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Keystone-SDA | Mittwoch, 07. Oktober 2026

Der umstrittene Schleifer an der Bande der Edmonton Oilers

Trainer Mike Babcock kennt jeder in der NHL. Viele wollen ihn dort nicht mehr sehen. Die Edmonton Oilers mit den Superstars McDavid und Draisaitl geben ihm trotzdem eine Chance. Das Risiko ist gross.

Mit dem Start der NHL-Saison begann bei den Edmonton Oilers eines der umstrittensten Eishockey-Experimente der jüngeren Vergangenheit. Hier das Team mit den Offensivstars Leon Draisaitl und Connor McDavid, das noch immer auf den ersten Stanley-Cup-Sieg dieser Generation wartet und in den vergangenen drei Jahren zweimal im Final scheiterte. Dort der neue Trainer, der, um es vorsichtig zu formulieren, in der National Hockey League einen zweifelhaften Ruf und seit 2019 kein Spiel mehr verantwortet hat: Mike Babcock.

Nach der Trennung von Kris Knoblauch soll Babcock der Trainer sein, der Draisaitl, McDavid und die Oilers zum ersehnten Titel führt. Der die seit 1990 anhaltende Durststrecke ohne Stanley Cup beendet. Der aber zugleich auch beweisen muss, dass er kein unmenschlicher Schleifer ist, der mit aus der Zeit gefallenen Methoden im Team für Angst und Schrecken sorgt, sondern dass seine Ansätze auch ins Jahr 2026 passen.

"Bekannt für seine Direktheit und seine Härte"

"Jeder kennt den Babcock. Der ist bekannt für seine Direktheit und seine Härte", sagte der ehemalige deutsche Bundestrainer Marco Sturm zuletzt über seinen Kollegen. Sturm geht in seine zweite Saison als Chefcoach der Boston Bruins und urteilt über die Situation in Edmonton: "Wie ich es mitbekommen habe, wollten speziell die Erfahrenen und die Stars der Oilers einen wie Babcock. Daher ist der Druck zu gewinnen dort jetzt besonders da. Es gibt keine Ausrede."

Mike Babcock ist nicht irgendein Coach. Der 63-jährige Kanadier hat als einziger Cheftrainer mit seinen Teams Olympia-Gold (2010, 2014), WM-Gold (2004) und den Stanley Cup (2008 mit Detroit) gewonnen. 2023 verabschiedete er sich aber auch nach nur zwei Monaten schon wieder von den Columbus Blue Jackets, bevor die Saison überhaupt begonnen hatte. Der Grund: Babcock wollte private Fotos seiner Spieler haben. Wohl, um eine persönliche Verbindung aufzubauen. Wahrgenommen aber wurde es als Überschreiten einer Grenze ins Privatleben der Profis, die zu seinem Aus führte.

Grünes Licht nach Untersuchung

Ebenfalls überliefert ist, dass Babcock zu seiner Zeit als Trainer der Toronto Maple Leafs einen Profi dazu aufforderte, ihm eine Liste zu geben, in der er seine Mitspieler nach Arbeitsmoral sortierte. Babcock teilte diese Liste mit der Mannschaft. Ehemalige Spieler Babcocks sagten, er habe ihnen die Lust am Eishockey genommen und bezeichneten ihn als Mobber.

Die Spielergewerkschaft NHLPA beantragte bei der Liga eine Untersuchung von Babcocks Vergangenheit, als klar wurde, dass sich die Oilers mit ihm als Kandidaten beschäftigen. Von der Liga gab es grünes Licht - und, wohl noch wichtiger: auch von den Stars um Draisaitl und McDavid. Die Führungsspieler der Oilers haben Babcock selbst interviewt und sind seit seiner Verpflichtung grosse Unterstützer des Coaches.

"Verdienen es manchmal, angebrüllt zu werden"

"Ich denke, er hat einen sehr klaren Plan und ich denke, dass er Leute zur Verantwortung ziehen wird und es für ihn keinen Unterschied macht, wer es ist, den er zur Verantwortung zieht", sagte Draisaitl. "Wir wollen gecoacht werden, wir wollen besser werden. Und wir verdienen es manchmal auch, dass wir angebrüllt werden, so wie jeder andere. Ich denke, Babs schert sich nicht sonderlich darum, wer wir sind, in diesem Bezug. Und das braucht es manchmal."

Die Fallhöhe für die Oilers ist hoch, auch für Draisaitl und McDavid persönlich. Der Druck für den Titelgewinn, die Vergangenheit Babcocks, das frühe Festlegen darauf, ihn trotzdem sofort öffentlich zu unterstützen: Ein Scheitern wäre auch untrennbar mit den beiden Stars verbunden.

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