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Ehammers ungewöhnliches Rezept für Rekordweiten
Simon Ehammer springt bei Weltklasse Zürich 8,14 m. Seine besten Weiten erzielt er allerdings ausgerechnet im Zehnkampf. Das liefert ihm eine Idee.
8,14 m sind eine starke Weite, obwohl sie am Donnerstagabend in Zürich "nur" zu Platz 6 gereicht haben. Doch der Schweizer Rekordhalter ist schon deutlich weiter gesprungen. Dabei ist ihm und seinem Team eine bemerkenswerte Gemeinsamkeit seiner drei Schweizer Rekorde aufgefallen: Sie sind allesamt im Zehnkampf entstanden.
8,30 m sprang Ehammer 2022 in Ratingen, wenig später steigerte er sich beim Mehrkampf in Götzis auf 8,45 m. Vier Jahre danach folgte am selben Ort der nächste Schweizer Rekord: 8,51 m. "Alles im Mehrkampf. Das kann kein Zufall sein", sagt Ehammer im Rahmen von Weltklasse Zürich. Einen Grund dafür, dass ihm die weitesten Sprünge ausgerechnet dann gelingen, wenn der Weitsprung nur eine von zehn Disziplinen ist, sieht er im Ablauf eines Mehrkampfs. Bevor er zum Weitsprung antritt, hat er bereits die 100 m in den Beinen. Rund 45 Minuten später folgt die zweite Disziplin. Für einen Athleten, der wie Ehammer stark von seiner Schnelligkeit lebt, könnte genau dies die ideale Vorbereitung sein.
Ehammer und sein Team wollen deshalb künftig versuchen, Elemente dieses Ablaufs ins normale Aufwärmen für einen Weitsprung-Wettkampf einzubauen. Gewissermassen soll das Zehnkampfgefühl reproduziert werden, allerdings ohne zuvor tatsächlich einen 100-m-Lauf bestreiten zu müssen. Hinzu kommt gemäss Ehammer ein psychologischer Faktor. Im Zehnkampf springe er nicht nur um eine Weite, sondern auch um Punkte, mit denen er sich von den Konkurrenten absetzen kann. "Das motiviert zusätzlich."
Weichenstellung
Wie oft Ehammer künftig überhaupt noch in einem Zehnkampf zum Weitsprung anlaufen wird, ist allerdings offen. In diesem Herbst steht einer der wichtigsten Entscheide seiner Karriere an. Ehammer will festlegen, auf welche Disziplin er sich auf dem Weg zu den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles konzentriert: Zehnkampf oder Weitsprung.
"Unser Ziel ist eine Medaille. Das Ziel ist sogar, in Los Angeles zu gewinnen", sagt der 26-Jährige. Welche Disziplin ihn dorthin führe, sei für ihn zweitrangig. "Wenn mir jemand sagen würde 'Triathlon ist deine Disziplin, und 2028 holst du dort Gold', dann würde ich das machen. Ich will diese Olympiamedaille 'ums Verrecken'."
Lange hat Ehammer bewiesen, dass sich Mehrkampf und Weitsprung auf höchstem Niveau miteinander verbinden lassen. Nun ist er überzeugt, dass dies mit Blick auf die Spiele in Los Angeles nicht mehr reicht. "Das Niveau im Weitsprung und im Zehnkampf ist über das letzte Jahr nochmals gestiegen. Auf diesem Niveau braucht es einfach ein absolutes Commitment zu einer Disziplin."
Ganz verschwinden würde die jeweils andere Seite trotzdem nicht. Sollte sich Ehammer für den Zehnkampf entscheiden, würde sich sein Training zunächst kaum verändern. Dafür würde er den Wettkampfkalender ausdünnen und auf einzelne Weitsprung-Meetings verzichten. So entstünden längere Trainingsblöcke vor den grossen Mehrkämpfen.
Auch ein Entscheid für den Weitsprung würde nicht bedeuten, dass Ehammer fortan nur noch Anlauf und Absprung trainiert. Er und sein Team hätten bereits darüber gewitzelt, dass er wohl weiterhin Hürden laufen und versuchen würde, sich dort Richtung 13,20 oder 13,10 Sekunden zu verbessern.
Finanzielle Folgen
Doch der Schwerpunkt wäre eindeutig. Eine solche Wahl hätte neben den sportlichen auch finanzielle Folgen. Als Weitspringer könnte Ehammer mehr Meetings bestreiten. Im Zehnkampf sind die Startmöglichkeiten beschränkt. "Wenn ich mich für den Zehnkampf entscheide, wäre es finanziell sicher weniger attraktiv, auch wegen der Start- und Preisgelder", sagt er über seine Herzensdisziplin Mehrkampf und fügt an: "Ich betreibe Leichtathletik nicht wegen des Geldes. Sonst hätte ich mir eine andere Sportart ausgesucht."
Zuerst will Ehammer seine Saison bis Mitte September abschliessen und danach Ferien machen. Im Oktober soll der Entscheid fallen. Danach, sagt Ehammer, dürfe es kein Zurückschauen mehr geben. "Zweifel haben dann keinen Platz", betont er.
Entscheidet er sich für den Weitsprung, dürfte damit auch eine ungewöhnliche Serie enden. Weitsprung-Rekorde würden im Zehnkampf keine mehr fallen.

















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