Die digitale Ausgabe des Sarganserländers.
Martin Mullis – der Allrounder aus der schönsten Region der Schweiz
Es gab Zeiten, da war der FC Basel noch ein sehr erfolgreicher Klub. Damals als der Ragazer Martin Mullis Anfang der Achtzigerjahre via St. Gallen nach Basel wechselte. Ein Blick zurück auf eine bewegte Karriere.
Zarte 22 Jahre alt war Martin Mullis, als er 1979 erstmals mit der Realität des Schweizer Spitzenfussballs in Kontakt kam. Er trug damals die Farben des FC St. Gallen. Mit den Espen, die damals von Willy Sommer betreut wurden, erlebte er schöne Zeiten, im Team mit Markus Schüepp (dem bebrillten Goalkeeper), Kurt Brander, Herbert Stöckl, Christian Labhart und Luigi Stomeo. Ab und zu musste Mullis aber als junger Spieler auch hartes Brot essen, denn Sommer pflegte oft die Routiniers einzusetzen und die Jungen draussen zu lassen.
Als dann der FC Basel anklopfte, war für Mullis alles klar. Er packte die Chance und wechselte zum frischgebackenen Schweizer Meister. «Ich war ein normales Talent, ein Mittelfeldspieler mit einem guten Schuss», erzählt der heute 66-Jährige, «ich erzielte immer meine fünf bis sieben Tore pro Saison und habe defensiv viel gearbeitet.» Die Zeit beim FCB war auch die einzige in seiner Karriere, in welcher Mullis Vollprofi war.
Sonnyboy aus Bad Ragaz
In Basel traf der Mann mit dem charmanten Dialekt – einer Mischung aus St. Galler Oberland und Bündnerland – auf bekannte Leute: Arthur von Wartburg, Markus Tanner, Peter Marti, Detlev Lauscher, Otti Demarmels und Erni Maissen hiessen die etablierten Offensivkräfte. So agierte Mullis bei seinen Einsätzen je nach Situation offensiv oder als «Polizist» – so legte er etwa den gefährlichen Jure Jerkovic vom FCZ an die Kette.
In Basel fühlte sich Mullis wohl. «An der Basler Fasnacht habe ich eine Fasnachtsclique kennengelernt und durfte bei ihnen mitlaufen. Es war ein grossartiges Erlebnis.» Bei den weiblichen Fans stand der Sunnyboy aus dem Sarganserland hoch im Kurs. Er erhielt immer wieder FCB-Puppen und auch Liebesbriefe. «Die Puppen habe ich nicht mehr, aber die Briefe sind noch irgendwo vorhanden», erzählt er schmunzelnd.
Sieg im Alpencup
Im Sommer 1981 beteiligte sich der FC Basel am Alpencup-Wettbewerb, den er zuvor bereits zweimal gewonnen hatte. Mullis war dabei, als die Rotblauen gegen Topteams aus Frankreich antreten mussten. Gegen Bordeaux hiessen die Gegner Marius Trésor, Jean Tigana und Bernard Lacombe (alles französishe Nationalspieler und WM-Teilnehmer), gegen Bastia waren es Roger Milla (der spätere WM-Held Kameruns), Claude Papi, Charles Orlanducci und der Aargauer Raimonde Ponte.
Nach der 0:3-Startniederlage gegen Bordeaux in Pruntrut legte der FCB dann eine tolle Siegesserie hin. Zuerst gewannen die Rotblauen gegen Bastia in Delémont mit 4:1 (Mullis gelang dabei ein Treffer), dann 1:0 in Bordeaux und 4:0 auf der Ferieninsel Korsika gegen Bastia.
Von Tigana angespuckt
An den Match gegen Bordeaux kann sich der kräftige Mittelfeldspieler Mullis noch gut erinnern: «Ich musste Tigana bewachen. Mir gelang das sehr gut, denn er sah kaum einen Ball. Er geriet in Rage und hat mich angespuckt – daraufhin hat es zwischen uns mächtig gekracht. Sie mussten ihn vorzeitig vom Feld nehmen.» Der von Schiedsrichter Karl-Heinz Tritschler geleitete Final im alten Joggeli gegen den FC Sochaux-Montbéliard (mit Bernard Genghini, Yannick Stopyra, Patrick Revelli und Jacques Zimako) entpuppte sich dann als äusserst spektakuläre Geschichte. Vor 6000 Zuschauern buchte zuerst Serge Gaisser in der ersten Minute zum 1:0. In der 31. Minute hatte Martin Mullis seinen grossen Auftritt. Mittels Direktabnahme aus spitzem Winkel erzielte er das Führungstor zum 2:1 für die Bebbi.
Da die Gäste aus der Peugeot-Stadt noch ausglichen, gab es eine Verlängerung und ein Elfmeterschiessen. In der Penaltylotterie schwangen die Basler dann obenaus. Mullis selber musste nicht vom Elfmeterpunkt antreten, wohl auch deshalb, weil er zuvor im Uhrencup-Final gegen Grenchen einen Strafstoss verschossen hatte.
Cupfinal auf Ersatzbank erlebt
1982 qualifizierte sich der FCB für den Schweizer Cupfinal. Im Final gegen den FC Sion musste Mullis allerdings auf der Ersatzbank schmoren, gemeinsam mit Harald Nickel, René Hasler und Stefano Ceccaroni, dem älteren Bruder der Basler Legende Massimo Ceccaroni. So musste er von der Linie aus machtlos zusehen, wie die Basler diesen Cupfinal verloren.
Nach seiner FCB-Zeit wechselte Mullis dann noch zu Baden und Wettingen und feierte mit Baden den Aufstieg in die Nationalliga A. 1988 bestritt der Ragazer im Alter von 31 Jahren im Dress von Wettingen seinen letzten Match in der Nationalliga A. Leider hatte er in der Folge immer wieder mit Knieproblemen zu kämpfen. Schliesslich, nach 20 Jahren Leidenszeit, wurden für ihn zwei Operationen unausweichlich. Heute verfügt Mullis über zwei künstliche Kniegelenke und lebt deutlich besser damit als vorher.
Apropos Wettingen: Im Jahr nach seinem Rücktritt traten die Aargauer im Europacup gegen den SSC Napoli an, damals der italienische Meister, angeführt von Superstar Diego Maradona. Nach einem 0:0 beim Heimspiel in Zürich schied Wettingen nach dem 1:2 in Neapel aus. «Diese Spiele verpasst zu haben, ist das einzige, was ich bedaure in meiner Karriere», sagt Mullis heute, «Maradona wäre mein direkter Gegenspieler gewesen. Doch die Knieschmerzen waren zu gross, ich musste die Karriere vorher beenden.»
Nach seiner Aktivzeit war das Ehrenmitglied des FC Bad Ragaz erst als Trainer bei Wohlen und Schöftland und nach seiner Rückkehr auch lange im Regionalfussball bei diversen Klubs tätig (siehe Box).
Kurze Rückkehr ans Rheinknie
Unterdessen ist er pensioniert und stolzer Grossvater: Tochter Tamara hat drei Buben, Tochter Jessica ein Mädchen und zwei Buben. Eigens für den grossen Cupmatch des FC Basel gegen die Young Boys reiste er mit einem Kollegen vor einigen Wochen nach Basel. Er nutzte die Zeit für einen Rundgang durch die schöne Altstadt mit dem Rathaus, dem Barfüsserplatz und dem Tinguelybrunnen. Mit seinen beiden Hauptclubs, dem FC Basel und dem FC St. Gallen, ist er nach wie vor emotional eng verbunden. Seine Verbundenheit zeigte er auch durch sein langjähriges Mitwirken bei den heute von Walter Geisser dirigierten FCB-Veteranen.
*Lukas Müller ist freier Autor aus Basel, der vorliegende Text erschien in einer ersten Version auf der Website des FC Basel.
Zur Person
Name: Martin Mullis
Geburtsdatum: 31. August 1957
Beruf: Pensionär
Position: Mittelfeldspieler
Vereine als Aktiver (NLA): 1979/80 FC St. Gallen, 1980/81 bis 1981/82 FC Basel, 1984/85 FC Baden (NLB), 1985-1988 FC Wettingen
Vereine als Trainer: FC Wohlen, SC Schöftland, FC Bad Ragaz, FC Landquart, FC Mels, FC Sargans, FC Flums, FC Glarus und FC Triesen (1. bis 3. Liga). (sl)


















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