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Keystone-SDA | Freitag, 17. Juli 2026

Bündner Gemeinden kämpfen unterschiedlich gegen Wohnungsnot

In zahlreichen Regionen Graubündens herrscht Wohnungsnot. Die Leerwohnungsziffer liegt kantonsweit bei 0,6 Prozent. Keystone-SDA zeigt anhand von fünf Beispielen, wie die Gemeinden die Wohnungsnot bekämpfen wollen - teilweise auch auf Kosten der Zweitwohnungsbesitzer.

Im Immobilienmonitoring der Graubündner Kantonalbank (GKB) mit Stand Frühling 2026 kommt die Bank zu einem klaren Schluss: "Die sehr tiefen Leerstände zeigen, dass Wohnraum in Graubünden ein knappes Gut bleibt. Eine Entspannung ist kurzfristig kaum absehbar, da neue Projekte durch fehlendes Bauland, hohe Baukosten und raumplanerische Vorgaben gebremst werden", lässt sich Jon Fadri Pitsch, Mitglied der Geschäftsleitung und Leiter Märkte bei der GKB, in einer Mitteilung vom Juni zitieren.

Verschiedene Gemeinden reagieren mit Massnahmen auf die teilweise seit Jahren bestehende Wohnungsnot.

Das aktuellste Beispiel ist die Gemeinde Davos. Die Davoser Regierung hat am Donnerstag die Teilrevision zum Zweitwohnungsgesetz verabschiedet. Sie will mit den Änderungen die Umnutzung von Wohnflächen in Zweitwohnungen erschweren. Sie macht als eine der Ursachen für die sehr tiefe Leerstandsziffer nämlich aus, dass von Einheimischen genutzte Wohnungen abgerissen und nach dem Neubau als Zweitwohnungen verkauft würden. So würden jährlich über 50 Erstwohnungen verloren gehen.

Schutzklausel soll Abhilfe schaffen

Sie will deshalb als ein Kompromiss zu einer Erstwohnungsinitiative eine Schutzklausel für Gebäude mit mindestens vier Wohnungen schaffen. Bei grösseren Änderungen müsste mit einer Gesetzesrevision die Hälfte der Wohnfläche weiterhin Erstwohnraum bleiben. Wer eine Ersatzabgabe zahlt, darf nochmals 25 Prozent der Fläche in Zweitwohnungen umwandeln. Die Mittel aus dieser Ersatzabgabe sollen wiederum in die Förderung von bezahlbarem Erstwohnraum fliessen. Das Gesetz kommt nun am 20. August ins Davoser Parlament und müsste später vom Volk genehmigt werden.

Auch die Nachbargemeinde Klosters schaut genauer hin. Sie hat im laufenden Jahr die Überwachungen von Erstwohnungen intensiviert. "Ziel der Kontrollen ist es, sicherzustellen, dass dieser Wohnraum der einheimischen Bevölkerung erhalten bleibt und nicht illegal als Zweitwohnung genutzt wird." Denn genau das geschieht gemäss einer Gemeindemitteilung vom März regelmässig: "Erfahrungen zeigen, dass bei Kontrollen in Mehrfamilienhäusern teilweise bis zu 40 Prozent der Erstwohnungen Unregelmässigkeiten aufweisen."

Widerrechtlich genutzte Wohnungen könnten versiegelt oder zwangsvermietet werden. Die Gemeinde erstatte in solchen Fällen ausserdem eine Strafanzeige. Ergänzend setzt sich die Gemeinde gemäss Mitteilung "mit dem Problem der legalen Umnutzung von altrechtlichen Wohnungen - Baujahr vor 2012 - zu Zweitwohnungen auseinander, um den Verlust an günstigem Wohnraum einzudämmen".

Steuern für Wohnraumfonds in Pontresina

In Pontresina wurde ausserdem vor wenigen Wochen an der Gemeindeversammlung das Fondsreglement für bezahlbaren Wohnraum angepasst. Die Versammlung stimmte am 22. Juni dafür, einen Teil der Grundstückgewinn- und Handänderungssteuer für die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum einzusetzen.

In der Kantonshauptstadt Chur wird die Bevölkerung im November an die Urne gebeten. Sie stimmt dann über die Volksinitiative "Für bezahlbare Wohnungen" ab. Die SP Chur sowie der Mieterinnen- und Mieterverband Graubünden, eine Interessengemeinschaft und Wohnbaugenossenschaften fordern in ihrer Volksinitiative, dass sich die Stadt für bezahlbaren Wohnraum einsetzt. Der Stadtrat solle innert zwei Jahren die Voraussetzungen schaffen, damit künftig ein Drittel der jährlich neu erstellten Wohnfläche in Kostenmiete vermietet wird.

Heisst: Nur die tatsächlich anfallenden Kosten werden Mieterinnen und Mietern verrechnet. Konkrete Bestimmungen zur Umsetzung der Vorgaben fehlen gemäss den Initiantinnen und Initianten bewusst, damit die Stadt Spielraum hat.

Die Bürgerlichen setzen dieser Initiative einen Gegenvorschlag entgegen. SVP, Mitte und FDP schlagen vor, dass die Vorgabe von einem Drittel ausschliesslich auf den gemeindeeigenen Boden bezogen werden soll. Bei Privaten soll diese Vorgabe nicht gelten. Dort will die Allianz mit Anreizen zum Bauen animieren.

Prekäre Lage in Vaz/Obervaz

Die Gemeinde Vaz/Obervaz stellte in einer Mitteilung von Ende Mai fest, dass die Nachfrage nach Wohnungen für Menschen mit Wohnsitz in der Gemeinde das Angebot übersteigt. Besonders betroffen seien Familien, junge Erwachsene, Mitarbeitende im Gewerbe und ältere Menschen, die in der Gemeinde wohnen bleiben möchten. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, wollen die politische Gemeinde und die Bürgergemeinde gemeinsam eine Stiftung zur Förderung von Erstwohnraum gründen.

Vorgesehen ist unter anderem die Nutzung von Parzellen der Bürgergemeinde und der politischen Gemeinde. Die Wohnungen, die darauf geplant werden, sollen gezielt für Einheimische und Familien zur Verfügung stehen. Eine Gewinnmaximierung ist laut Vorlage nicht vorgesehen. Die Mietpreise sollen kostendeckend und langfristig tragbar bleiben. Die Bevölkerung stimmte der Stiftung am 14. Juni mit fast 78 Prozent Ja-Stimmen zu.

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