Die digitale Ausgabe des Sarganserländers.
Fünf Talente, die für Aufsehen sorgen könnten
Lionel Messi und Cristiano Ronaldo stehen vor ihrer wohl letzten WM. Andere geben in den USA, Kanada und Mexiko ihr Debüt auf der grossen Bühne. Der Blick auf fünf verheissungsvolle Talente.
Im Schatten von Messi
Nico Paz (ARG, 21 Jahre, Como): Bei Argentinien überstrahlt Lionel Messi auch mit bald 39 Jahren alles und jeden. Selbst Inter Mailands Captain Lautaro Martinez und Atléticos Julian Alvarez stehen im mächtigen Schatten von "La Pulga", dem Floh, der die Albiceleste vor vier Jahren zum dritten WM-Titel führte. Aus diesem Schatten entwächst mit Nico Paz einer, der künftig, aber auch schon am Turnier in Übersee, eine tragende Rolle im Team von Lionel Scaloni einnehmen könnte.
21 Jahre alt ist der offensive Mittelfeldspieler, der auf Teneriffa geboren wurde, nie in Argentinien Fussball spielte und sich mit elf Jahren der Jugendakademie von Real Madrid anschloss. Nach acht Teileinsätzen für die Profis der Königlichen folgte der 1,85 Meter grosse Linksfuss vor zwei Jahren dem Lockruf von Cesc Fabregas zum Serie-A-Aufsteiger Como. In Norditalien reifte Paz zu einem der besten Spieler der Liga und führte den Klub in dieser Saison mit 12 Toren und 7 Vorlagen sensationell in die Champions League.
Kein Wunder, will ihn sein ehemaliger Klub, der ihn 2024 für sechs Millionen Euro ziehen liess, zurückholen. Medienberichten zufolge liegt die Rückkaufoption bei lediglich neun Millionen Euro - bei einem Marktwert von mittlerweile 80 Millionen Euro ein schlechter Witz für die Italiener und ein Schnäppchen für die Spanier. Paz vereint Spielintelligenz, technische Finesse und eine herausragende Schusstechnik und könnte bei Argentinien als jüngster Spieler im Kader und trotz "erst" neun Länderspielen für Aufsehen sorgen, zumal er sich gerade noch rechtzeitig von einer Knieverletzung erholt hat.
Spaniens Fundament
Pau Cubarsi (ESP, 19, Barcelona): 128 Spiele hat Pau Cubarsi bereits für den FC Barcelona bestritten. Er ist Olympiasieger mit Spanien, zweifacher spanischer Meister und gewann einmal den spanischen Cup - und dies alles im Alter von gerade mal 19 Jahren. Dabei war der Innenverteidiger nicht ein Mitläufer, sondern mauserte sich bereits nach kürzester Zeit zum Abwehrchef der Katalanen.
Eine Rolle, die er auch in der Nationalmannschaft einnehmen kann. Im Team von Luis de la Fuente dürfte Cubarsi neben Aymeric Laporte gesetzt sein. Noch vor zwei Jahren wurde er vom "Mister" nicht für die EM berücksichtigt. Nun soll der für seine gute Spieleröffnung und das geschickte Zweikampfverhalten bekannte Rechtsfuss das Fundament Spaniens für den zweiten WM-Titel nach 2010 bilden.
Cubarsi geht nicht den einfachen Weg des Querspiels, sondern pflegt einen riskanten, vertikalen Spielstil, der ihn hie und da in Schwierigkeiten bringt und der ihm schon den einen oder anderen Platzverweis einbrachte. Kann er seine Aussetzer abstellen, wird er für Spanien zum wichtigen Mosaikstein im Kampf um den Pokal werden. Während in der Offensive Lamine Yamal und Nico Williams wirbeln, im Zentrum Pedri, Rodri und Fabian Ruiz die Fäden ziehen, hält ihnen Cubarsi den Rücken frei.
Wunderkind zurück in der Spur
Endrick (BRA, 19, Lyon/Real Madrid): Endrick Felipe Moreira de Sousa, kurz Endrick, wurde bereits früh als neues brasilianisches Supertalent bezeichnet. Mit 16 Jahren debütierte er für Palmeiras in der höchsten brasilianischen Liga. Bei seinem ersten Startelfeinsatz trug sich der 1,72 m kleine Angreifer direkt in die Torschützenliste ein. Nur kurze Zeit später sicherte sich Real Madrid die Dienste am Teenager - für eine Ablöse von rund 50 Millionen Euro. Doch bei den Königlichen geriet seine Karriere ins Stocken. Zwar traf Endrick gleich in seinen ersten Partien in der Meisterschaft und der Champions League. Im Starensemble von Real kam er jedoch nicht über die Rolle des Ergänzungsspielers hinaus. Hinzu kam eine hartnäckige Oberschenkelverletzung, die ihn lange zum Zuschauen verdammte.
Eine halbjährige Leihe zu Lyon sollte den begnadeten Stürmer wieder in die Spur bringen. Der Plan der Königlichen ist aufgegangen. Nahe der Schweizer Grenze blühte Endrick auf, steuerte seit Januar in wettbewerbsübergreifend 21 Partien 16 Skorerpunkte bei und verhalf Lyon zurück in die Champions League.
Die Zahlen blieben auch Nationaltrainer Carlo Ancelotti nicht verborgen. Der Trainer der Seleção berief den 19-Jährigen in den WM-Kader. Nach der verletzungsbedingten Absage von Rodrygo und der Nomination des noch nicht fitten Neymar scheinen die Einsatzchancen für Endrick im Team des Rekordweltmeisters so gross wie lange nicht mehr.
Torgefährlicher Innenverteidiger
Luka Vuskovic (CRO, 19, Hamburger SV/Tottenham): Sechs Tore erzielte er, und damit so viele wie kein anderer Innenverteidiger in der vergangenen Bundesliga-Saison. Und dies als Leihspieler, mit gerade mal 19 Jahren. Nicht nur die Zahlen sind beeindruckend, sondern vor allem das Auftreten von Luka Vuskovic. Trotz seines noch jungen Alters war er beim Aufsteiger aus der Hansestadt der unumstrittene Abwehrchef, der dirigierende Leader, der Fels in der Brandung.
In Hamburg hätten sie den Kroaten gerne über die Saison hinaus gehalten. Doch Vuskovic hat bei Tottenham einen bis 2030 datierten Vertrag und möchte sich nach seiner erfolgreichen Leihe in der Premier League durchsetzen. Mit seiner Robustheit ist der bei Hajduk Split ausgebildete Spieler prädestiniert für den Fussball auf der Insel.
Vorerst aber steht für ihn das erste grosse Turnier mit Kroatien an. Im Team von Zlatko Dalic nimmt Vuskovic eine zentrale Rolle in der Fünferkette ein und dürfte mit dem ebenfalls noch jungen Josko Gvardiol (24) von Manchester City die ansonsten routinierte Mannschaft von hinten heraus führen.
Frankreichs Ass im Ärmel
Rayan Cherki (FRA, 22, Manchester City): Ousmane Dembélé, Désiré Doué, Kylian Mbappé, Michael Olise... Keine andere Nation hat ein derart grosses Reservoir an Topspielern in der Offensive wie Frankreich. Selbstredend ist der Konkurrenzkampf bei den Bleus gross. Und doch bringt einer Attribute mit, die ihn für (Startelf-)Einsätze qualifizieren.
Keiner aus dem Team von Didier Deschamps ist technisch so beschlagen wie Rayan Cherki, dem der Ball sowohl am linken als auch am rechten Fuss zu kleben scheint. Hinzu kommen seine Abschlussstärke und seine Spielintelligenz. Der 22-Jährige, der vor einem Jahr von Lyon zu Manchester City gewechselt ist, sieht Räume und Passwege, wo eigentlich keine vorhanden sind. Gerade gegen tiefstehende Gegner, wie sie die Equipe Tricolore in der Vorrunde mit dem Senegal, Irak und Norwegen antreffen wird, dürften die Qualitäten von Cherki gefragt sein.
Zwölf Assists gelangen dem beidfüssigen Offensivspieler in seiner ersten Saison in der Premier League. Mehr schaffte in der vergangenen Spielzeit nur Bruno Fernandes von Stadtrivale United. Knapp 40 Millionen Euro liessen sich die Skyblues die Dienste des französisch-algerischen Doppelbürgers kosten. Es war eine gute Investition - schliesslich ist der Marktwert von Cherki seit seinem Wechsel auf die Insel förmlich explodiert und hat sich mehr als verdoppelt. Spielt er nun noch eine gute WM, wird der Preis weiter steil nach oben gehen.

















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