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Kultur
Keystone-SDA | Mittwoch, 08. Juli 2026

Diese Schweizer Romane schreien nach einer Verfilmung

Manchmal begeistert ein Buch so sehr, dass Kopfkino allein nicht ausreicht. Auch die Schweizer Literatur liefert Stoff, der das Zeug zum Kino- oder Serienhit hätte. Die Nachrichtenagentur Keystone-SDA hat Wunschverfilmungen zusammengetragen.

Vom Binge-Material über das Familiendrama bis zum Sozialthriller: Diese Schweizer Romane wünschen sich fünf Filmjournalistinnen und -journalisten auf die Leinwand.

Krimi mit Cliffhanger

"DIE TOTEN KRANICHE - MIRA MUND LÖST DEN FALL" VON STEFANIE CHRIST: Die Berner Autorin Stefanie Christ sagte es im Interview mit der "Berner Zeitung" kürzlich selbst: Ihre Geschichte war von Anfang an als "eine Fernsehserie in Buchform" gedacht. Tatsächlich müssten dem Krimi des Genres Momcrime weder Witz, noch Action, noch Spannung beigefügt werden, um ihn auf den TV-Bildschirm zu bringen. Es ist alles da. Die Cupcake-Bäckerin, Witwe und Privatdetektivin Mira Mund, die zwischen Stilldemenz, Backaufträgen, Trauerverarbeitung und Mordanschlägen ermittelt - absolutes Binge-Material. Dazu gibt es einen vielversprechenden Cliffhanger (hat Mira Mund den falschen Fall gelöst?), und die Sprüche der Hauptfigur würden in einem komödiantischen Drehbuch eins zu eins funktionieren. Klar könnte man sagen, dass das Kopfkino beim Lesen dieses Buches ohnehin schon ganz von selbst abläuft. Aber diese Story, die die Autorin nach eigenen Angaben längst weitergesponnen hat, schreit nach einer Verfilmung.

(Miriam Margani)

"Die göttliche Ordnung" trifft "Game of Thrones"

"YRSA. DIE LIEBE DER WIKINGERIN" VON ALEXANDRA BRÖHM: Die Zürcher Autorin Alexandra Bröhm hat bereits zwei Romane über Yrsa, eine junge Wikingerin, geschrieben. Der rote Faden in diesen historischen Dramen: Die Liebe zwischen Yrsa und dem Krieger Avidh. Das ist Stoff für ein leidenschaftliches Drama, mit einer starken Frau, "Die göttliche Ordnung" trifft auf eine Schweizer Version von "Game of Thrones". Über die Wikinger - eigentlich heisst die Bezeichnung Seeräuber - kursieren viele falsche Vorstellungen. Zum Beispiel hatten sie keine Hörner auf den Helmen. Dieses Gadget würde im Film also wegfallen. Es gäbe genug anderes, das man - unbedingt pompös! - inszenieren könnte: die Raubzüge natürlich und Liebesszenen in freier Natur, aber eben auch feine Zwischentöne und magische Momente. Yrsa kennt sich zum Beispiel gut aus mit Heilpflanzen, und die Menschen, die vor über 1000 Jahren lebten, glaubten an Geister und Elfen. Die Geschichte spielt im niederländischen Dorestad, man könnte sie aber problemlos in die Schweiz holen, ins Seeland vielleicht? Dort wäre auch genug Wasser für Schiffsszenen vorhanden. Die Wunschbesetzung? Ella Rumpf als Yrsa und Basil Eidenbenz als Avidh.

(Nina Kobelt)

Drehorte vom Mittelland bis in die Berge

"WEIT ÜBER DAS LAND" VON PETER STAMM: Dass Worte von Peter Stamm verfilmbar sind, wurde bereits bewiesen. Sein Erstling "Agnes" kam 2016 in die Kinos. Höchste Zeit für eine Fortsetzung. Stamm hat viel geschrieben, vieles würde sich anbieten. Warum nicht "Weit über das Land"? Die Geschichte von Thomas, der eines Tages scheinbar aus dem Nichts Haus, Frau, Kinder; sein ganzes Leben verlässt, abtaucht und verschwindet, ist geradezu prädestiniert für die Leinwand. Denn: Jede und jeder kennt den Wunsch, zu gehen, nicht mehr zurückzukehren und sich an einem anderen Ort neu zu erfinden. Stamms schwebende Sprache, die unklare Motivlage und die Vermischung von Realem und Imaginiertem lassen der Regie viel Spielraum. Was ebenfalls hilft: die wechselnde Erzählperspektive. Daraus kann grosses Schweizer Kino werden. Gedreht wird quer durch die Schweiz - vom Mittelland bis in die Berge und wieder zurück. Auf dem Regiestuhl sitzt vielleicht der Aarberger Ramon Zürcher, Regisseur von "Der Spatz im Kamin".

(Raphael Amstutz)

Léa Seydoux in der Hauptrolle

"DAS GAME" VON JOSEPH INCARDONA: Wenn sich ein Roman schon liest wie ein Drehbuch, sollte man ihn auch gleich verfilmen. Bereits auf Seite drei von "Das Game" des Westschweizer Autors Joseph Incardona kommt ein Wagen von der Strasse ab und fängt Feuer - ein Auftakt mit Wucht, der sich eins zu eins ins Kino übersetzen liesse. Genremässig wäre der Film ein Sozialthriller mit Herz: Im Zentrum steht ein zynisches TV-Format, das Menschen gegeneinander ausspielt, zugleich erzählt der Roman die berührende Geschichte der alleinerziehenden Anna und ihres Sohnes Leo. Gedreht werden sollte an der französischen Atlantikküste, mit ihren Pinienwäldern und Surferorten: Das Leben im Wohnwagen am Strand, der Wind und die Wellen sind im Roman nicht wegzudenken. Für die Rolle der Anna bräuchte es eine Schauspielerin, die gleichzeitig ihre Erschöpfung und ihren Stolz glaubhaft macht, zum Beispiel Léa Seydoux. Herz des Filmes wäre die Reality-Show, die dem Buch seinen Namen gibt: Anna, die stundenlang mit der Hand am Auto ausharrt, während um sie herum Allianzen zerbrechen und der Druck wächst - ein Kammerspiel mit Spielshow-Fassade, bei dem das Publikum unweigerlich mitzittert.

(Anais Sommer)

Science-Fiction wie ein Fiebertraum

"ICH WERDE HIER SEIN IM SONNENSCHEIN UND IM SCHATTEN" VON CHRISTIAN KRACHT: Wovon gibt es in der Schweiz und im Schweizer Film zu wenig? Science-Fiction und Sozialismus natürlich. Deshalb fällt die Wahl hier auf "Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten" von Christian Kracht. Auf sehr drehbuchkonformen 150 Seiten führt uns der Roman in eine alternative Gegenwart, in der vor hundert Jahren anstelle von Russland die Schweiz zur ersten Sowjetrepublik wurde, die sich heute noch im Krieg mit dem faschistischen Umland befindet. Die Handlung bleibt dabei knapp wie ein fieberhafter Albtraum (oder psychedelischer Trip) und folgt wie "Apocalypse Now" dem Verlauf der Aare von "Neu-Bern" bis ins Reduit, wo der Protagonist einen abtrünnigen Oberst verhaften soll. Originell-verstörendes Landschaftskino wie auch ein Traum für Ausstatter mit Faible für Dystopien und Schweizer Sowjet-Chic.

(Dominic Schmid)

Dieser Text von Miriam Margani, Nina Kobelt, Raphael Amstutz, Anais Sommer und Dominic Schmid, Keystone-SDA, wurde mithilfe der Gottlieb und Hans Vogt-Stiftung realisiert.

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