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Keystone-SDA | Freitag, 07. August 2026

Auf der Suche nach den Formel-1-Juwelen

Der möglicherweise neue Formel-1-Weltmeister hat bis vor wenigen Jahren noch im Kart gesessen. Die Suche nach den Siegern der Zukunft beginnt schon im Kindesalter.

Das Scouting nach Talenten beginnt immer früher. Was im Fussball schon lange zu beobachten ist, gilt auch für die Formel 1. Der Italiener Kimi Antonelli etwa wurde mit zwölf Jahren in das Nachwuchsprogramm von Mercedes aufgenommen. Heute ist der Teenager aus Bologna der vielleicht kommende Weltmeister.

"Wir müssen die Fahrer mit Potenzial identifizieren, wenn sie elf oder zwölf Jahre alt sind, weil sie in dem Alter alles Wissen aufsaugen wie ein Schwamm", erzählte einmal Gwen Lagrue, der Talentspäher des Teams Mercedes. "Ein Fahrer, der schon 19 oder 20 Jahre alt ist, hat Gewohnheiten entwickelt. Das macht es schwierig. Ich möchte die Fahrer nicht ändern, sondern ihnen etwas beibringen."

Red Bull holt Antonellis Entdecker

Fahrer mit 19 oder 20 sind längst auf dem Präsentierteller der Formel 3 oder der Formel 2. Die Welt schaut ihnen bereits zu. Im Grunde ist es ausgeschlossen, dass ein Talent zu diesem Zeitpunkt noch zu keiner Nachwuchsakademie von Mercedes, Red Bull, Ferrari oder sonst wem gehört. Denn ohne finanzielle Unterstützung geht im teuren Motorsport nichts.

Lagrue und sein Team haben Antonelli entdeckt. Der Franzose fuhr einst selbst in der Formel Ford und raste dann im Rallye-Sport. Das Potenzial für die Königsklasse des Motorsports hatte er nie. "Ich habe 13 Jahre gebraucht, um einzusehen, dass aus mir hinter dem Lenkrad nichts werden würde", erzählte Lagrue, der ab kommender Saison die rasend schnellen Nachwuchsjuwelen für Red Bull verpflichten soll. "Ich war einfach nicht talentiert genug."

Von Antonelli bis Russell

Nach Zeit beim Militär und als Autohändler studierte Lagrue Jura, Wirtschaftswissenschaften und Sport-Management. Ab 2009 war er beim damaligen Renault-Team in der Formel 1 am Aufbau des Fahrerentwicklungsprogramms beteiligt. 2016 lotste ihn Toto Wolff zu Mercedes, wo er zum Chef der Nachwuchsabteilung aufstieg. "Er hat soviel Talent und soviel Wissen, um junge Fahrer zu beurteilen", sagte der Mercedes-Teamchef über Lagrue.

Etwa ein halbes Dutzend Kartrennen besucht er pro Jahr. Damit betreibt er Scouting an der Basis. "Wir suchen Fahrer, die menschlich all das mitbringen, was einen Champion ausmacht: Einstellung, Reife, Demut und Dankbarkeit gegenüber dem Team. Das sind die Dinge, die einen Kandidaten besonders machen", sagte Lagrue. Unter seiner Förderung fanden auch George Russell (Mercedes) oder Alex Albon (Williams) ihren Weg in die Formel 1.

Vettels früherer Renningenieur "Rocky"

Lagrue wird bei Red Bull im Grunde Nachfolger von Helmut Marko. Durch die Schule des Ende vergangenen Jahres zurückgetretenen Motorsportberaters sind etwa die späteren viermaligen Weltmeister Sebastian Vettel oder Max Verstappen gegangen. Zum Team Lagrues wird Guillaume Rocquelin gehören, der früher Vettels Renningenieur war und nun die Nachwuchsakademie führt.

"Rocky" ist ebenfalls Franzose. Er ist bekannt für die Hausaufgaben, die er den Youngstern stellt. Der Neuseeländer Liam Lawson aus Red Bulls Schwesterteam Racing Bulls musste für ihn als Nachwuchsmann einmal erklären, wo der Mehrwert bei Hafer- und Kuhmilch liegt. Ernährung spielt eben auch eine Rolle auf dem Weg an die Spitze.

"Es geht nicht nur darum, sich unbedingt verbessern zu wollen", beschrieb Rocquelin einmal die für ihn wichtigsten Eigenschaften eines jungen Fahrers. "Es geht auch um diesen Eifer und diese Verzweiflung, als ob nichts anderes wichtiger wäre, als der bessere Fahrer zu sein, die anderen zu schlagen und dabei alle Vorteile auf seine Seite zu ziehen."

"Der härteste Teil des Jobs ist es, objektiv zu sein"

Red Bull sichtet Talente ab 13 Jahren. Im Simulator können die Zukunftshoffnungen sogar mit ihren Idolen verglichen werden, wenn etwa die Daten eines ehemaligen Red-Bull-Nachwuchsfahrers wie Carlos Sainz hochgeladen werden.

Nicht jeder, das ist keine Überraschung, bleibt bis zum angepeilten Aufstieg in die Formel 1 im Aufbauprogramm. "Der härteste Teil des Jobs ist es, objektiv zu sein und einzusehen, wenn es nicht funktioniert", räumte Rocquelin ein. Dann habe man den Eindruck, versagt zu haben. Lagrue sieht das ähnlich. "Ich weiss, dass es nicht jeder in die Formel 1 schafft. Es ist aber meine Pflicht, alles dafür zu tun, um es ihnen zu ermöglichen."

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