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Das monumentale Eigentor der ATP
Der Ärger in Montreal ist gross. Ein einziger Top-5-Spieler, Alexander Zverev, stand beim Masters-1000-Turnier, das für die Stars obligatorisch wäre, am Start. Die ATP muss über die Bücher gehen.
Die Turnierdirektorin nahm kein Blatt vor den Mund, nachdem auch noch Jannik Sinner und Novak Djokovic für ihr Prestige-Event abgesagt hatten. Valérie Tétreault forderte Konsequenzen finanzieller Art. Die Besten des ATP-Rankings erhalten Ende Jahr einen Bonus, wenn sie gewisse Kriterien erfüllen. Dazu gehört die Teilnahme an allen neun Masters-1000-Turnieren des Jahres. Viele Boni wird es dieses Jahr nicht geben.
Tatsächlich präsentierte sich das Feld in Montreal eines Turniers der höchsten Kategorie der ATP (die Grand Slams werden nicht von der ATP ausgerichtet) unwürdig. Von den Top 5 schlug in Kanada einzig Alexander Zverev auf. Carlos Alcaraz hat wegen seiner hartnäckigen Handgelenksverletzung seit April nicht mehr gespielt, der Lokalmatador Félix Auger-Aliassime musste kurz vor seinem ersten Einsatz wegen Rückenproblemen das Handtuch werfen.
Bemerkenswert: Die ersten fünf Masters-1000-Turniere des Jahres hatte Sinner allesamt gewonnen, er hätte etwas noch nie Dagewesenes schaffen können. Doch dies war nicht Anreiz genug.
"50'000 Dollar spielen für Djokovic keine Rolle"
Dass die Absagenflut über Bussen oder zurückgehaltene Boni eingedämmt werden könnte, glaubt Alexander Zverev nicht. "Denken Sie, Novak (Djokovic) macht sich Gedanken über einen Bonus", fragte der French-Open-Sieger vor dem Turnier rhetorisch in die Runde. "Ich schätze mal, er hat etwa 400 Millionen Dollar auf seinem Bankkonto. Da bin ich nicht sicher, ob 50'000 mehr oder weniger eine Rolle spielen."
Wie viele andere streicht Zverev die Expansion von sieben der neun Masters-1000-Turniere von einer auf zwei Wochen heraus. "Ich denke, diese Absagen hängen damit zusammen." Der Deutsche verriet weiter, dass auch er sich "ernsthafte Gedanken" gemacht habe, Montreal auszulassen. Er verlor dann in seinem ersten Spiel.
So erreichten neben dem Weltranglisten-Zehnten Ben Shelton die Nummern 15, 17, 19, 22, 24, 31 und 63 die Viertelfinals. Natürlich nicht das, was die Organisatoren und Fans von einem Turnier erwarten, bei dem die Besten der Welt aufschlagen sollten. Doch die ATP muss sich an der eigenen Nase nehmen. Mit der Expansion dieser Turniere auf zwei Wochen, wie es zuvor nur in Indian Wells und Miami der Fall war, wollten sie deren Bedeutung stärken, schossen aber ein Eigengoal.
"Es ist einfach zu viel"
Die Topspieler fordern seit Langem eine Reduktion des Kalenders, dass sie nun gegen diese Ausdehnung sozusagen durch ihr Nichterscheinen rebellieren, kann kaum überraschen. Das Canadian Open, das für Männer und Frauen alternierend in Montreal und Toronto stattfindet, ist im Kalender besonders ungünstig positioniert. Nur drei Wochen lagen zwischen dem Wimbledon-Final und dem Start in Kanada. Der Final findet am kommenden Donnerstag statt, am gleichen Tag beginnt bereits das Masters-1000-Turnier in Cincinnati mit der 1. Runde. Und sieben Tag nach dem Final in Cincinnati geht schon das US Open los, das seit in paar Jahren bereits am Sonntag startet.
Kein Wunder sagt Alexander Zverev: "Es ist für viele einfach zu viel, zu intensiv so kurz vor dem US Open." Und die Weltnummer 2 weist noch auf einen anderen Punkt hin: "Früher spielte ich ab und zu auch 250er- oder 500er-Turniere. Das mache ich nicht mehr, weil ich sonst einfach zu viel unterwegs, weg von zuhause, bin." Die ATP muss also bezüglich Spielkalender dringend über die Bücher.
Für Cincinnati sieht es nämlich nicht viel besser aus. Alcaraz fehlt weiter, auch der Weltranglistenerste Sinner will nach seinem Sieg in Wimbledon mit einer Knieblessur kein Risiko eingehen. Einzig Novak Djokovic plant im US-Staat Ohio, wo Roger Federer mit sieben Titeln der Rekordhalter ist, ein Comeback.

















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