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Keystone-SDA | Mittwoch, 30. September 2026

Die Schweizer Standortbestimmung vor dem WM-Winter

In einem Monat beginnt die Skisaison 2026/27 mit der Heim-WM in Crans-Montana als Saison-Highlight. Wo stehen die Schweizer Topcracks? Wie geht es den Rekonvaleszenten? Eine Auswahl.

Die Topcracks

Marco Odermatt: Nichts Gravierendes

Ein Schreck, dann die baldige Entwarnung: Eine Muskelverletzung am Oberschenkel nach einem Missgeschick im Fitnesstraining stellte sich nicht als gravierend heraus, mehr als ein paar Trainingstage fehlen dem Gesamtweltcupsieger der letzten fünf Saisons einen Monat vor dem Saisonauftakt in Sölden nicht. "Es geht mir sehr gut. Es war etwas Kleines, einfach zu einem etwas ungünstigen Zeitpunkt", so Odermatt.

Den knapp verpassten Disziplinensieg im Riesenslalom der Vorsaison hakte er gelassen ab, an den Mediengesprächen in Dübendorf kündigte er am Mittwoch jedoch an, sich nach dieser Saison Gedanken über eine Reduktion seines Mammut-Pensums zu machen. Von den FIS-Plänen für eine alljährliche WM hält der beste Skifahrer der Gegenwart wenig. Stattdessen plädiert er für innovative Show-Events in Übersee.

Franjo von Allmen: Konstanz ist das Gebot

Seine Trainingszeiten waren in den letzten Wochen ausgezeichnet, die drei Olympiasiege wirken nicht negativ nach: Franjo von Allmen ist bereit, um im Winter der Heim-WM in Crans-Montana an die letzten, von durchschlagenden Erfolgen geprägten Saisons anzuknüpfen. Die Devise: Risiko besser dosieren, Fehler minimieren, (noch) konstanter werden.

Dass der 25-jährige Olympiaheld und Weltmeister die Lockerheit verliert, ist nicht anzunehmen. "Ich war schon immer selten nervös, am ehesten dann, wenn ich einen Vortrag in der Schule halten musste. Am meisten Angst würde mir machen, ein Interview auf Französisch zu geben", sagt der Berner in seiner unverblümten Art.

Loïc Meillard: Mit Frau und Tochter

Kompletter Medaillensatz an den Olympischen Spielen, Heirat, Vaterschaft: Loïc Meillard schwebte in den letzten Monaten beruflich und privat auf Wolke 7. Nach der Geburt seiner Tochter, deren Namen die Eltern für sich behalten, geht der Spezialist für Grossanlässe in seine erste Saison als Vater. Den Trainingsplan gestaltete Meillard deshalb etwas weniger umfangreich, aber effizienter. Statt zwei kleineren Einheiten war es im Konditionstraining zum Beispiel öfter eine grössere. Der Rest des Tages gehörte so der Familie. Seine Rückenprobleme hat der Neuenburger im Griff, der Grund, weshalb Meillard auf Starts im Super-G vorerst verzichtet, ist ein anderer: Wetterbedingt kam das Training in der Vorbereitung zu kurz.

Camille Rast: Gute Tage, schlechte Tage

Vor zwei Jahren schloss Camille Rast nach komplizierten Jahren mit Kreuzbandriss und abgebrochenem Materialwechsel zur Weltspitze auf, letzte Saison forderte sie Mikaela Shiffrin lange im Kampf um den Gesamtweltcup - obwohl sie seit letztem Februar 2025 und dem Sturz im Zielraum von Sestriere von Hüftproblemen beeinträchtigt wird. "Es geht der Hüfte besser als letztes Jahr um diese Zeit, aber ich bin immer noch nicht bei 100 Prozent. Es gibt Tage, da spüre ich gar nichts, und Tage, da ist es wieder schwieriger. Aber die Richtung stimmt", sagt die 27-jährige Walliserin.

Dem Saisonauftakt in Sölden, wo ein 12. Platz bislang ihr Bestresultat ist, blickt Rast gelassen entgegen. Wichtig sei ihr, im Saisonverlauf den Rhythmus zu finden. Starts im Super-G sind für Rast trotz Freude am Training noch kein Thema.

Die Rekonvaleszenten

Michelle Gisin: Ausgang offen

In einem Monat beginnt in Sölden die neue Saison, aber nicht für Michelle Gisin. Die 33-jährige Obwaldnerin kann noch nicht einmal abschätzen, wann und ob es für sie weitergeht als Skirennfahrerin.

Der schwere Sturz im Abfahrtstraining in St. Moritz im letzten Dezember markierte eine Zäsur. Erst zum dritten Mal in ihrer Karriere landete sie in den Fangnetzen, doch seither ist nichts mehr, wie es war. Die Folgen des Sturzes, bei dem sich die zweifache Olympiasiegerin das Kreuzband riss, eine gefährliche Verletzung an der Halswirbelsäule zuzog und sich zudem an Handgelenk und Schulter verletzte, wirken nach. Die lange Rehaphase ist mental herausfordernd und erfordert Geduld.

Noch ist Gisin nicht wieder ins Schneetraining eingestiegen. Im linken Oberschenkel fehlen nach der Entnahme der Quadrizepssehne die Muskeln vergangener Tage, der Rücken erzwingt eine Belastungsdosierung. Aufgeben will Gisin, die während der Leidenszeit das Wandern für sich entdeckt hat, aber noch nicht. Erst die ersten Einheiten auf Schnee in den kommenden Wochen werden zeigen, ob ihr Körper der Belastung standhält oder das Karriereende zur wahrscheinlichsten Option wird. Möglich ist auch eine Rückkehr erst in einem Jahr. "Sobald ich wieder auf Ski stehe, merke ich, wie viel wirklich noch fehlt", sagt Gisin.

Jasmine Flury: Ende der Leidenszeit

Im Februar 2024 begann für Jasmine Flury wegen eines Knorpelschadens im Knie eine lange Leidenszeit. 22 Monate dauerte es bis zum Comeback im Dezember letzten Jahres, und wie sich herausstellte, kam es zu früh. Sie blieb ohne Top-10-Resultat und verletzte sich an den Olympischen Spielen in Cortina erneut. "Ich war körperlich nicht bei hundert Prozent, das Vertrauen war nicht komplett da", sagt die Abfahrtsweltmeisterin von 2023. Noch einmal zwang sie der Körper zu einer Pause, sie dachte an den Rücktritt. "Es war extrem schwierig für mich", so Flury.

Jetzt aber, nach einem schmerzfreien Sommer, erholsamen Reisen und Wanderungen und einer guten Vorbereitung in Chile ist die 33-jährige Davoserin bereit für einen neuen Anlauf: "Es geht mir gut - viel besser! Das macht Freude", sagt Flury.

Zu beachten

Tanguy Nef: Angriff aufs Podest!

Seit letzter Saison gehört Tanguy Nef zur Weltspitze im Slalom. Noch ist der Genfer mit Uniabschluss ohne Podestplatz im Weltcup. 2026/27 soll sich das ändern: "Seit Januar ist das im Kopf präsent. Ich bin bereit - bereit, diese ein, zwei Prozent Extra-Risiko zu gehen. So riskiere ich an einer Schlüsselstelle vielleicht einmal zu viel, habe aber die Chance auf den Sieg."

Janine Schmitt: Reifer, professioneller

Der 5. Platz in der Abfahrt von Zauchensee brachte der Speedspezialistin im Januar eine ordentliche Portion Selbstvertrauen. Es war die Bestätigung, wie sie die 25-jährige St. Gallerin brauchte. In den letzten Monaten ortete Cheftrainer Beat Tschuor bei Schmitt einen beachtlichen Reifeprozess. Durch ein professionelleres Mindset und spürbare Fortschritte im Ausdauerbereich geht Schmitt physisch so stark wie nie in den Winter. Um Kräfte und Logistik zu bündeln, stellt sie den Riesenslalom vorerst zurück und fokussiert sich voll auf Abfahrt und Super-G. Das Unterfangen lautet, sich fest in den Top 30 zu etablieren.

Die jungen weiblichen Speedtalente: Spannend!

"Ich kann euch sagen: Die Speeddisziplinen werden spannend zu verfolgen in den nächsten Jahren", sagt Tschuor. Für das Funkeln in seinen Augen sorgen nicht nur die Edeltechnikerin Malorie Blanc, die sich mit 22 Jahren bereits Weltcupsiegerin nennen darf, und die etwa gleich alten Delia Durrer und Stefanie Grob, die im Weltcup schon regelmässig punkteten. Sondern auch zwei weitere Talente, die an die Tür zum Weltcup klopfen: Elena Stucki (21) und Jasmin Mathis (22).

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