Die digitale Ausgabe des Sarganserländers.
Frustration bei Alinghi nach den Vorregatten
Nach dem 7. Platz bei den Vorregatten zum America’s Cup 2027 in Neapel herrscht im Alinghi-Team weiterhin Frustration. Der Trimmer Nicolas Rolaz über die Herausforderungen für das Schweizer Boot.
"Um es kurz zu machen: Es ist zum Kotzen ..." Nicolas Rolaz verbirgt seine Enttäuschung nicht, als er auf die acht Rennen seines Wochenendes zurückblickt. Unter Skipper Paul Goodison lag die unter Schweizer Flagge fahrende Crew vor dem letzten Rennen noch auf dem 3. Platz.
Im zweiten Rennen erwischte Alinghis Boot AC40 einen guten Start und lag hinter dem italienischen Team Luna Rossa auf dem 2. Platz, bevor ein überhasteter Fehler alles verspielte. "Wir haben unsere erste Halse verpasst, wodurch wir zurückfielen. Wir haben wohl Geschwindigkeit mit Übermut verwechselt", erklärt der Waadtländer im Gespräch mit Keystone-SDA. "Dadurch gerieten wir etwas in die Defensive, anstatt aggressiv weiterzusegeln. Aus dieser Situation können wir wertvolle Lehren für die Zukunft ziehen."
Mangelnde Erfahrung auf dem Boot
Von der Konkurrenz einge- und überholt, belegte das Boot den 8. Platz und fiel in der Gesamtwertung in den 7. Rang zurück. Bereits ein 7. Platz in der abschliessenden Regatta hätte zum 4. Gesamtrang gereicht. "Im Nachhinein betrachtet, wäre unsere Herangehensweise vielleicht anders gewesen, wenn wir gewusst hätten, dass wir die gleiche Punktzahl erreichen würden. Aber wir wollten während der Regatta keine Punkte simulieren: Wir konzentrierten uns lieber auf unsere Navigation und unseren Ablauf", erklärte Rolaz.
Obwohl dieser Rennvorfall unbedeutend erscheinen mag, zeigt er doch, welches Leistungsniveau erforderlich ist, um im nächsten Jahr erfolgreich zu sein. Auf diesen Booten, die Geschwindigkeiten von bis zu 40 Knoten (über 70 km/h) erreichen können, sind die vier Crewmitglieder durch das Segel getrennt. Die Athleten müssen daher per Funk mit dem Steuermann kommunizieren, um Informationen weiterzugeben, die er von seiner Position aus nicht sehen kann. "Je mehr Trainingsstunden wir sammeln, desto reibungsloser werden die Entscheide fallen", sagt der Trimmer. "Andere Teams haben zwar mehr Segelzeit gesammelt, aber unsere Fortschritte waren beträchtlich, und jeder Tag, den wir als Team auf dem Wasser verbringen, ermöglicht es uns, diesen Abstand zu verringern."
Weiter zur AC75
Weniger als ein Jahr vor dem Hauptwettbewerb konzentrieren sich die Segler der Société Nautique de Genève nun voll und ganz auf die AC75, den 20 Meter langen Einrumpfsegler, mit dem sie im Juli 2027 den Silberpokal gewinnen wollen. Doch bevor sie davon träumen können, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.
Die Athleten kehren nach Barcelona zurück, wo sich der Simulator befindet, bis die Basis in Neapel Ende Oktober bereit ist. Das Boot, das derzeit in Genua renoviert wird, soll im November zu Wasser gelassen werden. Die Konstruktion der letzten Komponenten muss in Kürze freigegeben werden, die Lieferung ist nur wenige Wochen vor dem Wettbkampfstart geplant.
"Wir erhalten unsere Rennteile erst spät in der Saison, daher bleibt uns wenig Zeit zum Testen", erklärte der aus Gilly stammende Rolaz. "Der Grossteil der Arbeit wird im Simulator stattfinden, denn der Einrumpf erreicht so hohe Geschwindigkeiten, dass man sich kaum vorstellen kann, mehr als drei Tage pro Woche zu segeln. Das Boot ist sehr wartungsintensiv, insbesondere die Foils."
Trotz dieser Herausforderungen bleibt der Segler, der vergangene Woche 27 Jahre alt wurde, optimistisch: "Wenn wir unseren Winter gut strukturieren und alles Geplante umsetzen können, denke ich, dass wir konkurrenzfähig sein werden." Alinghis nächste Regatta ist der Louis Vuitton Cup, das Qualifikationsrennen für den America’s Cup, das am 22. Mai 2027 beginnt.

















Kommentare (0)
Schreibe einen Kommentar