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Das Emmentaler Supertalent will den ganz grossen Wurf
Kaum ein Athlet schwingt so offensiv und vielseitig wie Michael Moser. Obwohl erst 21-jährig, gehört der Emmentaler beim Kilchberger Schwinget zu den meistgenannten Favoriten.
"Chum, zieh, no zäh", ruft Michael Moser. Fabian Stucki liegt mit dem Gesicht nach unten auf dem Boden, drückt Gewichte mit den Unterschenkeln nach oben. Auch Fabio Hiltbrunner feuert an, während Athletiktrainer Gian Adank korrigierend eingreift. Wenig später ist die letzte Übung einer schweisstreibenden Einheit zu Ende. Nach getaner Arbeit flachsen die vier herum. Ein Spruch hier, ein Necken da. Die Stimmung im Campus in Langnau ist gut. Bis zum Kilchberger Schwinget sind es zu diesem Zeitpunkt keine zwei Wochen mehr.
Hiltbrunner und Stucki gehören beide nicht zum Berner Aufgebot für den Saisonhöhepunkt. Hiltbrunner, der sensationelle Co-Sieger des Eidgenössischen Jubiläumsfestes 2024 in Appenzell, musste die Saison aufgrund von Rückenbeschwerden vorzeitig abbrechen, Stucki liess die komplette Saison nach dem am ESAF in Mollis erlittenen Kreuzbandriss aus.
"Angriff ist die beste Verteidigung"
Vorfreude verspüre er, sagt Moser, der nach drei Kranzfestsiegen in dieser Saison als einer der meistgenannten Favoriten in Kilchberg antreten wird. Ein anderer ist Fabian Staudenmann. Mosers Verbandskollege hat die letzten fünf Feste gewonnen, an denen er teilgenommen hat. Erst einmal in dieser Saison landete der Guggisberger auf dem Rücken: am Oberländischen Gauverbandsfest im Anschwingen - gegen Moser. "Jeder hat einen Rücken", sagt der damals siegreiche Emmentaler und zuckt mit den Schultern. Es sind keine Worthülsen.
Michael Moser ist bekannt für seinen offensiven Schwingstil. Abwarten ist nicht seine Stärke. "Angriff ist die beste Verteidigung", bedient er sich einer Floskel und begründet, weshalb sie auf ihn zutrifft. "Ich bin nicht gerade ein Verteidigungskünstler. Dafür fehlt mir die Masse."
Mit 191 Zentimetern und 105 Kilo gehört der gelernte Landwirt weder zu den grössten, geschweige denn zu den schwersten Schwingern. Ein Nachteil? "Ich sehe das mittlerweile sogar eher als Vorteil, weil ich schon in jungen Jahren die richtige Technik lernen musste." Während bei anderen die körperliche Überlegenheit beim Übergang zu den Aktiven wegfiel und sie ihre Taktik umstellen mussten, konnte er so weiterkämpfen, wie er es gelernt hat.
Drei Niederlagen in dieser Saison
Kurz, Lätz, Innerer Haken, Übersprung - und das alles rechts oder links herum: Die Vielseitigkeit ist die grosse Stärke von Moser, der für seine Gegner kaum auszurechnen ist. Dabei läuft im Optimalfall alles über Intuition. "Ich studiere im Sägemehl nie, ziehe zu, und dann kommt es drauf an, wie der Gegner steht. Je nachdem gehe ich dann links oder rechts rum", sagt Moser und fügt in breitem Berndeutsch an: "Es tuet eifach."
Wenn es mal nicht so "tuet", dann landet auch das Ausnahmetalent mal auf dem Rücken. In dieser Saison musste Moser drei Niederlagen hinnehmen. "Die haben alle geschmerzt. Aber aus Niederlagen lernt man, Schwingen ist eine Lebensschule." Früher habe er "grännet u töibelet", wenn er sich das Sägemehl vom Rücken wischen lassen musste. Heute schnauft er nochmals durch, analysiert die Fehler und hakt den Gang dann ab.
Auch am ESAF im vergangenen Jahr musste er dies tun. Im Anschwingen zog er gegen König Joel Wicki den Kürzeren. Im 4. Gang brachte er den späteren Schlussgangteilnehmer Samuel Giger an den Rand einer Niederlage. Im 7. Gang stellte er gegen den nachmaligen König Armon Orlik. Stolz sei er gewesen auf das Gezeigte und den 3. Schlussrang, sagt Moser. Als bester Nichteidgenosse sicherte er sich den begehrten Kranz.
In Mollis war Moser noch in der Rolle der Herausforderers. Er selber bezeichnet diese als "schön". "Ich durfte gewinnen, musste aber nicht." Nun gehört er in Kilchberg zu den absoluten Topfavoriten. "Ich kenne diese Rolle ja mittlerweile. Meine Devise bleibt die gleiche: hingehen und drauflosschwingen."
Ein logistischer Entscheid, der vieles vereinfacht
Im Campus in Langnau ist es ruhig geworden. Die Eishockeyaner der SCL Tigers haben ihre Einheit beendet. Auch Stucki und Hiltbrunner haben den Dienst quittiert. "Ich bin sehr zufrieden mit den Rahmenbedingungen hier", sagt Moser, der den Austausch mit anderen Sportlern schätzt. "Heute etwa hat es mich richtig gepusht, als die Eishockeyaner da waren. Du schaust in deren Gesichter und siehst, dass sie alles für den Erfolg tun. Das gibt einen gewissen Drive."
Der Campus neben dem Stadion der Tigers ist seit einem Jahr die zweite Heimat für Michael Moser, der hier wöchentlich an seiner Athletik arbeitet. Zuvor gehörte der Emmentaler der Trainingsgruppe von Matthias Glarner an. Der "Blick" schrieb nach der Trennung von einem "Sägemehl-Knall". Moser schüttelt den Kopf. "Top-top-top" sei das Training mit dem Schwingerkönig von 2016 gewesen. "Aber ich habe gemerkt, dass es mir nicht extrem wohl war, von der Fahrt her, dem ganzen Drumherum." Es sei ein logistischer Entscheid gewesen.
Statt langen Reisen nach Bern und vor allem Interlaken hat er nun kurze Wege, in Hiltbrunner und Stucki zwei Freunde aus Jugendjahren als Trainingspartner und mit Gian Adank einen Athletiktrainer, der nach wie vor eng mit Glarner zusammenarbeitet. Der ehemalige Skirennfahrer gehörte zum Trainerteam des Meiringers, als Moser die Spitzensport-RS in Magglingen absolvierte.
Vorsorgen für die Hofübernahme
Zeit ist ein kostbares Gut, auch im Leben von Michael Moser. Als gelernter Landwirt arbeitet er rund 40 Prozent auf dem elterlichen Betrieb in Biglen. "Mir tut die Abwechslung gut", sagt Moser, für den das Profitum deshalb auch nicht infrage kommt. "Für mich wäre das - Stand jetzt - nichts. Aber ich verstehe jeden, der voll und ganz auf den Sport setzt." Um den Hof dereinst übernehmen zu können, absolviert Moser nebenbei die Betriebsleiterschule. Da sich diese auf die Wintermonate beschränkt, tangiert sie den Sport nicht.
Ein Blick auf die Uhr. Es ist kurz vor 12. Zeit, um daheim vorbeizuschauen, die Mutter hat gekocht. "Als ich beim Übergang zu den Aktiven mal zum Ernährungsberater ging, hatte sie schon Angst, dass sie die Küche umstellen müsse", sagt Moser, schmunzelt und fügt an: "Aber es hiess, die Berner Bauernküche sei optimal. Ausgewogen, viel Fleisch..."
Mit einem Hunger der etwas anderen Sorte wird Moser am Samstag ans Westufer des Zürichsees reisen.

















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