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Keystone-SDA | Freitag, 13. März 2026

Chur erhält einen Konsumraum für Drogenabhängige

Am Freitag ist in Chur nach jahrelangen Diskussionen und Kontroversen der erste Raum für kontrollierten Drogenkonsum im Kanton Graubünden vorgestellt worden. Die Verantwortlichen und Behörden erwarten erste Ergebnisse in den nächsten drei Monaten.

Der Raum für den kontrollierten Drogenkonsum und die Anlaufstelle würden voraussichtlich ab dem 30. März in Betrieb sein, sagte der Churer Stadtrat Patrik Degiacomi (SP) am Vormittag an einer Medienkonferenz. Ziel sei, die Gesundheit der Drogenabhängigen zu stabilisieren und ihre Lebensqualität zu verbessern. Ausserdem soll dadurch die Sicherheit im öffentlichen Raum erhöht werden.

Die Stadt hat eine Firma aus Luzern beauftragt, die Funktionsweise der Drogenkonsumstelle auch langfristig zu evaluieren. Der erste Bericht soll im kommenden Frühjahr vorliegen.

Polizei will Präsenz verstärken

In den vergangenen Jahren hat sich in Chur eine der grössten offenen Drogenszenen der Schweiz gebildet. An schönen Tagen halten sich bis zu 50 Personen im Stadtpark auf, um Drogen zu konsumieren und zu dealen.

"Im Durchschnitt verzeichnen wir jedes Jahr fünf Konsumenten mehr im Stadtgarten", erklärte der Stadtpolizeikommandant Andrea Deflorin diese Woche bei einer Informationsveranstaltung. Auch die Zahl der in Parks und öffentlichen Toiletten gefundenen Spritzen ist gestiegen. Im Mai letzten Jahres wurde ein Höchststand von fast 400 Spritzen in einem Monat erreicht.

"Wir wollen unsere Präsenz im öffentlichen Raum verstärken", kündigte der Kommandant am Freitag an. Solange der Konsumraum geöffnet ist, werde es im Stadtgarten, wo sich derzeit die Drogenabhängigen aufhalten, nicht mehr möglich sein, Drogen zu konsumieren und zu dealen.

Platz für 25 Drogenkonsumenten

Der Konsumraum bietet Platz für insgesamt 25 Personen. Der Handel mit minimalen Mengen wird toleriert. Ein Raum ist etwa zum Inhalieren von Drogen reserviert, ein anderer Raum ist für Injektionen vorgesehen. Der Injektionsraum wird von einem medizinischen Assistenten betreut. Zugang zur Anlaufstelle haben nur volljährige Personen mit Wohnsitz in Graubünden.

Neben dem kontrollierten Konsum bietet das Zentrum auch eine Anlaufstelle für Drogenabhängige, die dort medizinische Versorgung, Essen und Getränke erhalten, ihre Kleidung waschen, sich selbst waschen und schlafen können.

Die Suche nach einem Standort

Vor zwei Jahren hat die Bevölkerung der Bündner Hauptstadt ein klares Signal gesendet: Ein Raum für den kontrollierten Drogenkonsum ist notwendig. Im Juni 2024 hatten 66 Prozent der Churer Stimmberechtigten dem Rahmenkredit von 3,88 Millionen Franken zugestimmt, obwohl sich die Kosten gegenüber den ursprünglichen Schätzungen etwa vervierfacht hatten. Die Stadt hatte die Entscheidung mit dem veränderten Drogenkonsum begründet.

Die Stadt hat das Projekt nicht alleine realisiert. Im vergangenen Sommer hat die Bündner Regierung einen Beitrag von 1,2 Millionen Franken für die Sanierung des Gebäudes bewilligt. Am Freitag versicherte Stadtrat Degiacomi, dass die Kosten eingehalten werden. Die Leitung der Beratungsstelle und der Räumlichkeiten wurde dem Verein "Überlebenshilfe Graubünden" übertragen.

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