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Sport
Keystone-SDA | Samstag, 21. März 2026

Überraschender Abgang beim klaren Leader

Der FC Thun kann sich auf die Meisterfeier vorbereiten. Umso überraschender kommt die Meldung des vorzeitigen Rückzugs von CEO und Geldgeber Beat Fahrni. Der Unternehmer spricht über seinen Entscheid.

Man stelle sich vor: Sie retten mit einem grossen Geldbetrag einen Fussballklub vor dem Konkurs. Sie erleben den Aufstieg in die Super League und übernehmen die Leitung des Vereins. In der höchsten Liga steuert Ihr Klub bereits in der ersten Saison nach der Promotion auf den Meistertitel und damit auf die grösste Sensation im Schweizer Fussball zu. Und Sie? Sie geben noch vor Saisonende und den sich anbahnenden Feierlichkeiten die operative Führung ab.

Beat Fahrni hat es genau so gemacht. Am Dienstag verkündete der FC Thun, der CEO wolle sich ab Ende März "wieder verstärkt auf seine unternehmerischen Tätigkeiten ausserhalb des Klubs konzentrieren". Fahrni bleibt zwar vorerst im Verwaltungsrat, doch der Zeitpunkt erscheint gleichwohl ungewöhnlich.

Das sieht der Sportförderer anders. "Der Entscheid hat nichts mit dem Sport zu tun", sagt er. "Mein Ziel war es, im Klub Strukturen zu schaffen. Und wenn es läuft, kann man es laufen lassen. Dann braucht es mich nicht mehr."

Doch warum kommt die Meldung zwei Wochen vor seinem Abgang, mitten im Meisterschaftsbetrieb? "Wir haben intern schon im Februar darüber gesprochen und fanden, dass es ein guter Zeitpunkt sei", erklärt Fahrni, der am Mittwoch 59 Jahre alt geworden ist. "Wir dachten auch nicht, dass es medial eine so grosse Aufmerksamkeit erzeugen würde. Es sollte schliesslich um den Sport gehen, nicht um einzelne Personen. Und falls es tatsächlich zu einer Meisterfeier kommt, soll es nur darum gehen."

Kein Interesse am Pokalfoto

Angesichts dieser Aussagen könnte man versucht sein, Fahrni eine gewisse Naivität zu unterstellen. Dass dies jedoch nicht der Fall ist, zeigt ein Blick auf sein Wirken im Klub. Und wer dem Unternehmer zuhört, merkt rasch: Hier spricht keiner, der sich vom Moment treiben lässt.

Denn was beim FC Thun derzeit geschieht, ist alles andere als gewöhnlich. Fahrni selbst sagt, es fühle sich "ab und zu schon surreal" an, wenn er an Anfang 2024 zurückdenke. Damals stand der Klub kurz vor dem Konkurs; rund 800'000 Franken an Eigenkapital fehlten, um überhaupt an der kommenden Saison teilnehmen zu können. Und nun könnte sich zum Pokal für den Titel in der Challenge League bald ein weiterer gesellen.

Es ist bezeichnend, wie konsequent Fahrni den sportlichen Erfolg anderen zuschreibt: dem Trainerteam, Präsident Andres Gerber und Sportchef Dominik Albrecht. "Never change a running system", sagt er über den sportlichen Bereich. Diese Haltung zieht sich durch das gesamte Gespräch. Fahrni lehnt persönliche Lorbeeren konsequent ab. Er habe sie "nicht nötig". Schon beim Aufstieg habe er nicht auf das Pokalfoto gewollt. Operativ Verantwortliche hätten aus seiner Sicht "nichts in den Katakomben zu suchen".

Teilweise radikale Veränderungen

Während er sich in sportlichen Angelegenheiten zurückhielt, hatte er in anderen Bereichen klare Vorstellungen und stiess mehrere Anpassungen an. Mit seinem Einstieg brachte er nicht nur Geld, sondern vor allem eine neue Denkweise: Prozesse, Verantwortlichkeiten, Tempo. Vieles wurde hinterfragt, manches radikal verändert.

So erlebte der FC Thun in den letzten zwei Jahren auch eine hohe personelle Fluktuation, insbesondere in der Geschäftsführung. Zwei CEOs kamen und gingen innerhalb weniger Monate, ehe Fahrni das Amt selbst übernahm. Auch in anderen Bereichen wurde umgebaut. Für Fahrni ist klar: Viele Abläufe seien zu lange unverändert geblieben, die Organisation zu träge gewesen. Die heutigen Mitarbeitenden beschreibt er als "jung und dynamisch" - implizit als Gegenentwurf zur Vergangenheit.

Ob dieses neu geschaffene Fundament bereits trägt, ist nach seinem Rückzug als CEO die grosse Frage. Präsident Gerber übernimmt interimistisch die operative Leitung, unterstützt vom Verwaltungsrat. Fahrni zeigt sich vorsichtig zuversichtlich: "Ganz sicher weiss man das immer erst im Nachhinein", sagt er. Doch: "Der Laden läuft, vieles ist aufgegleist." Man müsse die Organisation nun "laufen lassen", wie Kinder, die auch einmal hinfallen dürfen.

Erfolg bringt neue Herausforderungen

Gerade weil sich der Klub in einer "wunderbaren Ausgangslage" befinde (acht Runden vor Schluss 16 Punkte Vorsprung auf den ersten Verfolger), brauche es nun neue Strukturen: einen aktiveren Verwaltungsrat, mehr Austausch und externe Expertise im Umgang mit Erfolg. Die nächste Entwicklungsstufe erfordert andere Kompetenzen als die Sanierung. Oder anders gesagt: Der Unternehmer, der den Klub stabilisiert hat, sieht seine Aufgabe als erfüllt.

Die finanziellen Rahmenbedingungen wirken stabiler als noch vor zwei Jahren. Langfristige Sponsorenverträge, ein volles Stadion, neue Partner: Fahrni verweist auf eine Reihe positiver Entwicklungen. Auch sein eigenes Engagement will er nicht grundsätzlich reduzieren. Seine Firma bleibe Platin-Sponsor; zusätzliche Mittel könnten künftig jedoch eher in Infrastrukturprojekte wie den geplanten "Sportcluster" in Thun-Süd fliessen, ein Herzensprojekt von ihm.

Er, der den Klub neu aufgebaut hat, vertraut nun darauf, dass dieser auch ohne ihn in operativer Verantwortung funktioniert. Warum sein Entscheid ausgerechnet in jener Phase veröffentlicht wurde, in der der Klub vor einem historischen Erfolg steht, dürfte aber wohl noch eine Weile ungeklärt bleiben.

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