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Keystone-SDA | Montag, 10. August 2026

Erde bebt in Kolumbien: Mehr als 100 Tote

Menschen rennen auf einer Strasse davon, während hinter ihnen ein grosses Gebäude an einer Kreuzung zusammenbricht. Eine Staubwolke steigt auf. Es herrscht Panik. In den Strassen schwanken Autos, Fensterscheiben klirren und Menschen verlassen hastig ihre Häuser, während das Erdbeben in Kolumbien den Boden unter ihnen erschüttert.

Mindestens 111 Menschen kamen bei dem schweren Erdbeben der Stärke 7,4 nach Angaben von Präsident Abelardo de la Espriella ums Leben, 87 wurden verletzt. Mehr als 1.500 Wohnhäuser wurden demnach beschädigt sowie 61 Gebäude zum Einsturz gebracht. Das ganze Ausmass ist noch nicht klar. Es wird befürchtet, dass die Zahl der Toten weiter steigt.

Besonders dramatisch sind die Folgen in Pereira westlich der Hauptstadt Bogotá, wo nach Angaben des Polizeichefs Óscar Leonel Ochoa mindestens 47 Todesopfer registriert wurden. Aufnahmen zeigen eingestürzte Gebäude und Rettungskräfte, die zwischen Trümmern nach Überlebenden suchen.

In Manizales wurde die Kathedrale schwer beschädigt: Auf Videos ist zu sehen, wie sich ein Seitenturm des Kirchengebäudes zur Seite neigt. Bereits im 19. Jahrhundert war ein Vorgängerbau der Kathedrale bei einem Erdbeben zerstört worden. "Zuerst dachte ich, es wäre etwas Leichtes. Aber als es dann immer stärker wurde und nicht aufhörte, dachte ich. Wir würden sterben", sagte eine Frau aus Manizales dem Radiosender La FM.

Auch aus der für die Salsa bekannte Stadt Cali meldete der Bürgermeister mehr als 20 eingestürzte Gebäude, in denen Menschen eingeschlossen sein sollen.

Beben auch in anderen Ländern zu spüren

Das Beben ereignete sich um 7.34 Uhr Ortszeit. Das Epizentrum lag nahe San José del Palmar im Departamento Chocó, wie der Kolumbianische Geologische Dienst (SGC) mitteilte. Es wurde mit einer Tiefe von 96 Kilometern angegeben. Der US-amerikanische Geologische Dienst (USGS) verortete es in 107 Kilometern Tiefe.

Der Kolumbianische Geologische Dienst bezeichnete das Beben als das Stärkste in Kolumbien seit mindestens zehn Jahren.

Die Erschütterungen waren unter anderem in Bogotá, Medellín, Cali, Popayán, Armenia, Pereira und Manizales zu spüren. Auch in Ecuador, Venezuela und Panama wurde das Beben Berichten zufolge wahrgenommen.

Die Stromversorgung, Telefon- und andere Kommunikationsverbindungen sind beeinträchtigt. Sechs Flughäfen sind dem Präsidenten zufolge wegen Schäden an ihrer Infrastruktur derzeit für den kommerziellen Flugverkehr ausser Betrieb.

Regierung mobilisiert Hilfe

De la Espriella kündigte an, persönlich die staatliche Reaktion auf die Katastrophe zu koordinieren und alle zwei bis drei Stunden über die Lage zu berichten. Auch internationale Hilfe wird vorbereitet. Zahlreiche Staaten boten ihre Unterstützung an.

Die Präsidentin der EU-Kommission, Ursula von der Leyen, hatte ihre Solidarität bekundet und angekündigt, dass "Copernicus, unser Satellitendienst, zur Unterstützung der Rettungsmassnahmen zur Verfügung gestellt wurde".

Das Beben in Kolumbien erinnert auch an die schweren Erdstösse im Nachbarland Venezuela vor wenigen Wochen. Dort erschütterten am 24. Juni innerhalb von wenigen Sekunden zwei Beben der Stärke 7,2 und 7,5 den Norden des Landes. Tausende Menschen kamen bisher ums Leben.

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