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Für Deutsche gearbeitet? Russland verurteilt Wissenschaftler
In einem umstrittenen Prozess wegen angeblichen Landesverrats hat ein russisches Gericht den Wissenschaftler Nikolai Sjusew zu sieben Jahren Haft im Straflager verurteilt.
Der Soziologe mit kanadischer und russischer Staatsbürgerschaft sei wegen Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen im Ausland vom Obersten Gericht der Republik Komi in Syktywkar verurteilt worden, teilte der Inlandsgeheimdienst FSB mit. Menschenrechtler haben den 70-Jährigen, der sich für die Rechte ethnischer Minderheiten in Russland einsetzt, als politischen Gefangenen und damit als Opfer von Justizwillkür eingestuft.
Der FSB nannte mehrere internationale Organisationen, die in Russland für unerwünscht erklärt worden sind. Manche davon sind deutsche - diese konnten auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zunächst nicht bestätigen, dass der Soziologe auch für sie tätig gewesen sei. Laut FSB arbeitete Sjusew gegen die Sicherheit und territoriale Unversehrtheit der Russischen Föderation gearbeitet.
Laut russischen Medien war der Professor 2008 nach Kanada ausgewandert, wo er auch die Staatsbürgerschaft erhielt. Gleichwohl habe er seine Heimat immer wieder besucht - und sei dabei 2025 festgenommen worden. Der FSB warf ihm unter anderem vor, im Auftrag von Stellen im Ausland, darunter in der EU, Analysen erstellt und Material gesammelt zu haben, die der Souveränität Russlands schaden. Er soll dafür umgerechnet knapp zwei Millionen Franken von insgesamt zwölf ausländischen Organisationen erhalten haben.
Kritik an Politik Kremlchef Wladimir Putin
Die in Russland verbotene Menschenrechtsorganisation Memorial verwies in einem Beitrag zu dem umstrittenen Gerichtsurteil auch auf einen Artikel des Soziologen im kanadischen Nachrichtenmagazin "Macleans" von 2023 hin. Darin kritisierte Sjusew die Politik von Kremlchef Wladimir Putin. Er sprach sich unter anderem für die Stärkung der Rechte der indigenen Völker Russlands aus. Daher dürften auch die Vorwürfe des FSB rühren, dass Sjusew mit seiner Arbeit auf einen Zerfall Russlands hingearbeitet habe.
In einem deutschen Zeitzeugen-Projekt kritisierte er zudem, dass Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine die Sprecher ethnischer Minderheiten vernichte. Oftmals sind die Vertreter kleinerer Ethnien im Vielvölkerstaat Russland überdurchschnittlich davon betroffen, Männer für den Kriegseinsatz an die Front zu schicken.
Memorial und andere Menschenrechtsorganisationen kritisieren immer wieder, dass der FSB Strafverfahren als Mittel der Abschreckung und Einschüchterung inszeniere. Memorial hat mehr als 1.300 Inhaftierte in Russland als politische Gefangene eingestuft.

















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