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Die nicht enden wollende Debatte um Cristiano Ronaldo
Portugals Trainer Roberto Martinez betont Cristiano Ronaldos Bedeutung, andere Stimmen sehen ihn als Bremse einer hoch veranlagten Generation. Wie beeinflusst der Rekordtorschütze das Nationalteam?
Es gibt kritischen Stimmen, nach denen die Frage nach der Zeit danach längst beantwortet ist. Die Zeit nach Cristiano Ronaldo ist damit gemeint. Und diese Stimmen verweisen auf zwei Ergebnisse: 9:0 und 9:1. Es sind die zwei höchsten Siege in Portugals Länderspiel-Geschichte. Aufgestellt im September 2023 und im November 2025 - jeweils ohne Cristiano Ronaldo.
Zugegeben, die Gegner Luxemburg und Armenien waren alles andere als das oberste Level weltweiter Fussball-Kunst. Die Spiele beweisen wenig, füttern aber die Debatte, was diese hoch veranlagte portugiesische Mannschaft ohne ihren mittlerweile 41 Jahre alten Weltstar leisten könnte.
Ronaldo wird keineswegs durchgeschleppt, doch die Frage, ob sich Spieler wie Bruno Fernandes, Vitinha oder Rafael Leão in der Nationalmannschaft frei zu ihrer Bestform entfalten können, ist schwer zu beantworten.
Luis Figo versteht Kritik nicht
Unbestreitbar ist, dass die Spieler um Ronaldo in ihren Klubs ganz andere, tragendere Rollen spielen als in Anwesenheit von "CR7". Torwart Diogo Costa ist Captain des FC Porto, Fernandes trägt die Armbinde bei Manchester United. Vitinha gewann die Champions League zweimal mit Paris, Ruben Dias einmal mit Manchester City. Bei der Nationalmannschaft gehören sie in der Wahrnehmung nur zu den zehn anderen Spielern neben Ronaldo.
"Es ist offensichtlich, dass einige Spieler Cristiano Ronaldo nicht im Team haben wollen. Vielleicht denken sie, dass er sie bremst", sagte Portugals Ikone Luis Figo. Ronaldo habe Portugal über Jahre auf Schultern getragen und verdiene Respekt. "Als Cristiano zum ersten Mal in die Nationalmannschaft berufen wurde, respektierte er alle älteren Spieler. Bei den jetzigen Jungs ist das anders. Aber was haben die erreicht? Nichts."
Laut Figo ist sein ehemaliger Mitspieler der einzige Grund, warum Portugal bei dieser WM den Titel holen könnte. Die These, dass die aktuelle Generation gerade wegen Ronaldo noch nichts gewonnen hat, stellt er nicht auf.
Ronaldo raus, Ramos trifft
Die Qualifikation für die Achtelfinals am Montag (21.00 Uhr) gegen Europameister Spanien gelang durch ein 2:1 gegen Kroatien. Wobei das entscheidende Tor erst fiel, als Ronaldo, der zuvor den Ausgleich per Penalty erzielt hatte, bereits ausgewechselt war.
Das Tor schoss ausgerechnet Gonçalo Ramos. Jener Ramos hatte Portugal schon einmal recht euphorisch in eine Post-Ronaldo-Ära blicken lassen. Als der Superstar bei der WM 2022 schwächelte, liess ihn der damalige Trainer Fernando Santos im Achtelfinal gegen die Schweiz lange auf der Bank schmoren. Portugal gewann 6:1, Ramos traf dreimal. Es war eine befreite, eine entfesselte Darbietung.
25 Tore in 31 Spielen
Santos' Nachfolger Roberto Martinez setzt auf Ronaldo und bemühte in mehreren Interviews vor der WM immer wieder dieselbe Statistik. 25 Tore in 31 Spielen. Das war Ronaldos Bilanz unter Martinez' Leitung bis zum Turnier in Nordamerika. "Wir reden hier vom grössten Spieler der Geschichte", empörte sich Martinez. "Er ist hier, weil er immer noch auf dem höchsten Level abliefert und nicht, weil er in der Vergangenheit viel erreicht hat."
Dennoch machten nach dem schwachen 1:1 gegen die DR Kongo im ersten WM-Spiel Gerüchte die Runde, in der Mannschaft stimme die Harmonie nicht - wegen Ronaldo. "Wir haben in der Kabine eine exzellente emotionale Balance. Jeder ist sich seiner Verantwortung bewusst und hat sich hohen Standards verschrieben", sagte Martinez. Worte, die eine gewisse Interpretation zulassen.
Keiner wie Eusebio
Während des Turniers traf Ronaldo erstmals in der K.-o.-Phase einer WM und stellte mit seinen nun elf Treffern einen portugiesischen Rekord auf. Damit überholte er Eusebio, der 1966 mit Portugal WM-Dritter geworden war.
Einen Vergleich der beiden Idole verbittet sich Antonio Simões, der damals zur Mannschaft gehörte. "Er spielt nicht, um zu gewinnen. Er spielt, um der Hauptdarsteller zu sein", sagte der 82-Jährige über Ronaldo. "Verstehen Sie, dass das das Gegenteil von Eusebio ist? Ich habe nichts gegen ihn, aber man sollte die Dinge beim Namen nennen."

















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