Die digitale Ausgabe des Sarganserländers.
FIFA stellt sich hinter Infantino, UEFA hält an Boykott fest
Die FIFA-Spitze stellt sich nach der heftigen Kritik an den Investoren-Plänen Gianni Infantinos demonstrativ hinter den Präsidenten. Die UEFA zeigt sich unbeeindruckt und bleibt hart.
Die Führungsspitze des Fussball-Weltverbandes um den schwer in die Kritik geratenen Schweizer FIFA-Chef Gianni Infantino (56) demonstrierte nach der Notfallsitzung in Rabat (MAR) Einigkeit. FIFA-Generalsekretär Mattias Grafström und die anwesenden Mitglieder des Management-Boards hätten Infantino "ihre uneingeschränkte Unterstützung" bekräftigt, "als den einzigen Amtsträger, der von den 211 FIFA-Mitgliedsverbänden gewählt wurde", liess die FIFA in einer Mitteilung verlauten.
Umgekehrt habe auch Infantino seine volle Unterstützung für Generalsekretär Grafström bekräftigt. Der Schwede hatte sich zuletzt angesichts des gescheiterten Plans zum Verkauf von WM-Rechten an Investoren in einer internen Mail an FIFA-Mitarbeiter noch kritisch geäussert.
FIFA räumt Fehler ein
Immerhin räumte die FIFA in ihrer Mitteilung Fehler ein. Es herrsche Einigkeit darüber, dass es nicht beabsichtigt gewesen sei, dem FIFA-Rat und den FIFA-Mitgliedsverbänden "das Gefühl zu geben, vom Prozess ausgeschlossen zu sein, und dass der Prozess anders hätte gehandhabt werden sollen."
Zwar verwarf Gianni Infantino vor sechs Tagen die Pläne, kommerzielle Rechte an FIFA-Wettbewerben an private Investoren zu veräussern, jedoch formierte sich primär in Europa weiter heftiger Widerstand gegen den FIFA-Obmann. Die UEFA will, dass die aktuelle Krise das Ende von Infantinos inzwischen zehnjähriger Amtszeit einläutet. Die FIFA gibt sich kämpferisch und schreibt: "Die FIFA wird keinerlei Angriffe auf ihre Integrität dulden."
Offener Krieg, UEFA hält an Boykott fest
Was ist von diesen FIFA-Statements zu halten? Zuerst einmal kann Gianni Infantino aufatmen. Denn das Meeting in Rabat ist in seinem Sinn verlaufen. Noch am Mittwoch hatte Portugals einstiger Star Luis Figo Infantino zum Rücktritt aufgefordert. Und Mitglieder des FIFA-Rats hätten daran gearbeitet, die erforderliche Anzahl Stimmen zusammenzubringen, um Infantino zur Einberufung einer ausserordentlichen Generalversammlung zu zwingen. Dass nichts in diese Richtung geschah, darf als Sieg für Infantino gesehen werden.
Befürchtet wird aber weiter, dass es zu einem offenen Krieg in der Weltfussball-Politik kommen wird. Im Spiel der machtpolitischen Winkelzüge ist nun wieder die UEFA am Zug. In einer Stellungnahme gegenüber der französischen Nachrichtenagentur AFP hielt der europäische Verband fest, dass er an seinem Boykott der FIFA-Wettbewerbe festhalte.
"Die UEFA-Mitgliedsverbände haben die Bedingungen für ihre Teilnahme an FIFA-Wettbewerben sehr deutlich gemacht", schreibt die UEFA. Neben dem Rückzug des FIFA-Vorschlags - eine Forderung, die bereits erfüllt wurde - verlangt die UEFA "Zusicherungen, dass solche Versuche, den Fussball auf diese Weise zu verfälschen, nie wieder vorkommen werden." Diese Bedingungen seien nicht erfüllt worden, erklärte die UEFA und bekräftigte, dass sie "das Vertrauen in die Präsidentschaft von Gianni Infantino verloren" habe.
Wirbel in England
Aber vor allem englische Medien lancieren immer neue Gerüchte, die Infantino weiter schwächen sollen. "The Sun" kommentierte: "Infanti-No GO! Unglaublicherweise wird Infantino von den FIFA-Führungskräften dabei unterstützt, sein Amt weiter auszuführen." Die "Times" schrieb, Infantino habe Marokko die Austragung des WM-Finals versprochen. Der "Guardian" glaubt zu wissen, dass sich die FIFA einst bei der Gründung einer europäischen Super League (auch dieses Projekt wurde eingestampft) ins europäische Kontinental-Geschäft habe einmischen wollen.
Die FIFA dementierte umgehend, dass Marokko die Austragung des WM-Finals von 2030 (in Casablanca vor 115'000 Zuschauern) versprochen worden sei. Dies wäre ein Affront gegen Spanien und Europa gewesen. Spanien trägt zusammen mit Portugal und Marokko die WM 2030 aus. Dazu finden die ersten drei Spiele in Südamerika (Uruguay, Argentinien und Paraguay) statt.


















Kommentare (0)
Schreibe einen Kommentar