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Enric Mas und der lang ersehnte Vuelta-Gesamtsieg
Enric Mas kann das Etikett des "ewigen Zweiten" endlich abstreifen. Im eigenen Land oft verkannt, feiert der Spanier mit 31 Jahren den lang ersehnten Gesamtsieg an der Vuelta.
Fast ein Jahrzehnt lang war Enric Mas immer wieder am grossen Triumph vorbeigeschrammt. Nun geht bei seiner Heimatrundfahrt endlich alles auf. Nach dem sturzbedingten Ausfall von Topfavorit Tadej Pogacar nutzt der Leader des spanischen Teams Movistar die Gunst der Stunde.
In der Gesamtwertung der 81. Ausgabe der Vuelta a España verweist Mas nach drei happigen Wochen den vierfachen Vuelta-Sieger Primoz Roglic aus Slowenien sowie den Österreicher Felix Gall auf die weiteren Podestplätze. Damit beschert er den einheimischen Fans den ersten Gesamtsieg eines Spaniers seit Alberto Contador im Jahr 2014.
Schwere Bürde
Die Anerkennung, die Mas nun für seinen langersehnten ersten Gesamtsieg bei einer Grand Tour erfährt, ist der späte Lohn für Jahre teils harter Kritik. Denn der Mallorquiner galt lange als Musterbeispiel für einen Fahrer, der immer nahe dran ist, aber nie ganz oben ankommt.
Nach seinem 2. Gesamtrang an der Vuelta 2018 im Alter von 23 Jahren feierte Spaniens Radsportwelt ihn bereits als legitimen Nachfolger von Alberto Contador, Sieger aller drei Grand Tours, und Miguel Indurain, dem fünfmaligen Gewinner der Tour de France. Doch Mas konnte die hohen Erwartungen nicht erfüllen. Verletzungen und Stürze warfen ihn immer wieder zurück. Auch die Angst vor hohen Geschwindigkeiten in Abfahrten erwies sich als Wettbewerbsnachteil. Auch seine Zeitfahrqualitäten liessen bisweilen zu wünschen übrig.
Für bemerkenswerte Vorstellungen bei der dreiwöchigen Rundfahrt in seiner Heimat reichte es trotzdem regelmässig. Dreimal wurde er Zweiter, einmal Dritter. Nur der ganz grosse Wurf blieb ihm verwehrt. Aus dem talentierten Hoffnungsträger wurde der "ewige Zweite", ein Rennfahrer, dem man zwar Klasse, aber nicht die Fähigkeit zum Siegen zuschrieb.
Demut und Entschlossenheit
Nun ist dieses Kapitel endgültig geschlossen. Nach einer längeren Rennpause im Sommer kehrte er mit starker Form an die Vuelta zurück. In der 6. Etappe war er der einzige Fahrer, der mit dem überragenden Tadej Pogacar in den Anstiegen mithalten konnte.
Als der Topfavorit und dreifache Etappensieger zwei Tage später nach einem Sturz aufgeben musste, fiel Mas das Rote Trikot sozusagen in den Schoss. Bei der Siegerzeremonie mochte er es aus Respekt vor dem zweifachen Weltmeister zunächst noch nicht überstreifen. Am Tag darauf liess er mit dem Sieg in der Bergetappe dann keinen Zweifel daran, dass er dieses Trikot auch verdient trug.
Meisterstück im Zeitfahren
Zur ganz grossen Show setzte Mas danach zwar nicht mehr an. Einen weiteren Etappensieg gab es in der zweiten und dritten Woche nicht. Doch der Spanier hatte die Konkurrenz jederzeit im Griff. Zum Schlüsselmoment wurde das Zeitfahren am viertletzten Tag. Während Stefan Küng die Prüfung gegen die Uhr gewann, zeigte Mas wohl die beste Zeitfahrleistung seiner Karriere. Er büsste nur wenig Zeit auf höher eingeschätzten Primoz Roglic ein und legte damit den entscheidenden Grundstein für den Gesamtsieg.
Auf den letzten beiden Bergetappen verwaltete Mas seinen Vorsprung souverän und bestätigte damit - ungeachtet des vorzeitigen Ausscheidens von Pogacar -, dass er der stärkste Fahrer dieser Vuelta war.
Während der Norweger Tobias Johannessen aus einer Ausreissergruppe heraus am Sonntagabend in Granada die 21. und letzte Etappe für sich entschied, überquerte Mas im Roten Trikot und Arm in Arm mit seinen Teamkollegen die Ziellinie. Dabei schwang beim gefeierten Sieger auch eine Portion Genugtuung mit.

















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