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Festival Visions du Réel stellt Realität auf den Prüfstand
Das Dokumentarfilmfestival Visions du Réel in Nyon sieht sich als Kompass in einer Welt, in der "die Realität immer mehr in den Hintergrund tritt". Die 57. Ausgabe wartet mit 164 Filmen aus 75 Ländern auf.
Eröffnen wird das 57. Visions du Réel mit "Cover-Up" von Laura Poitras und Mark Obenhaus am 17. April. Der US-amerikanische Dokfilm zeichnet ein Porträt des US-Journalisten Seymour Hersh, der zu Kriegsverbrechen im Vietnamkrieg, zu Watergate oder Foltermethoden im Gefängnis Abu Ghraib im Irak recherchiert hat. Der Film lief bereits ausser Konkurrenz an den letztjährigen Filmfestspielen in Venedig.
Poitras habe "zwanzig Jahre gebraucht, um Hersh zur Teilnahme zu bewegen", sagte Emilie Bujès, künstlerische Leiterin des Festivals, der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.
Für den diesjährigen internationalen Langfilmwettbewerb sind dreizehn Filme programmiert, davon drei mit schweizerischer Handschrift: "Heat" von Jacqueline Zünd , die französisch-schweizerische Koproduktion "Dentro" von Elsa Amiel und die schweizerisch-französische Koproduktion "Saudades Eternas" von Emma Boccanfuso.
Zwischen engagiert und intim
Der nationale Wettbewerb spiegelt die Vielfalt im Dokumentarfilmschaffen, zwischen engagierten Filmen und eher intimen Erzählungen. Auf dem Programm stehen etwa "En terrain neutre" zur Schweizer Neutralität vom Lausanner Filmemacher Stéphane Goël und dem Journalisten Mehdi Atmani oder "What Comes from Sitting in Silence" von Sophie Chrago, einer Anthropologin, Dokumentarfilmerin und Aktivistin schweizerisch-indischer Herkunft; der Film wurde in einem islamischen Frauengericht in Indien gedreht.
Neu am diesjährigen Visions du Réel ist die Sektion "Borderlight". Sie ist für Spielfilme vorgesehen, die eng an die Realität angelehnt sind. Bujès kündigt für diese Sektion Filme an wie "Tristan Forever" des Zürchers Tobias Nölle, der einen ehemaligen Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen in den Fokus rückt, oder "Chronovisor" von Jack Auen und Kevin Walker; der Film ist ein eher experimentelles Projekt um eine fiktive Maschine, mit der man die Vergangenheit fotografieren kann.
Zum gesamten Programm mit seinen 164 Filmen aus 75 Ländern, davon überdurchschnittlich viele aus dem Iran, sagte die künstlerische Leiterin des Festivals, dass die Filme in einer gewissen zeitlichen Verzögerung auch das internationale Zeitgeschehen spiegelten - in diesem Jahr "mit Bezug zur Ukraine, zu Israel und zum Iran". Das 57. Visions du Réel findet vom 17. bis 26. April statt.
















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