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Ausland
Keystone-SDA | Mittwoch, 14. Januar 2026

Angespannte Ruhe nach Massenprotesten im Iran

Nach den schweren Unruhen und landesweiten Aufständen im Iran herrscht in den Metropolen eine angespannte Ruhe.

Zwar seien an vielen wichtigen Orten der Stadt noch Polizisten und Sicherheitskräfte stationiert, jedoch nicht mehr in einem Ausmass wie am vergangenen Wochenende, berichteten Einwohner der Hauptstadt und Millionenmetropole Teheran. "Vielleicht gibt es die Tage aber wieder Proteste", sagte ein Mann.

Auch Analysten, die das Protestgeschehen seit ihrem Beginn Ende Dezember dokumentieren, verzeichneten einen deutlichen Rückgang. Am Dienstag wurden einer Analyse des US-amerikanischen Critical Threats Project (CTP) zufolge nur noch sieben Proteste in sechs Provinzen registriert. Das CTP wird von den in Washington ansässigen Denkfabriken Institute for the Study of War (ISW) und American Enterprise Institute betrieben.

Bericht: Repression könnte Demonstranten abgeschreckt haben

Der Bericht wies jedoch darauf hin, dass aufgrund der Internetsperre nur wenige Informationen nach aussen gelangen. Am vergangenen Donnerstag hatte das CTP noch 156 Demonstrationen in 27 der 31 iranischen Provinzen gezählt. Die Autoren verwiesen zudem auf die hohe Zahl an Todesopfern bei den Unruhen, die sich allerdings nicht unabhängig verifizieren liess. "Das Ausmass an Brutalität könnte die Demonstrierenden entmutigen und die Häufigkeit der Protestaktivität verringern."

Bewohner des Irans können seit Dienstag erstmals nach mehreren Tagen wieder ins Ausland telefonieren. Sie beschrieben eine angespannte Ruhe in den Städten. Die grössten Massenproteste gab es demnach am vergangenen Donnerstag und Freitag. Der Sicherheitsapparat reagierte mit äusserster Gewalt. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Hengaw sind seit Protestbeginn mehr als 2.500 Menschen ums Leben gekommen.

Irans Sicherheitsapparat geht systematisch gegen Proteste vor

Der Staat bezeichnet die Massenproteste als ausländische Intervention, der Sicherheitsapparat geht systematisch dagegen vor. Aussenminister Abbas Araghtschi verteidigte in einem Telefonat mit seinem französischen Kollegen das Vorgehen der Staatsmacht. Ursprünglich friedliche Proteste seien durch "ausgebildete terroristische Elemente" in Gewalt umschlugen, sagte er.

In einer Provinz meldete der Geheimdienst der iranischen Revolutionsgarden die Festnahme mehrerer "Hauptverantwortlicher" der Unruhen. Die Generalstaatsanwaltschaft warnte unterdessen vor einer Zusammenarbeit mit dem persischsprachigen Exilsender "Iran International", den viele Iranerinnen und Iraner trotz Internetsperre in den vergangenen Tagen in ihren Wohnzimmern empfangen konnten. Laut Menschenrechtlern droht bereits die erste Hinrichtung eines Demonstranten.

US-Präsident droht Teheran zum wiederholten Mal

US-Präsident Donald Trump warnte die iranische Staatsführung vor der Hinrichtung von Protestteilnehmern. "Falls sie das machen, werden wir sehr entschlossen handeln", sagte er dem TV-Sender CBS News in Detroit. "Wir werden sehr hart reagieren." Näher führte Trump seine Drohung nicht aus. Die iranische Justiz hatte zuvor die ersten Protestteilnehmer vor Gericht gestellt.

Seit Beginn der Proteste gegen das autoritäre Herrschaftssystem der Islamischen Republik vor mehr als zwei Wochen hatte Trump dem Iran schon mehrfach mit einem Eingreifen der USA gedroht, falls Demonstranten getötet würden. Letzteren sagte er nun erneut Unterstützung zu. Hilfe sei unterwegs. Seine Drohungen blieben bislang jedoch folgenlos.

Trumps Optionen nach Drohungen gegen Irans Führung

Israelische und arabische Regierungsvertreter sollen der US-Regierung nach Informationen des Senders NBC News nahegelegt haben, vorerst von einem Angriff auf den Iran abzusehen. Die Führung in Teheran sei demnach nicht ausreichend geschwächt, um durch einen militärischen Schlag gestürzt werden zu können. Doch welche Optionen bleiben Trump darüber hinaus?

Die USA könnten nach Einschätzung eines Experten Cyberattacken in Betracht ziehen, nachdem Irans Staat das Internet blockiert hat. "Wenn die Vereinigten Staaten oder Israel die Fähigkeit haben, diesen Eisernen Vorhang niederzureissen, wird dies von den Iranern mit grosser Freude aufgenommen werden", sagte Karim Sadjadpour, Analyst an der Denkfabrik Carnegie, in einem Podcast des US-Senders NPR.

Experten warnen vor unvorhersehbaren Folgen bei Angriffen

Ähnlich äusserte sich eine frühere Iran-Expertin des US-Aussenministeriums: Cyberoperationen gegen militärische Fähigkeiten, Druck auf Verbündete, iranische Diplomaten auszuweisen, die Geisterflotte iranischer Öltanker zu beschlagnahmen und chinesische Importe von iranischem Öl mit Sanktionen zu belegen, zählte sie als mögliche Massnahmen auf.

"Weder Militärschläge noch eine weitere Runde von Atomgesprächen werden eine bessere Zukunft für die Iraner oder für die Interessen der USA sichern", schrieb Suzanne Maloney in einem Gastbeitrag für die "New York Times".

Denkbar seien auch gezielte Angriffe auf Offiziere oder paramilitärische Einheiten, heisst es in einer Analyse der Denkfabrik Chatham House. Autor Bilal Y. Saab warnt jedoch vor unvorhersehbaren Konsequenzen: "Würde dies tatsächlich das Ziel der iranischen Demonstranten unterstützen, das Regime zu stürzen? Die ehrliche Antwort lautet: Wir wissen es nicht."

Sollte Trump Irans obersten Führer Ali Khamenei töten lassen, sei ein wahrscheinlicher Nachfolger ein Militärregime unter der Führung der Revolutionsgarden. Irans Militär hatte im Falle eines Angriffs mit einer entschiedenen Antwort gedroht.

USA fordern Bürger zur Ausreise auf

Inmitten der Massenproteste und militärischer Spannungen rief das US-Aussenministerium seine Bürger zur sofortigen Ausreise auf. "Erwägen Sie, den Iran auf dem Landweg in Richtung Türkei oder Armenien zu verlassen, sofern dies sicher ist", hiess es in einer Mitteilung. Falls eine Ausreise nicht möglich sei, riet die virtuelle US-Botschaft ihren Staatsbürgern, einen sicheren Ort aufzusuchen. "Meiden Sie Demonstrationen, verhalten Sie sich unauffällig und achten Sie auf Ihre Umgebung."

Die verfeindeten Länder unterhalten seit 1979 - als es im Iran zur Islamischen Revolution und zur Geiselnahme von Teheran kam - keine diplomatischen Beziehungen mehr.

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