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Keystone-SDA | Mittwoch, 15. Juli 2026

"Ende der Tortur": Grenze Spanien-Gibraltar nun kontrollfrei

Nach mehr als einem Jahrhundert hat die Grenzbarriere zwischen Spanien und Gibraltar ausgedient. Seit Mitternacht gibt es keine Grenzkontrollen mehr zwischen dem EU-Land und dem britischen Überseegebiet. Der Abbau des im Jahr 1908 errichteten, symbolträchtigen und etwa einen Kilometer langen Metallzaunes soll schon diese Woche beginnen.

Der spanische Aussenminister José Manuel Albares sprach von einem "historischen" Ereignis. Erstmals nach drei Jahrhunderten würden sich beide Seiten "die Hände reichen", sagte der Minister der linken Regierung mit Blick auf die Inbesitznahme Gibraltars durch Grossbritannien im Jahr 1704.

Möglich wurde der Schritt durch das im Februar vereinbarte Abkommen zwischen der Europäischen Union und Grossbritannien, das am Mittwoch in Kraft trat. Ab sofort sollen Personen und Waren den Landübergang ohne die bisherigen Kontrollen passieren können. Gibraltar soll dafür eng an den Schengen-Raum und an neue Zollregelungen mit der EU angebunden werden. Passkontrollen wird es nur auf dem Flughafen und dem Hafen Gibraltars geben.

Wartezeiten von mehreren Stunden

Von den Änderungen profitieren vor allem die mehr als 15.000 Grenzpendler, die täglich zwischen der strukturschwachen spanischen Stadt La Línea de la Concepción in der andalusischen Provinz Cádiz und Gibraltar unterwegs sind, um vor allem dort zu arbeiten. Sie mussten häufig, vor allem in der Hauptverkehrszeit, lange Wartezeiten an der Grenze in Kauf nehmen. Das Abkommen soll zudem die wirtschaftliche Zusammenarbeit in der Region erleichtern.

Die spanische Arzthelferin Consuelo, die die Grenze seit 30 Jahren passiert und in Gibraltar arbeitet, ist sehr glücklich: "Ich musste schon mal drei, vier Stunden warten, an manchen Tagen sogar länger, bis zu sieben Stunden. Die Tortur hat endlich ein Ende", erzählte sie im TV-Sender RTVE.

Der Streit um die Souveränität geht weiter

Paradoxerweise ebnete ausgerechnet der Brexit den Weg für das Abkommen. Obwohl sich beim Referendum 2016 rund 96 Prozent der 34.000 Einwohner Gibraltars für einen Verbleib in der EU ausgesprochen hatten, musste das britische Überseegebiet die Union gemeinsam mit Grossbritannien verlassen.

Nach jahrelangen Verhandlungen verständigten sich die Beteiligten schliesslich auf einen Kompromiss, der den Grenzverkehr erleichtert, ohne aber den Souveränitätsstreit zu lösen. Spanien betrachtet Gibraltar am Südzipfel des Landes weiterhin als "Kolonie" und als illegal besetztes Gebiet.

"Das Abkommen sichert langfristig den Personen- und Warenverkehr über die Grenze, während es die Souveränität des Vereinigten Königreichs und Gibraltars verfassungsrechtliche Position schützt", sagte eine Sprecherin des britischen Premierministers Keir Starmer.

Als der Diktator die Grenze dichtmachte

Britische Medien bezeichneten den Schritt als grösste Änderung von Gibraltars Status seit es zu einem Teil Grossbritanniens wurde. Es sei ironisch, dass ausgerechnet der Brexit dazu geführt habe, schrieb das Portal "Politico".

Der Streit führte immer wieder zu Spannungen zwischen Madrid und London. 1969 wurde die Grenze vom Diktator Francisco Franco sogar geschlossen. Erst 1982 wurde sie für Fussgänger und drei Jahre später, ein Jahrzehnt nach dem Tod des spanischen Gewaltherrschers, auch für Fahrzeuge wiedereröffnet.

Das nur 6,5 Quadratkilometer grosse Gebiet - etwa so gross wie die ostfriesische Insel Baltrum - ist bekannt für seine freilebenden Berberaffen und den Felsen Rock of Gibraltar - und seit mehr als drei Jahrhunderten ein Zankapfel zwischen Madrid und London. Es wurde 1704 vom Grossbritannien in Besitz genommen und 1713 von Spanien im Rahmen des "Friedens von Utrecht" abgetreten.

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