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Erster Nachweis bei Wirbellosen: Oktopusse verstehen Spiegelbilder
Tintenfische können Spiegelbilder verstehen. Ein Forschungsteam der Universität Freiburg hat drei Oktopussen beigebracht, mit einem Spiegel Futter ausserhalb ihres Sichtfelds zielsicher zu orten und anzusteuern.
Die am Mittwoch im Fachjournal "Current Biology" veröffentlichte Studie liefert den ersten Nachweis für die Fähigkeit zur Spiegelnutzung bei einem wirbellosen Tier. Bisher war dieses Verhalten nur von Wirbeltieren wie Affen, Elefanten oder Vögeln bekannt.
Für das Experiment platzierten die Forschenden des Dartmouth College (USA) und der Universität Freiburg (Schweiz) drei Tintenfische der Art "Octopus bimaculoides" einzeln in einem Startbehälter innerhalb eines Aquariums. Von diesem Behälter aus konnten die Tiere eine virtuelle Krabbe nur als Reflexion in einem gegenüberliegenden Spiegel sehen.
Der direkte Blick auf die Projektion der Krabbe war durch die Wände des Behälters blockiert. Um eine echte Krabbe als Belohnung zu erhalten, mussten die Tintenfische den Behälter verlassen und sich zu der Seite der Rückwand bewegen, an der die virtuelle Krabbe projiziert wurde, anstatt zum Spiegel zu schwimmen.
Hohe Erfolgsquote im Test
Die Oktopusse meisterten die Aufgabe prompt: In 73 Prozent der Testdurchläufe wählten sie den korrekten Weg - statistisch signifikant über dem Zufall. Mit zunehmender Erfahrung gelangten sie immer schneller ans Ziel.
Teilweise kletterten die Tiere sogar direkt über die Seitenwände des Startbehälters. Sie bewegten sich also ganz bewusst vom verlockenden Spiegelbild weg, um die blockierte Beute auf direktem Weg zu erreichen. Das beweist laut den Forschenden nicht nur, dass die Tiere den Impuls eines direkten Angriffs auf einen optischen Reiz unterdrücken können, sondern dass sie die Spiegelinformationen mit einer inneren 3D-Karte des Beckens verknüpfen
Bedeutend ist der Nachweis dieser Fähigkeit bei Oktopussen insbesondere aus evolutionärer Perspektive: Der letzte gemeinsame Vorfahre von Wirbeltieren und Kopffüssern, zu denen die Oktopusse gehören, lebte vor über 520 Millionen Jahren. Seither haben sich die Gehirne beider Gruppen völlig unabhängig voneinander entwickelt.
Dass Oktopusse nun dieselbe Fähigkeit zur Spiegelnutzung zeigen wie manche hochentwickelte Wirbeltiere, deutet darauf hin, dass die Natur hier unabhängig voneinander die gleiche clevere Lösung für räumliche Navigationsprobleme hervorgebracht hat.

















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