Die digitale Ausgabe des Sarganserländers.
Chur: Weniger zweisprachige Klassen und keine Gratis-Parkplätze
Die Stadt Chur will 16 Millionen Franken sparen. Dafür möchte sie Gratis-Parkplätze und schulische Angebote streichen. Es ist bereits der zweite Anlauf, ein Sparpaket durchzubringen und das, obwohl die Stadt schwarze Zahlen schreibt.
Die Strategie sei es, langfristig handlungsfähig zu bleiben und die nötigen Investitionen tätigen zu können, sagte der Stadtpräsident Hans Martin Meuli (FDP) am Donnerstag in Chur.
Trotz positiver Rechnungsabschlüsse stieg die Verschuldung der Stadt in den letzten Jahren an - 2020 betrug der Selbstfinanzierungsgrad 72,1 Prozent, 2025 lag er bei 59,1 Prozent. Mit dem Sparpaket will die Stadt nun einerseits die Aufwände reduzieren (zwei Drittel) und die Einnahmen steigern (ein Drittel). 2035 soll so der Selbstfinanzierungsgrad wieder bei 96 Prozent liegen.
Zwei Möglichkeiten
Dabei schlägt der Stadtrat dem Parlament zwei Möglichkeiten vor. Ein Massnahmenpaket mit Priorität 1 und dazu eine Erhöhung der Liegenschaftssteuer von 0,5 auf 1 Promille. Oder eine Liegenschaftssteuererhöhung von 0,5 auf 0,8 Promille, dafür zusätzliche und schmerzhaftere Massnahmen mit Priorität 2. Beide Varianten würden gemäss der Exekutive gleich viele Einsparungen und Zusatzertrag bringen.
Die Massnahmen bei den Kindertagesstätten (Kitas) veranschaulichen die beiden Möglichkeiten: Bei der Priorität 1 würden die Beiträge an die Kitas lediglich der Teuerung angepasst, während bei der Priorität 2 ein Zuschlag um 15 Prozent obendrauf käme.
Reduzierung bei den zweisprachigen Klassen
In den Schulen ist eine Reduzierung der zweisprachigen Klassen vorgesehen. Neu soll es pro Jahrgang nur noch je eine Deutsch-Rätoromanische und Deutsch-Italienische Klasse geben. Bisher gab es pro Jahrgang zwei Deutsch-Italienisch Klassen und eine in Deutsch-Rätoromanisch.
Das Angebot bei Deutsch-Italienisch sei aber nicht primär zur Sprachentwicklung genutzt worden, gab der zuständige Stadtrat Patrik Degiacomi (SP) zu bedenken. Vielmehr hätten Eltern so problematische Klassen oder ungewünschte Lehrpersonen umgehen wollen. Das Sprachniveau sei in diesen Klassen bedenklich, lediglich einmal und nur in einer Klasse sei der Normwert in den letzten fünf Jahren erreicht worden.
Auf der Oberstufe soll das Angebot ganz eingespart werden. Nicht einmal die Hälfte aller betroffenen Schulkinder hätten das Angebot in der Oberstufe weitergenutzt, so Degiacomi.
Priorität 2 geht bei den Schulen noch weiter: Bei dieser Möglichkeit würde die Hausaufgabenstunde gestrichen, ausfallende Schulstunden nur noch während der Blockzeiten überbrückt und statt des Mittagstisches gäbe es Sport für die Kinder. Das Departement Bildung, Gesellschaft und Kultur würde im vorgeschlagenen Sparpaket rund 4,9 Millionen Franken beisteuern.
Keine Gratis-Parkplätze bei der Oberen Au
Deutlich mehr entfällt auf das Departement Finanzen, Wirtschaft und Sicherheit mit 8,9 Millionen Franken. Unter diesen Betrag fällt auch die Streichung der Gratis-Parkplätze bei den Sport- und Eventanlagen auf der Oberen Au. Bisher war dort die erste Stunde gratis. Besuchende der Infrastruktur erhielten gar das komplette Parkticket geschenkt - damit soll nun Schluss sein. 335'00 Franken würden so mehr in die Stadtkasse fliessen.
Auch das bei der Bevölkerung beliebte Freizeit-Abo "AU DABI" wird "moderat" teurer, kündigte Meuli an. Bisher konnten Churerinnen und Churer damit die Anlagen auf der Oberen Au und die Eisfelder der Stadt für 479 Franken pro Jahr nutzen.
Die mögliche Schliessung des Eisfelds Quader, welches im Winter auf der Quaderwiese im Stadtzentrum aufgebaut wird, rutschte anders als im ersten Sparpaket nun in die Priorität 2 - damit würde die Stadt 268'000 Franken einsparen.
Leistungsabbau im öffentlichen Raum
2,6 Millionen Franken sollen im Departement Bau, Planung und Umwelt eingespart werden. Davon betroffen ist unter anderem die Buslinie 11, die auf der Kasernenstrasse neu im 10, statt wie bisher im 7,5-Minutentakt verkehren soll. Weiter würden Grünflächen weniger oft gemäht und die Weihnachtsbeleuchtung etwas reduziert, kündigte der Departementsvorsteher Simon Gredig (Grüne) an.
Viel Geld soll ausserdem bei sogenannten Prozessoptimierungen eingespart werden. Beispielsweise bei der Schneeräumung. Hier will der Stadtrat die stadteigenen Fahrzeuge besser auslasten.
In die zweite Priorität fallen hier beispielsweise ein reduzierter Strassenunterhalt oder der Verzicht auf eine Schneeräumung auf den Friedhöfen. Das würde dann "richtig weh tun", so Gredig.
Weitere Optimierungen will der Stadtrat mit zusätzlichen Steuern und Gebührenerhöhungen, etwa bei den Baubewilligungen, erreichen. Ausserdem will er gerade im sozialen Bereich viele Kosten auf den Kanton abwälzen. Bei den Personalkosten hingegen ist die Exekutive zurückhaltend, hier soll es wenig Anpassungen geben.
Diskussion erfolgt im September
Die politische Diskussion zum Sparpaket folgt im September im Gemeinderat, dem Parlament. Zuletzt versenkte dieses 2024 ein vorgeschlagenes Sparpaket, noch bevor es überhaupt diskutiert wurde.
Damals gab es grossen Widerstand auch aus der Bevölkerung. Demonstrierende versammelten sich vor dem Churer Rathaus und hielten Transparente in die Höhe mit den Schriftzügen "Nicht nur was rentiert ist vernünftig" oder "Chur gegen den Kahlschlag".


















Kommentare (0)
Schreibe einen Kommentar