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Kultur
Keystone-SDA | Freitag, 13. März 2026

Für einen Moment löst ihre Musik alle Probleme

Nathalie Froehlich begann im Lausanner Untergrund mit Techno-Rap. Mit ihren Auftritten, die sich gern mal zum kathartischen Rave entwickeln, hat sie längst die Bühnen der Deutschschweiz erobert. Am Freitag ist ihr Debütalbum "Et la Fin sera Belle" erschienen.

Es ist eine intensive Zeit für Nathalie Froehlich: Sie befindet sich zwischen Terminen und hält für das Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA auf einer Raststätte irgendwo im Wallis. Am Freitag erscheint ihr Debütalbum. In dieser sonnig-friedlichen Landschaft zeigt sie sich mit einer schnellen Raver-Brille auf der Nase. Über Handy-Videocall erklärt sie, dass viele überrascht sind, dass ihr Debütalbum "Et la Fin sera Belle" erst jetzt erscheint.

Denn die Rapperin ist schon seit einiger Zeit auf dem Radar. Sie rappt mit schwindelerregender Geschwindigkeit auf Französisch und manchmal auf Englisch über technoiden Sound. Ihre Musik ist stark von der Rave-Szene Lausannes geprägt, in der sie ab Anfang zwanzig semilegale Partys im Freien oder in besetzten Häusern mitorganisierte. Dort hatte sie auch erste Auftritte, bei denen sie spontan über die DJ-Sets rappte.

Von der Pop- zur Techno-Party

Und dann geschah 2022 etwas Ungewöhnliches für die Schweizer Musikszene: Noch bevor sie in der Romandie richtig durchstartete, entdeckten und buchten sie Deutschschweizer Veranstalter. "Das ist schon merkwürdig", sagt Nathalie Froehlich. Von anderen Musikschaffenden weiss sie, wie schwierig es ist, den Röstigraben zu überwinden. Ihr eigener Weg führte sie von links-autonomen Kellern der Region Lausanne direkt auf Bühnen in der Deutschschweiz - erst danach wurde sie auch in der Romandie entdeckt.

Mittlerweile hat sie über 140 Shows auf grossen Bühnen wie dem Paléo oder dem Gurtenfestival gespielt, aber auch an kleineren Entdecker-Festivals, wie der Bad Bonn Kilbi in Düdingen. Über 200 Konzerte sind es sogar, wenn man jene Anlässe mitzählt, die nirgends öffentlich ausgeschrieben werden. Nathalie Froehlichs Auftritte sind natürlich nicht zum Stillstehen gedacht. Gerade weil sie sich von der Pop-Party zum kathartischen Rave entwickeln, dürfte sie bei Bookerinnen und Bookern dermassen beliebt sein.

"Den Scheiss auf dieser Welt vergessen"

Sie wird dann auch gern mal als wütend, als "hässig", beschrieben. "Ich kann das verstehen, meine Musik finde ich aber eigentlich ganz fröhlich!", sagt die bald 29-Jährige, die sich selbst als schüchtern bezeichnet. Es komme vor, dass Leute erstaunt sind, wenn sie Nathalie Froehlich kennenlernen. Oft heisse es dann: "Du bist ja gar nicht so durchgedreht, wie deine Musik." Alles andere wäre ja auch ein bisschen "krass", meint Froehlich lachend: "Als würde ich durch die Gegend laufen und alle anschreien."

Gründe, wütend zu sein, gebe es aber genug, sagt die Rapperin, deren Texte oft feministischer und sozialkritischer Natur sind. Ihr beliebtester Song heisst "Tout le Monde (déteste la police)", und schiesst gegen die Polizei als Institution, gegen Rassismus und Klassizismus. Wütend machen sie aber auch die Diskriminierungen, denen Frauen ausgesetzt sind. Sie kennt es aus eigener Erfahrung: "Ich kriege so viel Hass im Netz, das geht bis zu Vergewaltigungsdrohungen. Einfach, weil ich manchen nicht ins Bild passe."

Mit ihren Auftritten wolle sie deshalb jenes Gefühl vermitteln, das auch Raves auslösen können: "Die Sonne geht auf, die Beats dröhnen immer noch durch die Boxen und du bist mit Gleichgesinnten, die für ein paar Stunden den Scheiss auf dieser Welt vergessen können. Für mich ist das auch eine Form von politischem Widerstand."

Vor der Ekstase kommt der Bruch

Ihr Album "Et la Fin sera Belle", das am Freitag erscheint, folgt der Logik ihrer Konzerte. Es lässt sich in zwei Teile gliedern. Für die erste Hälfte hat offensichtlich die Popmusik der Nullerjahre als Inspiration gedient. Zu hören sind Reggaeton, aber auch ein bisschen Baile Funk - und natürlich Hip-Hop.

Dann sorgt der Titel "Éloge Funèbre" für einen plötzlichen Stimmungswechsel. Die bereits veröffentlichte Singleauskopplung ist ein entschleunigter und nostalgischer Song, der sich aufbaut und zur Abwechslung ein Piano ins Zentrum stellt. Nathalie Froehlich kommentiert aus der Perspektive einer Toten im Sarg ihre eigene Beerdigung - und entlarvt zynisch die Heuchelei der Lebenden.

"Wie an meinen Konzerten wollte ich auf dem Album einen Moment des Bruchs", so Froehlich. Live sei das immer auch ein bisschen lustig mitanzusehen: "Nach den ersten euphorischen Songs befindet sich das Publikum auf einmal im Schockzustand."

Was live danach geschieht, lässt die zweite Albumhälfte erahnen: Techno-Rap, der einen an einen Rave der 90er-Jahre versetzt, dürfte endgültig für die vorübergehende Lösung aller Weltprobleme sorgen. Froehlich bedient sich hier verschiedener Genres der elektronischen Musik, viel Hardcore-Techno ist da zu hören, der bisweilen an den cineastischen Sound von The Prodigy erinnert.

Noch Underground oder schon Mainstream?

Das Übertreten von Genregrenzen wird in der Musikindustrie ungern gesehen, weil die Künstlerinnen und Künstler dann schwieriger zu vermarkten sind. Den Spagat zwischen popnahem und subversivem Sound macht Nathalie Froehlich dennoch, die sowohl auf kommerziellen Festen als auch an alternativen Orten spielt. Sie wolle die Welten verbinden, sagt Froehlich. "Im Underground gelte ich als Mainstream, für den Mainstream bin ich Underground."

Für die Platte hat Nathalie Froehlich, die nebenbei in einem kleinen Pensum für den Westschweizer Sender RTS arbeitet, ihr ganzes Erspartes ausgegeben. Sie sei "total pleite", sagt sie lachend. Es wäre schön, wenn sie und ihr Team einmal um die Welt touren könnten.

Jetzt geht es erst einmal zur Albumtaufe. Die gibt es gleich dreimal: Am Donnerstag taufte sie die Platte im Le Romandie in Lausanne. Am Freitag findet die Release-Party im Dachstock der Berner Reitschule statt und am Samstag in der Zentralwäscherei in Zürich. "Es sind Orte, die ich und mein Publikum mögen."

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