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Auf Thuns Sportchef warten heisse Wochen
Der Meisterpokal ist in Thun angekommen, die Euphorie im Berner Oberland ist gross. Während den Feierlichkeiten mahnt Sportchef Dominik Albrecht aber auch zur Vorsicht.
Nach einer 3:8-Klatsche den Meisterpokal entgegenzunehmen, hat definitiv etwas Surreales. Und genau deshalb passte es irgendwie zu dieser Saison: Der Titelgewinn des FC Thun ist insgesamt ein bisschen surreal. Zu Beginn der Saison galten die Thuner als Abstiegskandidaten, nun konnten sie am Auffahrtsdonnerstag den ersten Titel der Klubgeschichte feiern. Entsprechend schnell hatten die Spieler die Partie abgeschüttelt. Die Kanterniederlage gegen YB sei zwar bitter und schade, letztlich aber egal - heute gehe es nur um den Pokal. So lautete der Tenor.
Dem stimmte grundsätzlich auch Sportchef Dominik Albrecht zu, wobei er stärker als viele andere von gemischten Gefühlen sprach. "Die letzten Wochen waren sehr komplex", sagte Albrecht. Bis kurz vor Schluss konnte Aussenseiter Thun befreit aufspielen, und dann, mit dem Titel vor Augen, kam doch noch Druck auf. "Da merkt man plötzlich, dass es ein schmaler Grat ist. Wenn wir ein- oder zweimal den Kopf verlieren und nicht mehr so kompakt verteidigen, dann kann es wie heute brutal enden."
Trotz aller Feierlichkeiten sehe er die Niederlage als Wink oder Warnung für die Zukunft. "Es braucht wenig, und es kippt." Gleichzeitig zeige der nun holprige Saisonabschluss, welch ausserordentliche Leistung das Team in den ersten 30 Runden gezeigt habe.
Es drohen mehrere Abgänge
Dass der 40-Jährige im Moment des grössten Erfolgs der Klubgeschichte bereits wieder so analytisch und reflektiert spricht, passt zu seiner Person, aber auch zu seiner Aufgabe. Denn während für die Spieler die Saison praktisch zu Ende ist, kommen auf Albrecht nun intensive Wochen zu. Durch den Erfolg sind die Spieler des FC Thun plötzlich weitherum begehrt. Hinzu kommt die Champions-League-Qualifikation, in der sich die Spieler auf einer weiteren Bühne ausländischen Klubs präsentieren können.
Vor allem Talente wie die U21-Nationalspieler Ethan Meichtry und Valmir Matoshi sowie Leistungsträger wie Michael Heule und Elmin Rastoder gelten als begehrt. Beim von YB ausgeliehenen Kastriot Imeri ist noch unklar, ob Thun die Kaufoption ziehen wird - respektive ob sich der Klub das überhaupt leisten kann.
Zu den einzelnen Spielern wollte Albrecht derzeit keine Details preisgeben. "Man kann aber davon ausgehen, dass es den einen oder anderen Wechsel mehr als sonst geben wird", hielt der Sportchef trocken fest. Allerdings befinde er sich auch in einer komfortablen Situation: Dank der oft langfristigen Verträge winken dem Klub, der in den vergangenen Jahren finanziell schwierige Zeiten erlebt hat, schöne Ablösesummen.
"Mauro weiss, was er am Klub hat"
Neben den Spielern hat sich auch Trainer Mauro Lustrinelli für höhere Aufgaben empfohlen. Der Tessiner betonte in den vergangenen Wochen immer wieder, dass er sich in Thun sehr wohlfühle. Er sei dem Klub auch für das Vertrauen dankbar: Noch in der Challenge League wurde sein Vertrag bis 2028 verlängert. Gleichzeitig könne es im Fussball aber immer sehr schnell gehen. Sollte ein Angebot mit einem spannenden Projekt eintreffen, wird sich das auch Lustrinelli anhören.
"Wie die Spieler weiss auch Mauro, was er am Klub hat. Er ist sehr verbunden mit der Region", sagt Albrecht. "Aber es ist völlig logisch, dass er nun bei vielen Vereinen in den Fokus geraten ist." Auch hier blicke er den kommenden Wochen entspannt entgegen.
Gleichzeitig melden sich plötzlich viele Agenten bei Albrecht, von denen er zuvor noch nie gehört hatte. Dossier um Dossier flattert derzeit beim Klub herein. "Wir bleiben jedoch unserer Linie treu. Uns zeichnen Solidarität und mannschaftliche Geschlossenheit aus. Das wird auch künftig Trumpf und Basis sein, wenn es darum geht, das Kader für die neue Saison zusammenzustellen." Es gelte, eine Mannschaft auf die Beine zu stellen, die erneut "eine gute Rolle spielen" könne.
Und dann hat auch Albrecht vorerst genug analysiert. Er dreht sich um und nimmt eine weitere der bereits zahlreich ausgesprochenen Gratulationen entgegen. Der unscheinbare Baumeister des Erfolgs darf die Feierlichkeiten nun geniessen, bevor für ihn die heisse Phase beginnt.

















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