschäfte aus den Jahren 2006 und 2007. Zwar hat die UBS selbst keine umfangreicheren Kredite am damals überhitzten US-Immobilienmarkt vergeben. Allerdings hat sie - wie viele andere Banken auch - solche Hypotheken gebündelt und weiterverkauft.

Die US-Behörden sehen es als erwiesen an, dass die Institute mit diesen Verbriefungen massgeblich zur weltweiten Finanzkrise beitrugen, da viele ausfallgefährdete Kredite darin enthalten waren. Als der Markt 2008 und 2009 abstürzte, wurden die komplexen Wertpapiere auf einen Schlag so gut wie wertlos.

Bank wehrt sich

Die Klage sei eingereicht worden, nachdem die UBS einen Vorschlag der US-Regierung für eine Vergleichszahlung über fast zwei Milliarden Dollar abgelehnt habe, sagte eine mit den Gesprächen vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Ein UBS-Sprecher und eine Sprecherin des US-Justizministeriums lehnten es ab, die Vergleichsgespräche zu kommentieren.

Die Bank sagte, dass sie die Klage bekämpfen werde. Die Vorwürfe des Justizministeriums würden nicht durch Fakten oder das Gesetz gestützt, hiess es in einer Erklärung der Bank. Die UBS sei von ihrem Standpunkt überzeugt und sei bestens gerüstet, sich vor Gericht zu verteidigen.

Die UBS will sich vor allem gegen den Vorwurf einer betrügerischen Absicht wehren. Sie argumentiert zum einen damit, dass das Institut kein bedeutender Herausgeber von US-Hypotheken gewesen sei. Ausserdem habe sie selbst massive Verluste auf die hypothekenbezogenen Anlagen in den USA erlitten, als der Immobilienmarkt zusammenbrach. Allein diese Tatsache widerspreche der Schlussfolgerung eines vorsätzlichen Betrugs auf Seiten der UBS, heisst es.

Es geht ums Geld

Die UBS ist die letzte globale Bank, welche diese Altlast noch nicht aus der Welt schaffen konnte. Grossbanken weltweit wurde vorgeworfen, Kunden in den USA beim Verkauf von Ramschhypotheken in die Irre geführt zu haben. Diese waren vor zehn Jahren der Auslöser der Finanzkrise. Andere - wie Credit Suisse, Citibank oder Deutsche Bank - einigten sich mit Milliardenzahlungen.

Die Credit Suisse etwa musste im selben Fall tief in die Tasche greifen: Sie vereinbarte bereits Ende 2016 mit dem US-Justizministerium, insgesamt 5,28 Milliarden US-Dollar zu zahlen - eine Busse in Höhe von 2,48 Milliarden US-Dollar zu zahlen sowie 2,8 Milliarden Entschädigungen an Kreditnehmer.

Sollte die UBS den Prozess bis zum Ende durchziehen, würde der Sachverhalt erstmals abschliessend vor einem Gericht geklärt. Da es sich um eine Zivilklage handelt und nicht um ein Strafverfahren, hätte die Grossbank keine Einschränkungen für das Geschäft in den USA zu befürchten. Es geht lediglich ums Geld.

UBS mit Milliarden-Rückstellungen

Erst Ende Oktober betonte Konzernchef Sergio Ermotti mit Blick auf den offenen Rechtsfall, die UBS habe keinen Zeitdruck. Aus Sicht der Bank nicht faire und unangemessene Forderungen werde man nicht akzeptieren. Doch in anderen kleineren Fällen, bei denen es auch um RMBS-Papiere ging, einigte sich die Bank in der Vergangenheit mit Vergleichen.

In ihren Büchern hat die UBS für Rechtsstreitigkeiten immer noch milliardenhohe Rückstellungen. Die Rückstellungen "für Rechtsfälle sowie regulatorische und ähnliche Angelegenheiten" lagen Ende September bei 2,31 Milliarden. Aber Marktexperten waren immer mal wieder der Auffassung, dass die Rückstellungen für den RMBS-Fall zu tief seien.

Auch ein weiterer offener Rechtsstreit könnte die Bank teuer zu stehen kommen. In Frankreich steht die UBS derzeit voraussichtlich noch bis zum 15. November vor Gericht, sie muss sich dort gegen Vorwürfe der Geldwäscherei und unerlaubtem Anwerben von Kunden verteidigen. Der französische Staat fordert eine Entschädigung von 1,6 Milliarden Euro. Im Juli 2014 musste die UBS bereits eine Kaution von 1,1 Milliarden Euro hinterlegen.

Die UBS-Aktie schloss am Donnerstag im europäischen Handel mit einem Plus von 1,3 Prozent.


Weitere Artikel aus der gleichen Rubrik

Raiffeisen-Delegierte wählen Guy Lachappelle zum VR-Präsidenten

Die Delegierten der Raiffeisen-Banken haben an einer ausserordentlichen Versammlung am Samstag einen weiteren Schritt aus dem Schatten des früheren Raiffeisen Schweiz-Chefs Pierin Vincenz getan.

Apple räumt Probleme bei iPhone X und MacBook Pro ein

Apple hat technische Probleme an einigen iPhones und Computern eingeräumt. Betroffen seien Geräte des Premiummodels iPhone X aus dem Vorjahr und bestimmte Modelle des MacBook Pro mit 13-Zoll-Bildschirm, teilte der US-Technologiekonzern am Freitag mit.

Neue Partnerschaft: Amazon wird zum Apple-Verkäufer

Amazon weitet sein Angebot an Apple-Produkten kräftig aus. Kurz vor Beginn des Weihnachtsgeschäfts einigten sich die beiden US-Technologierivalen auf einen Ausbau ihrer bislang eingeschränkten Kooperation.

Raiffeisen-CEO Patrik Gisel tritt per sofort zurück

Raiffeisen-CEO Patrik Gisel tritt per sofort von all seinen Funktionen zurück. Das haben der Verwaltungsrat und Gisel vereinbart, wie Raiffeisen Schweiz am Freitag mitteilte. Damit wird der für Ende Jahr geplante Rücktritt vorgezogen.

Kinohits treiben Disney-Gewinn - Angriff auf Netflix Ende 2019

Vor der Übernahme grosser Teile des Rivalen 21st Century Fox aus dem Imperium von Medienmogul Rupert Murdoch liefert der Disney-Konzern glänzende Zahlen. Insbesondere das Filmgeschäft läuft prächtig.

Thyssenkrupp schon wieder auf der Intensivstation

Thyssenkrupp kommt auch unter dem neuen Chef nicht auf die Beine: Zu schleppenden Geschäften mit Anlagen, Autoteilen und Aufzügen gesellt sich nun auch noch eine drohende Kartellstrafe in der Stahlsparte.