Die digitale Ausgabe des Sarganserländers.
Basil Da Cunhas "O Jacaré" ist ein mosaikartiges Ortsporträt
Mit Basil Da Cunha ist auch die Schweiz im Hauptwettbewerb des Locarno Film Festivals vertreten: Die Thriller-Komödie "O Jacaré" des schweizerisch-portugiesischen Regisseurs bildet ein weiteres Kapitel seiner Saga über das Viertel Reboleira in Lissabon.
"O Jacaré" versetzt das Publikum direkt in das Chaos von Reboleira: Ein missglückter Raubüberfall, eine verschwundene Beute von 180'000 Euro und Polizisten an jeder Ecke. "Dieser Raubüberfall wird fast zu einem Vorwand, um von den Menschen und vom Ort zu erzählen", sagt Filmemacher Basil Da Cunha in Locarno im Gespräch mit Keystone-SDA.
Der 1985 im waadtländischen Morges als Sohn portugiesischer Eltern geborene Regisseur hat sich für eine Ensemblegeschichte, also für eine Story, bei der die Perspektiven mehrerer Figuren zusammenkommen, entschieden, um das neueste Kapitel seiner Saga über das Viertel Reboleira in Lissabon zu drehen.
Es wird von vielen kapverdischen Einwanderern bewohnt, gleichzeitig soll es abgerissen. Da Cunha mochte die Idee, das Viertel anhand verschiedener Protagonisten zu beleuchten, die jeweils andere Realitäten beschreiben- Er sagt: "Zusammen ergeben ihre Geschichten ein mosaikartiges Porträt dieses Ortes."
Den Rhythmus der Erzählung bestimmt die Filmmusik, von Klängen der 1970er Jahre etwa - von Punk und Rock bis hin zu kapverdischer Musik. Dabei wurden Elemente der amerikanischen Kinokultur, insbesondere Einflüsse von Tarantino und Scorsese, mit der Filmkultur der Kap Verden verbunden.
Porträt und Erinnerung
Vom Locarno Film Festival wird "O Jacaré" als letzter Teil der Reboleira-Trilogie angekündigt. Genau genommen sei es aber der vierte Film, sagt Da Cunha und verweist auf die Vorgänger "Até ver a luz" (2013), "O fim do mundo" (2019) und "Manga D’Terra" (2023). In mehr als 15 Jahren hat der Regisseur auch Kurzfilme über das Viertel gedreht, in das er mit zwanzig Jahren zog.
Viele kennen Da Cunha vom Rap-Video, das er mit den Bewohnern von Reboleira gedreht hat. "Es ist eine Erinnerung und ein Zeugnis, das uns von verschiedenen Epochen, Menschen und diesem Ort bleibt", erklärt er. Auch wenn das Viertel nicht mehr dasselbe sei wie einst, da die Stadtverwaltung verschiedene Gebäude abgerissen und einen Grossteil der Gemeinschaft vertrieben habe, "werden wir weiterhin gemeinsam Filme drehen", sagt der Regisseur.
Es sei zwar traurig, das Verschwinden des Viertels zu erleben, aber umso schöner "es durch die Filme für immer verewigt zu sehen", sagt die Schauspielerin Verónica Lii, die im Film die Frau von PC, dem Boss des Viertels, spielt. "Es ist das Ende eines Anfangs", pflichtet ihr Alexandre Fonseca bei, der im Film die Rolle des jungen Chandi verkörpert, den Zögling von PC.
Krokodil als komödiantisches Element
Im Laufe des Films streift ein Krokodil ungestört durch das Viertel und sorgt so für Spannung, aber auch für Komik bis in den Abspann hinein.
In einer Szene ist die Frau von PC zusammen mit dem Krokodil im Schwimmbecken. Die Schauspielerin hatte so eine hautnahe Begegnung mit dem Tier. "Ich hatte Angst, aber ich hatte trotzdem Vertrauen", erklärt Lii. Dank der Hilfe und der Ratschläge des Besitzers, der die ganze Zeit bei ihr im Pool war, gelang es ihr, ins Wasser zu gehen. Mit einem Krokodil gespielt zu haben, das würde sie nie vergessen.
Kapverdisches Kreol Akt des Widerstands
Wörtlich heisst der Filmtitel "O Jacaré" übersetzt "Alligator". Es ist aber auch "ein Ausdruck, der verwendet wird, um betrügerische Menschen zu beschreiben", erklärt Da Cunha. Seine Filme sind hauptsächlich in Kreolisch, so auch "O Jacaré".
"Für mich ist das ein Mehrwert, denn im Kreolischen gibt es Ausdrucksweisen, die viel poetischer oder viel witziger sind als im Portugiesischen", erklärt der Regisseur.
Fonesca pflichtet ihm bei: "Es ist ein Akt des Widerstands." Und Lii sagt: "Für uns ist es sehr wichtig, ins Kino gehen zu können, um etwas auf Kreolisch zu sehen."
Am Samstag werden in Locarno die Preise verliehen, und auch die schweizerische-portugiesische Produktion könnte einen Pardo d'Oro gewinnen. Mit "O Jacaré" zeigt Da Cunha bereits zum dritten Mal einen seiner Filme am Locarno Film Festival im Wettbewerb. Am Samstagnachmittag findet die Bekanntgabe und Verleihung der Preise statt. Es sei für ihn "äusserst wichtig" in Locarno zu sein, so Da Cunha. "Das Festival ist der Ort, an dem wir existieren können. Es gibt uns Kraft und Sichtbarkeit für den Film."

















Kommentare (0)
Schreibe einen Kommentar