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Sarganserland
Ruedi Gubser | Montag, 17. November 2025

Berufsmesse in Flums: (K)eine Wahl fürs Leben

Die regionale Berufsmesse in Flums ist auch in diesem Jahr auf grosses Interesse gestossen – bei den ­Jugendlichen, den Eltern und Lehrbetrieben. Das Programm war gespickt mit verschiedenen Attraktionen.

Die allgemeine Frage, wer oder was am bereits 16. re-gionalen Berufswahlevent im Mittelpunkt stand, ist so schwierig zu beantworten wie für viele Oberstufenschülerinnen und -schüler ihre spezifische Frage nach dem passenden Beruf. Der Event mit über 60 Firmen aus der Industrie, dem Handel, Gewerbe, Gesundheitswesen und der Verwaltung, die rund 80 Berufe vorstellten, soll -ihnen diese Wahl erleichtern. «Während bei der Ostschweizer Berufsmesse in St. Gallen das Sammeln von Give Aways im Vordergrund steht, fokussieren sich die Jugendlichen beim regionalen Event auf die Berufswahl», sagte Michael Dürst, Stellenleiter der Berufs- und Laufbahnberatung Sarganserland.

Berufswahl nicht immer gradlinig

Was stand nun aber im Zentrum der Veranstaltung in der «Flumserei»? Für diejenigen, die ihre erste Entscheidung über die berufliche Zukunft treffen müssen, dürften die persönlichen Ausführungen einer Gruppe von Lernenden zu ihrem Weg in die Berufswelt sowie der Rundgang im Zentrum gestanden haben. Mit ihren Äusserungen zeigten diese Lernenden die Schwierigkeit, den richtigen Entscheid zu treffen, deutlich auf. Viele Schnuppertage in diversen Firmen und mehrere Besuche bei der Berufsberatung hätten ihnen sehr geholfen, sagten sie unisono. Eine Berufswahl verläuft nicht immer gradlinig. Manchmal braucht es für den Traumberuf mehrere Anläufe.

Im zweiten Anlauf «Liebe auf den ersten Blick»

Das war bei Ester Nagy aus Flums so. Die Goldmedaillengewinnerin an den Swiss Skills in Bern in der Kategorie Ofenbau hat ihren Traumberuf auch erst im zweiten Anlauf gefunden. Dafür war es «Liebe auf den ersten Blick», wie sie an einem Podium in Flums erzählte. Auf Wunsch ihrer aus Ungarn stammenden Eltern besuchte sie zuerst die Kantonsschule in Sargans. «In Ungarn kennt man das Schweizer Modell der Berufsausbildung nicht. Deshalb standen sie einer Lehre skeptisch gegenüber und meinten, ich solle zuerst etwas Rechtes lernen», so Nagy.

Das tat sie an der Kanti, konnte in ihrem Schwerpunktfach Bildnerisches Gestalten ihre Kreativität ausleben, um anschliessend eine Ofenbaulehre erfolgreich abzuschliessen, sowie im Nebenfach Wirtschaft das Wissen aneignen, um gleich nach der Lehre ihren eigenen Betrieb zu gründen. «Zudem gibt es für die Betriebsführung hilfreiche Apps», so Nagy. Der Siegerofen von Bern steht übrigens in ihrem Geschäft in Plons und wartet auf einen Käufer oder eine Käuferin.

Spezielle Herausforderungen

Eine spannende Geschichte zu erzählen hatte auch Dario Signorell. Der Küchenchef und Ausbildungsverantwortliche bei der Psychiatrie St. Gallen in Pfäfers sprach dabei nicht nur über sich selbst, sondern vor allem über einen jungen Mann, der mit der Familie aus Afghanistan flüchten musste, nachdem sein Vater von den Taliban erschossen worden war. Über den Iran, die Türkei und Italien kam die Familie schliesslich in die Schweiz und ins Asylheim nach Amden. Der Wunsch, eine Lehre zu absolvieren, erfüllte sich für den Mann in der Küche von Signorell in Pfäfers, wo er sich zum Küchenangestellten EBA ausbilden liess.

Diese Lehre war eine Herausforderung – für den Mann aus Afghanistan, wie für seinen Lehrmeister. Aber der in Quarten wohnhafte Bündner mag solche schwierigen Aufgaben. Schliesslich hat er in seiner Küche Lehrlinge aus vier verschiedenen Nationen. «Das ist nicht immer einfach. Aber bei Problemen haben wir stets eine Lösung gefunden», so Signorell. Neben der Ausbildung junger Menschen steht für ihn auch die Integration im Fokus.

«Migration ist für uns wichtig», betonte in Flums Michael Dürst. Die Schweiz sei schon immer ein Zuwanderungsland gewesen. Es sei ihr bisher immer gelungen, ausländische Mitarbeiter zu integrieren. «Wesentlichen Anteil daran hat die Berufsbildung.»

Wirtschaftspreise verliehen

Ein sehr zentraler Punkt am Berufswahlevent in Flums war ebenfalls die Vergabe des sozialen Wirtschaftspreises Sarganserland. Diese jedes zweite Jahr verliehene Auszeichnung ging dieses Jahr an die Psychiatrie St. Gallen in Pfäfers und an die Ackermann Bau AG in Mels (siehe «Sarganserländer» vom 6. November).

Am Schluss blieb die Frage offen, welches nun der zentralste Mittelpunkt des Berufswahlevents war. Bei den Schülerinnen und Schülern hingegen sollten alle Fragen beantwortet sein. Oder doch nicht?

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