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Forschungsteam knackt Erfolgsrezept für Eurovision Song Contest
Eine Studie hat den Code für einen Sieg am Eurovision Song Contest geknackt: Englisch, Pop und tanzbare Rhythmen sind der Schlüssel. Allerdings garantiert auch dieses Erfolgsrezept keinen Sieg.
Die teilnehmenden Länder hätten über die 70-jährige Geschichte des Wettbewerbs gelernt, welche Merkmale die Chancen auf einen Sieg erhöhen, heisst es in einer Studie unter Leitung der ETH Zürich, die am Mittwoch im Fachmagazin "Royal Society Open Science" publiziert wurde. Das Forschungsteam analysierte dafür alle 1763 Lieder von 51 Ländern aus den Jahren 1956 bis 2024. Pro Song flossen über 35 Merkmale in die Auswertung ein, darunter Tanzbarkeit, Akustik, Emotionalität, Sprache, Genre und thematische Schwerpunkte.
Ein zentraler Faktor für den Erfolg ist die Sprache. Die Daten zeigten, dass Lieder mit englischen Texten eine deutlich höhere Gewinnwahrscheinlichkeit hatten. Französisch, in den Anfangsjahren oft die Sprache der Sieger, sei nach 1990 hingegen zu einem Merkmal für schlechter platzierte Beiträge geworden.
Song Contest wird homogener
Englisch habe sich über die Jahrzehnte zur "Lingua franca" des Wettbewerbs entwickelt. Insbesondere nach der Aufhebung der Sprachregeln im Jahr 1998 sei der Anteil englischsprachiger Lieder sprunghaft angestiegen.
Auch musikalisch hat der Studie zufolge eine Homogenisierung stattgefunden. Pop ist zum Standardgenre geworden. Bei den Audio-Eigenschaften der Lieder stellten die Forschenden fest, dass die "Tanzbarkeit" stetig zunahm, während "akustische" Elemente abnahmen. Erfolgreiche Lieder setzten oft neue Trends, denen andere Länder in den Folgejahren nacheiferten. Zudem seien die Liedtexte im Laufe der Zeit tendenziell länger geworden.
Widerstand aus Südeuropa
Allerdings folgten nicht alle Länder diesem kollektiven Lernprozess. Die Studie identifizierte Frankreich, Italien, Portugal und Spanien als Ausnahmen. Diese Länder hielten mehrheitlich an ihren Landessprachen fest, obwohl sie damit ihre Siegeschancen verringerten. Die Autoren der Studie vermuten, dass für diese Länder die Präsentation der eigenen nationalen Kultur einen höheren Stellenwert habe als der Sieg beim Wettbewerb.
Die weitverbreitete Anpassung an die Erfolgsmerkmale führe zu einem sogenannten "Rote-Königin-Effekt". Weil fast alle Teilnehmenden auf Englisch, Pop und Tanzbarkeit setzten, würden diese Eigenschaften von einem Wettbewerbsvorteil zu einer reinen Grundvoraussetzung. Die Einhaltung des "Codes" sei notwendig, um nicht zu scheitern, garantiere aber längst nicht mehr den Sieg, schreiben die Forscherinnen und Forscher um Dirk Helbing von der ETH Zürich in der Studie.

















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