Die digitale Ausgabe des Sarganserländers.
Ein neuer Anfang an einem unscheinbaren Ort
Nach dem abrupten Ende der Ära von Patrick Fischer beginnt in einer unscheinbaren Eishalle in Topolcany diejenige von Jan Cadieux mit einer Niederlage - vielleicht ein gutes Omen.
Von aussen ist auf den ersten Blick nicht zu sehen, dass es eine Eishalle ist. Die Topvar Arena in Topolcany stammt aus den späten 1960er-Jahren und wurde mehrmals renoviert, wirklich komfortabel ist es drinnen jedoch nicht. Dafür ist die Stimmung umso besser, das slowakische Team wird durchgehend angefeuert. In diesem Stadion ging am Mittwochmorgen mit dem letzten Training von Patrick Fischer die erfolgreichste Ära eines Schweizer Headcoachs im Eishockey zu Ende, weil ihm ein gefälschtes Covid-Zertifikat zum Verhängnis wurde.
Keine Interviews nach dem Spiel
Deshalb hatte dort am späten Donnerstagnachmittag erstmals Jan Cadieux, der nach der Heim-WM in Zürich und Freiburg Fischer ohnehin beerbt hätte, die Verantwortung für das Nationalteam. Während Fischer bei seinem Debüt am 18. Dezember 2015 in Arosa einen 2:1-Sieg gegen Norwegen gefeiert hatte, musste Cadieux gegen die Slowaken eine 1:3-Niederlage hinnehmen, wobei sich die Schweizer weitgehend harmlos präsentierten. Wie der 46-Jährige den Auftritt seiner Mannschaft fand, war nicht zu erfahren, durften doch nach der Partie weder Trainer noch Spieler Auskunft geben. Das tut am Freitagmorgen Verbandspräsident Urs Kessler in einer virtuellen Medienkonferenz.
Doch zurück zu Cadieux. Während Fischer vor seinem Amtsantritt als Nationaltrainer ein bescheidenes Palmarès aufwies, kann sein Nachfolger zwei Grosserfolge vorweisen. 2023 führte er Genève-Servette zum ersten Meistertitel der Vereinsgeschichte, ein Jahr später gewann er mit den Genfern die Champions Hockey League. Seine Liebe zum Eishockey kommt von seinem verstorbenen Vater Paul-André Cadieux, der in der Schweiz als Legende bezeichnet werden kann und als Spieler mit Bern dreimal Meister wurde. Er habe es ihm zu verdanken, heute da zu sein, wo er ist, sagte Jan Cadieux einst.
Fischer portierte Cadieux
Als er Ende Dezember 2024 bei Servette entlassen wurde, bot ihm Fischer kurz darauf an, ihn im darauffolgenden Februar am Turnier der Euro Hockey Tour in Langnau und Stockholm zu assistieren, denn er sah in ihm seinen möglichen Nachfolger. "Ähnlich wie bei Fischi ist bei mir die menschliche Beziehung sehr wichtig. Der Mensch hinter dem Spieler ist noch wichtiger als der Eishockeyspieler", sagte Cadieux gegenüber Keystone-SDA, als er im vergangenen Dezember als Nachfolger von Fischer vorgestellt wurde.
Dass er nun früher als geplant zum Handkuss gekommen ist, hätte Cadieux zwar lieber anders gehabt, doch er möchte nun nach vorne blicken. Und wer weiss, vielleicht ist ja die unscheinbare Arena in Topolcany der Startpunkt der nächsten grossen Ära im Schweizer Eishockey. Fischer scheiterte nach seinem Sieg beim Debüt als Nationaltrainer an seiner ersten WM mit der Schweiz in der Gruppenphase - vielleicht ist die Niederlage also gar kein schlechtes Omen.
















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