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Ein Frühlingsmärchen mit verpasstem Happy End
Die Enttäuschung nach dem verpassten WM-Gold des Schweizer Eishockey-Nationalteams drückt durch die Kommentarspalten der Schweizer Presse. Schuld ist jedoch nicht die Leistung des Teams.
Wieso hat es für die Schweiz nicht zu Gold gereicht? Dieser Frage geht insbesondere CH Media in der Kommentarspalte von Montag nach. "Wer nach technischen oder taktischen Erklärungen oder gar nach Sündenböcken sucht, findet keine Antwort", schreibt das Medienhaus. Die Schweizer seien an einem Gegner gescheitert, der weder Helm trage, noch Schlittschuhe schnüre: "An der Last der Erwartung, die noch nie so hoch war."
In den bisherigen vier Finalspielen habe es die Gewissheit gegeben, dass die nächste Gelegenheit bestimmt komme. "Erst recht 2026 im eigenen Land", schreibt CH Media und hält fest: "Wenn es mit dieser Mannschaft nicht gelingt, den ersten WM-Titel zu holen - dann wohl auf Jahre hinaus nicht mehr." Vorerst gebe es keine neue "goldene Generation".
"Ein letztes Hurra"
"Mit einem Durchschnittsalter von 29,6 stellte die Schweiz die mit einigem Abstand älteste Equipe des Turniers", schreibt die "Neue Zürcher Zeitung". Die bis zum Finalspiel sorglosen Wochen in Zürich hätten sich wie ihr letztes Hurra angefühlt. "Die Konstellation wird kaum noch einmal so günstig sein wie jetzt. Da war diese Symbiose zwischen Publikum und Team."
Bei der Suche nach einem Grund, weshalb es dennoch nicht zum Weltmeistertitel gereicht hat, greift die "Neue Zürcher Zeitung" weit: "Ein bisschen wirkt es, als würde sich ein perfider Fantasy-Autor mit allzu ausladender Fantasie in einem Fortsetzungsroman immer abstrusere Plots dafür ausdenken, wie er die Schweizer scheitern lässt."
Auch Westschweizer Zeitungen stimmen überein, dass die Aussichten selten so gut waren. Die fünfte Niederlage sei nicht einmal mehr ärgerlich, schreibt "Le Nouvelliste". Die Jagd nach dem Gral sei geradezu frustrierend für die Nationalmannschaft. Schliesslich lag es laut "La Liberté" wohl einfach an dem, was der Sport auch sein kann: brutal.
"Die schönste Heimweltmeisterschaft"
Die Erklärungen zeigen: An der Leistung lag es nicht. Die Performance der Schweizer lobt auch "Blick". Das Schweizer Nationalteam habe das Volk mit auf eine Reise genommen und die letzten Zweifel beseitigt. "Trotz schlechter Nachrichten à gogo ist die Mannschaft mit dem neuen Trainer Jan Cadieux am 15. Mai auf Zack, der wegweisende Auftritt gegen den Titelverteidiger USA wird zum Büchsenöffner für ein Frühlingsmärchen", schreibt "Blick" in einem Leitartikel.
Jung und Alt, Gross und Klein hätten sich vom Volksfest mitreissen lassen. "Das war die schönste Heimweltmeisterschaft in der Geschichte der Heimweltmeisterschaften", resümiert "Blick". Auch wenn der Sport keinen Sinn für "Win-win" übrig habe, hätten für einmal alle gewonnen. "Das war mehr als Sport. Das war ein Ereignis für die Geschichtsbücher", bilanziert "Blick".
Auch ein Verdienst von Fischer
Auch die Tamedia-Zeitungen nennen die Heim-WM ein Frühlingsmärchen. Geschrieben von der goldenen Generation, ihrem Trainer und dessen Vorgänger. "Fischer blieb der WM nach seiner Entlassung fern, aber sein Geist wehte weiter in der Garderobe", so Tamedia. Er habe eine Atmosphäre geschaffen, in welcher allein das Team gelte. Fischer "hatte das grosse Denken verbreitet und die Kultur im Team geprägt. WM-Gold wäre auch sein Verdienst gewesen."
Cadieux habe es verstanden, diese Atmosphäre zu bewahren. Er sei gut positioniert für die Zukunft, heisst es in den Tamedia-Zeitungen. Doch der Nachschub an Talenten sei ins Stocken geraten. "Klubs, Verband und Ligen sind gefordert. Sie müssen endlich wieder zusammenspannen, um das Schweizer Eishockey in die Zukunft zu führen", fordert Tamedia. So bleibe von der Heim-WM mehr als nur der Schmerz über ein verpasstes Happy End. "Sie war ein Fest, ein Versprechen - und eine Mahnung, dass selbst goldene Generationen nicht ewig glänzen."

















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