Die digitale Ausgabe des Sarganserländers.
Akanji, Elvedi und Ndoye mit Top-Zeugnis
An der WM in Nordamerika überzeugt das Schweizer Nationalteam als Kollektiv. Mit Manuel Akanji, Nico Elvedi und Dan Ndoye stechen aber dennoch drei Spieler aus der Masse heraus.
TOR
Gregor Kobel
Spätestens mit dieser WM-Endrunde ist er aus dem Schatten seines Vorgängers Yann Sommer getreten. Gregor Kobel erlebt seinen Glanzmoment gegen Kolumbien, als er im Penaltyschiessen den Versuch von Cucho Hernández pariert. Mit dem Ball am Fuss kann sich der 28-Jährige noch verbessern, ansonsten strahlt er stets grosse Sicherheit aus.
VERTEIDIGUNG
Manuel Akanji
Sein Bock nach gut einer Minute im Auftaktspiel gegen Katar bleibt die einzige Unsicherheit. Manuel Akanji ist erneut der Chef in der Abwehr und glänzt zudem als Passverteiler. Der 30-Jährige ist im Nationalteam unverzichtbar, auch wenn er nach seinem dritten verschossenen Versuch in Folge als Penaltyschütze künftig wohl nicht mehr infrage kommt.
Nico Elvedi
An der EM in Deutschland vor zwei Jahren bleibt Nico Elvedi ohne eine einzige Einsatzminute. Später wird er kurzzeitig nicht mehr für das Nationalteam aufgeboten. Es ist ein Weckruf für den 29-Jährigen, der einen Fitnesstrainer engagiert und seine Essgewohnheiten ändert. Eine Investition, die sich lohnt: Elvedi überzeugt in den Zweikämpfen und zeigt insgesamt ein überragendes Turnier.
Luca Jaquez
Wird im letzten Gruppenspiel gegen Kanada überraschend als Rechtsverteidiger aufgestellt. Luca Jaquez erledigt die Aufgabe nach Startschwierigkeiten gut und leitet die Angriffe vor den beiden Toren ein. Eine Muskelverletzung verhindert weitere Einsätze.
Miro Muheim
Sein erstes grosses Turnier mit dem Nationalteam beginnt für Miro Muheim mit einem unglücklichen Eigentor gegen Katar. Nach einer Verletzungspause wird er im Achtel- und Viertelfinal jeweils eingewechselt. Er kämpft leidenschaftlich, wirkt aber nicht immer stilsicher.
Ricardo Rodriguez
Wie macht er das nur? Ricardo Rodriguez bestreitet seit 2014 alle zwei Jahre ein Grossturnier und sieht dabei nicht nur aus wie vor zwölf Jahren, sondern liefert konsequent ab. Der einzige Hinweis darauf, dass auch der Linksverteidiger langsam altert: Er wird dreimal ausgewechselt. Sollte dank seiner Leistungen keine Mühe haben, einen neuen Klub zu finden.
Silvan Widmer
Er dürfte sich von der WM mehr erhofft haben. Silvan Widmer, in der Qualifikation als Rechtsverteidiger gesetzt, verliert seinen Stammplatz im Verlauf des Turniers an den gelernten Mittelfeldspieler Denis Zakaria. Er wird viermal eingewechselt, kann in der kurzen Zeit aber wenig Argumente für mehr Einsatzzeit sammeln.
Denis Zakaria
Hält vor dem Turnier fest, dass er sich im zentralen Mittelfeld am wohlsten fühlt, dem Team aber helfen will, wo auch immer er eingesetzt wird. Gesagt, getan: Denis Zakaria steht zum Auftakt als Rechtsverteidiger auf dem Feld und kehrt in der K.o.-Phase in diese Rolle zurück. Er macht seine Aufgabe so gut, dass er kurzerhand den Spitznamen "Denis Alves" erhält. Gut möglich, dass er im Nationalteam vorerst auf dieser Position bleibt.
MITTELFELD
Michel Aebischer
Er scheint zu Beginn des Turniers wie bereits an der EM 2024 eine wichtige Rolle zu übernehmen und zeigt gegen Katar ein starkes Spiel. Dann aber muss Michel Aebischer dem überragenden Johan Manzambi weichen und zieht sich in der K.o.-Phase zudem eine Muskelverletzung zu, die ihn im Achtel- und Viertelfinal zum Zuschauen zwingt.
Remo Freuler
Der Teamälteste läuft am Turnier am meisten. Seine Spielart ist eher unauffällig, doch Remo Freuler macht mit seinen Laufwegen defensiv die Räume zu und schaltet sich offensiv immer wieder mit guten Ideen ein. Er deutet zunächst seinen Rücktritt an, gibt nach dem letzten Spiel im TV-Interview aber bekannt, dass seine Reise mit dem Nationalteam noch nicht zu Ende sei. Seine Klubzukunft ist noch offen.
Ardon Jashari
Nach einem Kurzeinsatz in der Gruppenphase soll Ardon Jashari im Achtelfinal den Ausfall von Johan Manzambi vergessen machen. Zur Pause wird er bereits wieder ausgewechselt. Der 23-Jährige muss seinen Platz im Team noch finden.
Johan Manzambi
Es ist lange sein Turnier. Johan Manzambi brilliert im zweiten Gruppenspiel als Einwechselspieler und ist ab da auf der Position des Zehners gesetzt. Der Teamjüngste überzeugt auch in den nächsten Spielen und sammelt insgesamt drei Tore und zwei Assists. Umso bitterer, dass er sich vor dem Achtelfinal im Training verletzt und deshalb auch im Viertelfinal aussetzen muss. Er dürfte in diesem Sommer der teuerste Schweizer Transfer aller Zeiten werden.
Fabian Rieder
Hat aufgrund einer zu Turnierbeginn erlittenen Verletzung und der starken Entwicklung von Johan Manzambi eine kleinere Rolle als noch an der EM vor zwei Jahren. Fabian Rieder überzeugt mit seiner Defensivarbeit, in der Offensive fehlt es ihm oft an der nötigen Durchschlagskraft oder der zündenden Idee. Auch bei den Standards bleibt er glücklos.
Djibril Sow
Der gelernte Zentrumsspieler wird an der WM mehrmals auf dem Flügel eingesetzt. Dafür, dass dies nicht seine angestammte Position ist, erledigt Djibril Sow seine Aufgaben ansprechend, aber ohne Glanz. Er wartet auch nach 56 Einsätzen weiter auf seinen ersten Treffer im Nationalteam.
Granit Xhaka
Spielerisch ist der Captain für einmal nicht immer auf der Höhe. Weil es sich herumgesprochen hat, dass Granit Xhaka das Herz und der Motor der Schweizer Nationalmannschaft ist, wird der Mittelfeldregisseur oft eng bewacht. So unterlaufen ihm mehr Fehler als gewohnt. Als Antreiber ist er umso wichtiger. Zwar löst er mit seiner Kritik zu Turnierbeginn eine Debatte über die Kommunikation im Team aus, zeigt sich dann aber als unbestrittener Leader. Er knackt als erster Schweizer die Marke von 150 Länderspielen und zeigt sich nach dem historischen Einzug in den WM-Viertelfinal von seiner emotionalen Seite.
STURM
Zeki Amdouni
Er verpasst im Klub verletzungsbedingt praktisch die gesamte Saison und darf sich daher auch im Nationalteam nicht viel Einsatzzeit erhoffen. Zeki Amdouni wird immerhin viermal eingewechselt und verwandelt seinen Versuch im Penaltyschiessen gegen Kolumbien souverän.
Breel Embolo
Sein Platzverweis gegen Argentinien, nachdem er wegen einer Schwalbe die Gelb-Rote Karte sieht, überschattet ein ansonsten gutes Turnier. Breel Embolo, der wegen Problemen mit seinem Visum verspätet im Trainingslager in San Diego eintrifft, schiesst zwei Tore, gibt zwei Assists und provoziert gegen Bosnien-Herzegowina eine Rote Karte. Er kann die Bälle gut halten und weiterleiten, muss als einzige Sturmspitze aber auch viel einstecken. Im Viertelfinal geht er mit Tränen vom Feld.
Dan Ndoye
Muss zu Beginn des Turniers Kritik wegen der vielen ausgelassenen Chancen einstecken. Mit Beginn der K.o.-Phase blüht Dan Ndoye aber richtig auf. Der Waadtländer lässt seine Gegenspieler mit seiner Schnelligkeit oft alt aussehen, schiesst zwei Tore und überzeugt auch in der Defensive als Zweikämpfer.
Ruben Vargas
Erkämpft sich mit einem Tor und einem Assist im zweiten Gruppenspiel den Stammplatz zurück. Ruben Vargas zeigt ein starkes Turnier, verletzt sich aber ausgerechnet vor dem Achtelfinal unglücklich. Er wird eingewechselt, bleibt beim entscheidenden Penalty cool und schiesst die Schweiz erstmals seit 1954 wieder in einen WM-Viertelfinal.
Weniger als 45 Minuten eingesetzt wurden Eray Cömert, Christian Fassnacht, Cedric Itten und Noah Okafor. Nicht zum Einsatz kamen Aurèle Amenda, Yvon Mvogo und Marvin Keller.

















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