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Keystone-SDA | Mittwoch, 08. Juli 2026

Die Schweiz und Argentinien verbindet einiges

Die Schweiz und Argentinien sind am Sonntag (12. Juli) Gegner im Viertelfinal der Fussball-WM und liegen Tausende von Kilometern voneinander entfernt. Doch in vielen Bereichen bestehen Verbindungen zwischen den beiden Ländern.

AUSWANDERUNG: Zahlreiche Schweizer wanderten schon seit Mitte des 17. Jahrhundert nach Argentinien aus. 1856 setzte mit der Gründung der Ortschaft Esperanza ("Hoffnung") in der Provinz Santa Fe eine eigentliche Siedlungskolonisation von Schweizerinnen und Schweizern in Argentinien ein, wie das Historische Lexikon der Schweiz (HLS) berichtet. Vor allem verarmte Bauern aus den Bergtälern des Wallis wanderten damals aus. Noch heute kann im landschaftlich reizvollen Gebiet um San Carlos de Bariloche in den Anden eine "Colonia Suiza" besichtigt werden - mit Wohnhäusern von Familien mit Namen wie Mermoud und Goye aus dem Unterwallis. Laut dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) beherbergte Argentinien Ende 2023 mit rund 15'000 Schweizerinnen und Schweizer die grösste Schweizer Gemeinschaft in Lateinamerika. In der Schweiz lebten laut Angaben des Staatssekretariats für Migration SEM Ende Mai dieses Jahres rund 2000 Argentinierinnen und Argentinier.

WIRTSCHAFT: Argentinien ist laut EDA für die Schweiz der viertwichtigste Handelspartner und die drittwichtigste Exportdestination in Lateinamerika. 2023 importierte die Schweiz Waren im Wert von 1,1 Milliarden Franken, vor allem Edelmetalle und landwirtschaftliche Produkte. Die Schweizer Exporte nach Argentinien beliefen sich auf 684 Millionen Franken und betrafen hauptsächlich pharmazeutische und chemische Produkte, Maschinen, Präzisionsinstrumente und Uhren. Schweizer Unternehmen beschäftigten im Land 11'201 Personen. 2019 schlossen die Efta-Länder, zu denen die Schweiz gehört, ein Abkommen mit den Mercosur-Staaten ab, zu denen Argentinien gehört. Der Nationalrat sprach sich kürzlich gegen dieses Abkommen aus. Nun geht es in den Ständerat.

POLITIK: Laut dem HLS stellt die Schweizer Bundesverfassung von 1848 mit ihrem föderalistischen Grundgedanken das Vorbild der ersten argentinischen Verfassung von 1853 dar. 1947 schickte der damalige argentinische Staatspräsident Juan Perón seine Frau Eva Perón für eine Werbetour zugunsten seiner Politik nach Europa. Die vielbeachtete Reise führte "Evita" Perón ausser nach Spanien, Italien und Frankreich auch in die Schweiz. Ende der 1980-er Jahre kandidierte Eduardo Angeloz, Gouverneur der argentinischen Provinz Córdoba mit Vorfahren aus dem Kanton Freiburg, erfolglos für die argentinische Präsidentschaft. Der frühere grüne Genfer Nationalrat und Staatsrat Antonio Hodgers kam zusammen mit seiner Mutter und seiner Schwester aus Argentinien in die Schweiz, nachdem sein Vater durch die argentinische Militärdiktatur sein Leben verloren hatte.

KULTUR: Einer der bekanntesten Schriftsteller spanischer Sprache, der Argentinier Jorge Luis Borges, lebte jahrelang in Genf. Der für seine phantastischen Erzählungen berühmte Autor ist auch in der Calvinstadt begraben. Die bekannte argentinische Cellistin Sol Gabetta lebt seit Jahren in der Schweiz. In Argentinien sehr bekannt ist die aus einer Tessiner Einwandererfamilie stammende Schriftstellerin Alfonsina Storni.

WISSENSCHAFT: Der bekannteste Schweizer Forscher in Argentinien war laut HLS der Naturwissenschaftler Santiago Roth, 1908-1924 Direktor des Geologisch-Topographischen Instituts in Buenos Aires. 1928-1934 leitete der Lausanner Völkerkundler Alfred Métraux das Ethnologische Seminar der Universität Tucumán. In der Nachkriegszeit erregte der argentinisch-schweizerische Kulturanthropologe Juan Schobinger mit seinen Studien über vorkoloniale Gesellschaften Lateinamerikas Aufsehen.

FUSSBALL: Immer wieder spielten argentinische Fussballer in Schweizer Vereinen. Besonders der FC Basel engagierte wiederholt "Gauchos", so Julio Hernán Rossi, Christian Giménez, Franco Costanzo, David Abraham, Matías Delgado und Walter Samuel. Weitere argentinische Spieler in der Schweiz waren oder sind etwa Gonzalo Zárate, Ignacio Aliseda und Milton Valenzuela. Es gab auch Argentinier, welche sich einbürgern liessen, so Néstor Subiat. Nach seiner Einbürgerung 1993 spielte er 15-mal für die Schweizer Nationalmannschaft. Und der argentinisch-schweizerische Doppelbürger Néstor Clausen mit Bürgerort Ernen VS spielte nicht nur für den FC Sitten, sondern trainierte auch diesen Club sowie Neuenburg Xamax. 1986 gehörte er zum argentinischen Weltmeisterteam.

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