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Keystone-SDA | Mittwoch, 02. September 2026

Bündner Jagdamt erklärt sich nach Kritik wegen Wolfsregulation

Zwei Naturschutzvereine haben den proaktiven Abschuss dutzender Wölfe in Graubünden harsch kritisiert. Der Co-Leiter des zuständigen Amts für Jagd und Fischerei, Adrian Arquint, nimmt Stellung zu den geäusserten Vorwürfen.

Der Kanton Graubünden darf den Bestand bei zwölf Wolfsrudeln proaktiv regulieren. Bei vier weiteren Rudeln hat das Bundesamt für Umwelt (BAFU) bei nachgewiesenem Nachwuchs ebenfalls Abschüsse bewilligt. Der Kanton darf bis zu zwei Drittel der bestätigten Jungtiere erlegen. Beim Calderas-Rudel in Mittelbünden beantragt er eine vollständige Erlegung. Laut einer Kantonsmitteilung von vergangener Woche riss das Rudel wiederholt Nutztiere in fachgerecht geschützten Herden.

Die Wolfsthematik wird in Graubünden sowohl von "Wolfsbefürwortern" als auch von "Wolfsgegnern" hitzig diskutiert. Ein aktuelles Beispiel dafür: Die Vereine Wildtierschutz Schweiz und Wolfs-Hirten reagierten auf die Regulierungspläne mit einer markigen Stellungnahme. Das Amt für Jagd und Fischerei sei in den letzten Jahren von einer fachlich unabhängigen Wildtierbehörde "zu einem Vollzugsorgan einer deplatzierten rechtskonservativ dominierten Ausrottungspolitik geworden".

Gerade Graubünden zeige, dass Wölfe geeignete Territorien wieder besiedeln und Verluste meist im Folgejahr kompensiert würden. "Die gewählte Strategie ist nicht zielführend und ist ein Kostentreiber ohne Nutzen", heisst es in der Mitteilung. Trotz bewilligter Abschüsse von 115 Wölfen sei die Zahl der Wolfsfamilien weiter gestiegen.

Der Wolf stelle ein sehr geringes Risiko für Menschen dar "und nicht die Anzahl Wölfe, sondern die Anzahl ungeschützter Weidetiere ist für die Anzahl Risse verantwortlich". Teile der Landwirtschaft seien beim Herdenschutz zudem "lernresistent". "Die Ursachen ungenügenden Schutzes wird mit dem Gewehr verwaltet." Friedliche, unauffällige Wolfsfamilien vorsorglich zu dezimieren, widerspreche klar dem Sinn des Artenschutzes.

AJF sieht verhältnismässigen Eingriff

Adrian Arquint ist auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA um eine sachliche Einordnung dieser Vorwürfe bemüht. Mit dem genehmigten Eingriff sei der Kanton noch lange nicht in einem Bereich, in dem der Bestand gefährdet werde. "Noch nicht einmal in einem Bereich, wo wir den Bestand stabilisieren", führte Arquint aus. "Das heisst für mich, der Eingriff ist grundsätzlich verhältnismässig.

Arquint erklärte, dass sich die Nutztierrisse mit der gesetzlichen Ermöglichung präventiver Abschüsse ab der Jagdsaison 2023 halbiert hätten. Einen grossen Einfluss habe dabei auch der weitere Ausbau des Herdenschutzes.

Den Vorwurf der "Lernresistenz" bei der Landwirtschaft wies er zurück: Fast 95 Prozent der Schafe und Ziegen seien in Schutzkonzepte eingebunden, zudem kontrollierten Wildhüter bei jedem Rissvorfall vor Ort, ob beispielsweise bei einem Überspringen von Zäunen die Zaunvorgaben eingehalten wurden. Die als "Kostentreiber" kritisierten Personalausgaben rechtfertigte Arquint mit dem gesetzlichen Auftrag zur Rissbegutachtung und zum Wolfsmonitoring allgemein. Es stelle sich zudem die Frage, was die Alternative zur Wolfsregulierung sei. Auch bei anderen Tierarten wie dem Rotwild sei die Regulation Teil des Managements.

"Eingriff wie bei anderen Tierarten notwendig"

Arquint räumte ein, dass der Abschuss von Jungtieren aus menschlicher Sicht emotional schwierig zu verstehen sein könne. Wie bei anderen Tierarten mit einer hohen Reproduktionsrate wie Reh- und Hirschwild sei dieser Eingriff aus Sicht der Biologie und der Ökologie jedoch notwendig. Beim Wolf verfolge der gezielte Abschuss das Ziel, den Bestand zu stabilisieren und in die richtige Richtung zu lenken, ohne ganze Rudel auszulöschen. "Es gibt Hinweise, dass bei kleineren Rudeln das Risiko für Konflikte und Nutztierrisse deutlich kleiner ist."

Der AJF-Co-Leiter wehrte sich gegen den Vorwurf, die Abschüsse seien unwissenschaftlich oder politisch getrieben. Zwar habe der politische Druck aufgrund höherer Risszahlen zeitweise zugenommen, das Amt sei seiner Linie jedoch treu geblieben. "Für uns ist wirklich wichtig, dass das, was wir machen, eine klare gesetzliche Grundlage hat, aber dass wir auch fachlich dahinter stehen können", betonte Arquint.

Er räumte diesbezüglich ein, dass man sich beim Wolfsmanagement in einem dynamischen Prozess befinde, bei dem weiterhin Praxiserfahrung gesammelt werden müsse. So sei die langfristige Wirkung der Welpenregulation noch unklar. Erst die Erfahrung in den kommenden Jahren, das gesammelte Datenmaterial und die wissenschaftliche Begleitung würden zeigen, ob dieser Weg künftig der zielführendste sei.

Wolfsbestand trotz Regulierung angewachsen

Arquint stellte die Frage nach der Alternative. "Mit der Möglichkeit, den Wolfsbestand präventiv zu regulieren, konnte das Wachstum des Wolfsbestands sicherlich gebremst werden." Und trotzdem sei der Bestand nochmals etwas angewachsen, "jedoch erfreulicherweise mit weniger Nutztierrissen im laufenden Jahr".

Der AJF-Co-Leiter bilanziert: "Der Herdenschutz wird in dieser Thematik weiterhin das zentrale Element sein. Und zum Wolfsmanagement sagte er: "Mit dem System, wie wir es jetzt haben, sind wir auf gutem Weg, aber es gibt noch Optimierungspotenzial."

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