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"Die letzte Saison war für alle eine wichtige Demut-Dusche"
Trotz der Rückkehr von Erfolgstrainer Gerardo Seoane erlebten die Young Boys eine Saison zum Vergessen. Der 47-Jährige erklärt, welche Lehren der Klub daraus zieht.
Die erste Amtszeit von Gerardo Seoane bei den Young Boys verlief äusserst erfolgreich: Er gewann mit den Bernern in allen drei Saisons den Meistertitel und im zweiten Jahr gar das Double. Umso grösser waren die Erwartungen bei seiner Rückkehr Ende Oktober des vergangenen Jahres nach gut vier Jahren in der Bundesliga bei Bayer Leverkusen und Borussia Mönchengladbach. Zu diesem Zeitpunkt belegte YB in der Super League den 5. Rang - mit sieben Punkten Rückstand auf Leader Thun und drei auf den ersten Verfolger St. Gallen.
Fehlende Konstanz nach verheissungsvollem Start
Es schien also noch alles möglich, und Seoanes Start in der Meisterschaft war durchaus verheissungsvoll. Nach einem 0:0 gegen Basel feierten die Berner in St. Gallen (4:1) und zu Hause gegen Winterthur (5:0) zwei Kantersiege. Doch die erhoffte Wende gelang nicht. Im Gegenteil: Am Ende schaute lediglich der 6. Platz heraus - die schlechteste Klassierung des Vereins seit dem 7. Rang 2012/13 und nach zwölf Top-3-Platzierungen in Folge. Somit ist YB erstmals seit 13 Jahren in keinem Europacup dabei.
"Wir machten zwei Schritte vorwärts, dann wieder einen rückwärts, dann einen vorwärts und zwei rückwärts", sagt Seoane im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Ein Problem waren die zu vielen Gegentore (69) respektive die fehlende defensive Stabilität. "Das war ein wichtiger Teil der Analyse, in welchen Bereichen wir uns verbessern müssen", so der 47-Jährige. Es gelte, egal gegen welchen Gegner und in welcher Spielsituation, den hundertprozentigen Fokus zu haben und sich nicht zu schade zu sein, mit allen Mitteln zu verteidigen. "Im Sport läuft nichts von allein, diese Einstellung müssen wir an den Tag legen. Die letzte Saison war für alle eine wichtige Demut-Dusche."
Fehlende Resilienz
Die Verantwortlichen reagierten insofern, als sie mit Rückkehrer Cédric Zesiger und Isaac Schmidt zwei Verteidiger verpflichteten, die zuletzt im Ausland spielten und auch schon Erfahrungen in der Schweizer Nationalmannschaft gesammelt haben. Mit den beiden soll auch das Führungsteam gestärkt werden. Denn eine weitere Haupterkenntnis aus der enttäuschenden Spielzeit war die fehlende Resilienz, also die Fähigkeit, mit Widerständen umzugehen.
"Dieser Kritik müssen wir uns stellen", erklärt Seoane. Es gehe darum, was sie machen könnten, um als Mannschaft besser zu funktionieren und ein geschlosseneres Miteinander hinzubekommen. Dies soll über das Training, über Team-Events, über Gespräche sowie mit Zu- und Abgängen erreicht werden. Manchmal müsse man die Hierarchie im Team verändern.
Weitere Abgänge möglich
Hat er noch Wünsche bezüglich weiterer Verstärkungen? "Das ist davon abhängig, ob es noch einen gewichtigen Abgang gibt. Wir haben zwei, drei Spieler, die aufgrund ihres Potenzials für ausländische Teams interessant sind. Dann müssten wir allenfalls nochmals reagieren." In erster Linie gehe es aber darum, für jene Spieler Lösungen zu finden, bei denen es absehbar sei, dass sie wenig oder gar nicht zum Einsatz kämen. "Es ist wichtig, fair mit diesen Spielern zu sein."
Denn dass YB in der kommenden Saison nicht europäisch spielt, darin sieht Seoane auch Vorteile. "In der Theorie ist das eine bessere Ausgangslage für die Meisterschaft." Wenn weniger rotiert werden müsse, "bist du irgendwann gefestigter in den Abläufen. Auf der anderen Seite ist der Europacup nicht nur finanziell extrem wichtig, sondern auch für die Entwicklung der Spieler."
So oder so möchten die Berner zur alten Stärke zurückfinden. Was macht Seoane am meisten optimistisch, dass dies gelingt? "Die letzte Saison hat bei uns Spuren hinterlassen, das ist klar. Ich hoffe, dass nun alle extrem motiviert und willig sind, YB wieder dort zu platzieren, wo wir das Gefühl haben, dass wir hingehören: indem wir als Mannschaft funktionieren. Denn wir haben Spieler mit grossem Potenzial." Dass Seoane Teams zum Erfolg führen kann, hat er bereits bewiesen.

















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