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Droht die Rückkehr der Piraten vor Somalia?
Schnelle, kleine Schiffe, die sich in hohem Tempo Handelsschiffen nähern, in einigen Fällen fallen Schüsse. Fast täglich verbreiten die EU-Marinemission Atalanta oder das britische Handelsmarinezentrum UKMTO zuletzt Alarmmeldungen wie diese. In einem Fall wurde auch ein Öltanker auf diese Weise angegangen.
Die geschilderten Szenarien aus dem Indischen Ozean und dem Golf von Aden vor der Küste Somalias klingen vertraut. Droht eine Rückkehr der Piraterie am Horn von Afrika, die in den Nullerjahren für Schrecken im Indischen Ozean sorgte und der Grund für die Gründung von Atalanta mit ihren Patrouillen in der Region war?
Britische Behörde spricht von erheblich erhöhter Bedrohungslage
UKMTO spricht bereits von einer erheblichen Erhöhung der Bedrohungslage in den somalischen Gewässern. Behörden des ostafrikanischen Landes dagegen betonen, es sei zu früh, von einer Rückkehr der Piraterie zu sprechen.
Brennpunkt ist damals wie heute die somalische Region Puntland. Erst am Donnerstag kam es zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen puntländischen Sicherheitskräften und bewaffneten Milizen, die Verbindungen zu Piratengruppen haben sollen. Vor der puntländischen Hafenstadt Eyl lagen in den Hochzeiten der Piraterie Dutzende gekaperte Schiffe, auch jetzt noch werden einzelne mit ihren Besatzungen festgehalten. Zum Beispiel der Öltanker "Honour 25" und seine pakistanische Besatzung.
Der stellvertretende Minister Puntlands für Seeverkehr und Häfen, Mohamed Ali Ismail, sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Puntland unternimmt in Zusammenarbeit mit seinen Partnern im Bereich der maritimen Sicherheit alles, um die gekaperten Schiffe bedingungslos freizubekommen." Zugleich versicherte er: "Derzeit gibt es hier nicht viele Piraterievorfälle."
Rechtsfreier Raum im Nordosten Puntlands
Der kanadische Journalist und Autor Jay Bahadur, der als Experte für Piraterie gilt, hält den Nordosten Puntlands für eine rechtsfreie Zone für die Kriminalität auf See, einschliesslich Waffenschmuggel. "Ich glaube jedoch nicht, dass dies auf eine Rückkehr zur Piraterie alter Zeiten hindeutet. Alle paar Jahre gibt es einen Anstieg der Angriffe, dies scheint nur der jüngste davon zu sein."
Die Zentralregierung in Mogadischu hat de facto keine Autorität über das von Puntland kontrollierte Territorium und Teile der Gewässer des Indischen Ozeans. Diese fehlende Kontrolle und die wiederholten Machtkämpfe zwischen örtlichen politischen Kräften über die Verteilung von Ressourcen könnten kriminellen Aktivitäten Raum geben, meint der Sicherheitsexperte Yusuf Hassan aus Mogadischu. "Ob die jüngsten Vorfälle nun eine Rückkehr alter Piraterie darstellen oder nicht, die Situation erscheint mir sehr alarmierend und eine zunehmend komplexe Bedrohung für die globale und regionale maritime Sicherheit", sagte er der dpa.
Mehr noch als über die Zugehörigkeit mit ihrem Land identifizieren sich viele Somalis über die Zugehörigkeit zu ihrem Clan. Darauf setzt auch Osman Shire, dem das Öl an Bord des gekaperten Tankers "Honour 25" gehört. Er setzte nicht auf die Behörden, sondern habe direkt mit den Entführern gesprochen. "Ich habe sie gebeten, den Öltanker freizugeben, da wir verwandt sind", sagte er der dpa. "Sie haben zugestimmt, halten ihn aber weiterhin ohne Erklärung fest. Sie haben kein Lösegeld gefordert und sind nicht einmal Fischer, sondern eine kriminelle Bande."
Fischer wollten sich gegen Überfischung durch Ausländer wehren
Die Piratengeneration, die vor knapp 20 Jahren Jagd auf Schiffe machte, war zunächst aus Fischern hervorgegangen, die sich nach eigenen Angaben gegen die Überfischung ihrer Gewässer durch ausländische Konkurrenz zur Wehr setzen wollten. Später wurden allerdings alle möglichen Schiffe angegriffen, vom Frachtschiff bis zum Kreuzfahrtschiff.
Shire setzt nun auf die "Elders" des Clans, die Gruppe älterer Männer, die hohen Respekt in der Gemeinschaft haben. Sie bemühten sich intensiv um die Freigabe des Tankers, der zum Zeitpunkt der Entführung auf dem Weg zum Hafen von Mogadischu war.

















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